Zum Artikel der TAZ
(Fälschliche Übertragung christlicher Maßstäbe
auf den Islam)
Der Dialog mit Muslimen, auch in kleinem Rahmen, muß dringend
gefördert werden, denn das Unwissen über den Islam ist immer
noch groß. Es ist schlichtweg falsch und irreführend, christliche
Maßstäbe und Begriffe auf den Islam übertragen zu wollen:
So ist die christliche Forderung, die Praktizierung der Religion 'auf
die eigenen vier Wände' zu beschränken, mit dem Selbstverständnis
dieser Religion unvereinbar, in der nicht, wie im Christentum, zwischen
Alltag und Sonntag, Profanem und Heiligem unterschieden wird. Jede Tat,
selbst die weltlichste Arbeitstätigkeit oder der Schulbesuch, wird
für einen Moslem zum 'Gottesdienst', wenn sie auf die richtige
Weise und mit der richtigen Motivation begangen wird. Demzufolge ist
es nur schlüssig, dassüberzeugte Musliminnen sich weigern,
ihr Tuch während des Schulbesuches abzulegen.
Mit derartig pauschalisierenden, aber leider falschen Behauptungen lassen
sich Wählerstimmen gewinnen - der Effekt bezüglich der Integration
von Muslimen dürfte jedoch negativ sein. Bildungs- und integrationswillige
junge Frauen, die ihr Tuch aus freier Entscheidung heraus und in durchaus
emanzipatorischer Absicht tragen, fühlen sich dadurch von einer
Gesellschaft abgelehnt, mit der sie sich zuvor noch - wenn auch bedingt
- identifizierten.
Der logische Schluß wäre die noch zunehmende Extremisierung
und Ghettoisierung von Muslimen. Müssen wir den 'Kampf der Kulturen'
wirklich derartig forcieren? Sinnvoll wäre vielmehr die Suche nach
einem gangbaren Mittelweg zwischen völlig unkritischem 'Gutmenschentum'
und falschen Verallgemeinerungen, die dem Feindbild Islam nur Vorschub
leisten.
Quelle: Verfasser des Leserbriefes
Zum Artikel der TAZ
(Die Pervertierung des Islams)
Gemäß Universallexikon ist "Islam" bekanntlich
eine von Mohammed gestiftete Religion, deren heiliges Buch der Koran
ist - und nicht ein Sammelbegriff für sämtliche misogynen
und barbarischen Praktiken im Orient, denen der Rechtfertigung halber
ein religiöses Mäntelchen umgehängt wird. Daß die
Unterscheidung zwischen islamischer Lehre und Bräuchen nichtislamischer
Herkunft auch für Insider nicht immer leicht ist, ist zwar Tatsache,
steht aber auf einem anderen Blatt. Diese Trennung der Bequemlichkeit
halber deshalb gar nicht erst vorzunehmen, ist in vieler Hinsicht dumm.
Unter anderem deshalb, weil dies zur Schürung von Feindbildern
und - auf der "gegnerischen" Seite - zu ebensolcher Frontenverhärtung,
sprich
Fanatisierung führt.
Es gibt unzählige, sehr bekannte islamische Überlieferungen,
in denen Mohammed prophezeite, daß seine Lehre schon sehr bald
nach seinem Tode pervertiert werden würde. Leider werden diese
in den Medien nur höchst selten zitiert - warum?
Nur ein Beispiel: Als ihm zu Ohren kam, daß ein Mann sich von
seiner Frau scheiden ließ, indem er kurz dreimal hintereinander
die "Scheidungsformel" aussprach - anstatt, wie von der islamischen
Lehre vorgeschrieben, eine (übrigens
bei der Frau nicht erforderliche!) mehrmonatige Wartefrist einzuhalten
- sagte er wütend: "Beginnt ihr also schon zu meinen Lebzeiten,
mit dem Koran zu spielen?"
Ich frage mich: Warum ist vielen Menschen so daran gelegen, das Bild
vom grundlegend rückständigen, frauenfeindlichen, militanten
Islam aufrechtzuerhalten - ungeachtet der Tatsache, daß nur ein
Bruchteil der Muslime dieses Islamverständnis teilt? Wäre
es nicht sinnvoller, reformatorische Tendenzen zu unterstützen
und sich mit toleranten und friedlichen Muslimen zu solidarisieren,
statt diese zu attackieren und ihren "Schönfärberei"
vorzuwerfen?
Quelle: Anja Ponte
Zum Interview mit Frau Ali in der TAZ
(Die perfekte Liste der Vorurteile gegen Islam)
Die Liste der bekannten Vorurteile ist weitgehend perfekt: Der Islam
ist also eine rückständige, antisemitische und zur Ghettoisierung,
Frauenbeschneidung und Zwangsverschleierung auffordernde Religion, die
Frauen von höherer
Bildung ausschließt und einen perversen Propheten hat. Alle Neune!
