Zu "Schröder fordert Kopftuchverbot" in der
FR
(Zur zweispältigen Geschichte des Kopftuchs)
Wenn das Kopftuch wegen einer zwiespältigen Geschichte aus den
Klassenzimmern verbannt werden soll, fordere ich ebenfalls die Abschaffung
von Füllern. Denn sie haben eine mindestens genauso zwiespältige
Geschichte zu verzeichnen: Sie wurden nicht nur zur Niederschrift von
Nützlichem verwendet, sondern auch für Hassschriften, die
größtes Unheil in der Welt anrichteten! Ein pauschales Verbot
eines jeden heiklen religiösen Symbols zeugt nicht nur von Feighiet,
sich mit dem Einzelfall zu beschäftigen, sondern verkennt auch
den Verstoß gegen das Gebot des Art. 1 Abs. I GG, den Menschen
nciht zu einem fremdbestimmten Objekt zu degradieren. Dies aber ist
der Fall, falls die Kopftuchträgerin nicht nach den Traditionen,
sondern nach dem Quran gehen sollte, der die Frau eindeutig auf die
gleiche Stufe neben den Mann stellt! Die Bibel hingegen begründet
die Kopftuchplicht u.a. mit der zweitrangigen Stellung der Frau, die
"des Mannes Abglanz" sei, geschaffen "um des Mannes willen"
(1. Kor. 11). Vor diesem Hintergrund ist es doch zumindest interessant,
wenn Herr SChröder von der "christlich-jüdischen Religion"
und dem "Erbe der Aufklärung" in einem Atemzug spricht!
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(Kopftuch, ein Ausdruck der Scham)
Unsere Großmütter, junge Frauen, Schwestern im Krankenhaus,
Nonnen, Mädchen im Regen. Sie alle tragen Kopftuch. Dieses hat
auch einen pragmatischen Sinn, gegen physische Unbill nämlich zu
schützen. Zugleich wehrt das Kopftuch entscheidend ganz anderen
Kräften. Seelischen, geistigen, sozialen Kräften. Es schützt
in vielfacher Weise vor Kräften, die die Frau bedrängen, wenn
sie sich in die Öffentlichkeit begibt, explosiven Kräften,
die vor allem den Unterschied der Geschlechter betreffen. Das Kopftuch
ist wesentlich ein Ausdruck der Scham.
Ist das Kopftuch in geschildertem Sinn gar nicht ein Symbol und auch
kein "politisches" Symbol, sondern etwas ganz Persönliches,
dann ist es Unrecht, wenn Staat und Politik sich hier überhaupt
anders als zum Zwecke der Sicherung dieses Freiraums einmischen.
Mit dem Glauben wächst die Scham. Der Grund dafür, dass religiöse
Leute den Kopf bedecken, was auch für die Männer gilt, liegt
darin, dass Religion den Sinn für die Wirksamkeit herrschender
Kräfte schärft und die Kraft, das Gute zu wollen, befördert.
Und ein Mittel zur Beförderung des Guten ist der frommen Frau das
Kopftuch, mit dem sie nicht bloß Übel abwehrt, sondern zudem
den eigenen Mann zu Hause umso mehr beglückt, wenn sie es ablegt.
Deshalb sind die muslimischen Frauen - das muss einmal deutlich gesagt
werden - in ihrer Scham auch die kostbarsten, wunderbarsten, edelsten.
Entscheiden muss die Frau. Und sie hat in jedem Fall ein Recht, sich
nach ihrem Gusto zu schützen. Sie muss es nicht und soll es nicht
müssen, es in jedem Falle aber dürfen.
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(Toleranz als Devise)
Nun soll es also ernst werden. Wer kein Kopftuch trägt, ist eine
brave Immigrantin, wer eines trägt, ist eine "böse Islamistin".
Ich hätte aus Regierungkreisen mehr Einfühlungsvermögen
und weniger Engherzigkeit erwartet. "Toleranz" sollte die
Devise - auch im öffentlichen Dienst - lauten, nicht "strikte
Neutralität". Das hieße nämlich Unterdrückung
jeglicher Religion in der Öffentlichkeit.
Ich zum Beispiel bekenne mich zum Christentum und möchte auch in
Klassenzimmern und Amtsstuben hin und wieder das Kreuz sehen. Aber ebenso
muss gestattet sein, dass Muslime ihre Symbole zeigen. Jeder muss sich
zu seinem Glauben bekennen dürfen. Schließlich glauben wir
an den gleichen Gott, der bei den Muslimen eben "Allah" heißt
und auf andere Weise verehrt wird.
Das Kopftuch als eine "politische Demonstration" zu werten
ist stark überzogen. Ein Verbot würde auch alle anderen Kopftuchträgerinnen
verunsichern und könnte zu verständlichen Protestreaktionen
führen. Was würde strikte Neutralität zum Beispiel in
der Weihnachtszeit bedeuten? Auf keinem Amt, in keiner Schule ein Christbaum
oder eine Weihnachtskrippe - alles "verboten". Keine selbst
gebastelten Weihnachtssterne und Engel in den Kindergärten, nur
dumme Teufel, die sagen: "Das dürft ihr hier nicht?"
Weihnachten wäre nur noch Privatsache, was vielleicht einigen Sparkommissaren
ganz recht wäre, aber doch eine Verarmung des öffentlichen
Lebens bedeuten würde. Hat sich das schon mal jemand überlegt?
So kann es nicht gehen. Ideal wäre ein Klassenzimmer mit Kreuz
an der Wand und einer Lehrerin mit Kopftuch, die darin unterrichtet
- zu schön, um wahr zu sein. Nicht das Verbot, das Miteinander
und der gegenseitige Respekt wären meines Erachtens der richtige
Weg und würden auch der Integration weit besser dienen.