Und dies aus dem Mund einer "Muslimin" (deren Leben schließlich
Beweis genug für ihre unhinterfragt hingenommenen Behauptungen
sei)! Was Wunder, daß die Frau beliebt
ist - denn zu allem Überfluß ist sie wunderschön!
Im Halse einer bewussten, gläubigen Muslima und Feministin (die
es mit ihrer Selbstachtung auch nicht vereinbaren könnte, ihre
Schönheit oder Hässlichkeit wie die ach so emanzipierte Frau
Ali öffentlich zu präsentieren) macht sich da jedoch ein leichtes
Würgen breit. Versteht mich nicht falsch: Ein ebensolches Würgen
muß ich unterdrücken, wenn ich von Frauenschicksalen
wie das der Frau Ali lese - ebenso wie den kaum bezwingbaren Drang,
mir den nächstbesten selbsternannten islamischen "Rechtsgelehrten"
vorzuknöpfen, der seine unwissenden Anhänger glauben macht,
der Islam gebiete derartige Scheußlichkeiten.
Aber: Gebietet es die Achtung vor leidgeprüften aber kämpferischen
Musliminnen, ihnen ein Forum zu bieten, um den Ruf der ohnehin schon
meistgehassten und missverstandensten aller Weltreligionen noch mehr
zu ruinieren, indem sie eine Falschaussage an die andere reihen?
Der Islam ist keine frauenfeindliche Religion! Tatsächlich ist
es die einzige Weltreligion, die der Frau Rechte zugesteht, die sich
die Frauen des christlichen Abendlandes erst in den letzten Jahrzehnten,
und nicht mit Hilfe, sondern trotz des Christentums erkämpften:
Das Recht auf freie Wahl des Ehepartners, auf Scheidung ohne nähere
Angabe von Gründen, auf Besitz und Erbe (das der Frau beträgt
in einigen Fällen nur deshalb halb so viel wie das des Mannes,
weil dieser finanzielle Verpflichtungen hat, die der Frau nicht auferlegt
sind), auf aktives und passives Wahlrecht, Bildung, soziale, berufliche
und politische Aktivität etc.
Einer islamischen Tradition zufolge kam der spätere Kalif Umar
eines Tages zähneknirschend zum Propheten, um sich darüber
zu beschweren, daß die Frauen angesichts ihrer vielen neuen Rechte
anfingen, rebellisch zu werden. Der Prophet soll daraufhin nur gelächelt
haben ...
Kein Zweifel, daß selbstherrliche, skrupellose und machtgeile
islamische "Rechtsgelehrte" diese Religion ohne Ende pervertiert
und mittels Gehirnwäsche an ihren ignoranten Adepten unendliches
Leid über Frauen gebracht haben. Nur: Was hat der Islam damit zu
tun? Ich frage mich: Hat Frau Ali tatsächlich nie die Quellen ihrer
Religion studiert, bevor sie zum Atheismus konvertierte?
Quelle: Anja Ponte
Zu "Kopftuch ist wie Gelber Stern" in der TAZ
(Widersprüchliche Frauenrechtler)
Die traumatisierte, bereits in ihrer Kindheit unter den Schleier gezwungene
iranische Dame ist also der festen Überzeugung, freiwillig tuchtragende
Frauen würden sich bereitwillig selbst demütigen. Nun gut.
Das lässt mich an Dolphus Raymond aus "wer die Nachtigall
stört" denken - ein Außenseiter, der freiwillig die
Gesellschaft der Weißen verlassen hat und nur noch mit Schwarzen
verkehrt. Alle Welt meint, er sei ein armer, verrückter Säufer,
doch es stellt sich heraus, daß er seit vielen Jahren den Dauerbetrunkenen
nur spielt. Nach dem Grund gefragt, erklärt er: "Es ist nicht
ehrlich, aber es hilft den Leuten. Insgeheim gesagt, Miss Finch, ich
bin kein großer Trinker, aber weißt Du, sie könnten
nie, nie verstehen, daß ich einfach so lebe, weil ich so leben
möchte."
Wenn es den Leuten denn hilft (indem ich ihnen das Gefühl gebe,
überlegen zu sein und die Chance, mich großzügig zu
bemitleiden), und mich so vielleicht davor beschützt, Opfer noch
aggressiverer Attacken zu werden, dann, in Gottes Namen, sollen sie
weiterhin denken, ich trage das Tuch, weil ich Masochistin bin und meine
Unterwürfigkeit demonstrieren möchte. Gegenteiligen Behauptungen
wird erfahrungsgemäß ohnehin kein Glauben geschenkt. Das
einzige, was mich daran stört ist die Tatsache, daß Frauen
- oft gerade Frauenrechtlerinnen - damit dasselbe machen, was sie Männern
seit Ewigkeiten vorhalten: Andere Frauen entmündigen und für
intellektuell unzurechnungsfähig erklären.
Quelle: Verfasser des Leserbriefes