Über den Umgang mit Frauen in der Ehe
Angeblich frauenfeindliche Verse aus dem Heiligen Qur-ân erklärt
von Hadayatullah Hübsch


Einleitung
Die Bedeutung des Arabischen beim Lesen des Qur-âns
Vorraussetzung und Ziel der Ehe im Islam
Die weibliche und männliche Anrede im Qur-ân
Die Gleichwertigkeit von Frau und Mann
Die sexuelle Beziehung zwischen Ehepartnern
Sexualität als natürliche Reinigung
Die Metapher des Ackers
Die Behandlung der Ehefrau im Islam
Grundprinzipien für den Beischlaf im Islam
Anleitung für Krisensituationen in der Ehe
Biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern
Die Ehefrau als Gefährtin
Maßnahmen in extremen Krisensituationen der Ehe
Züchtigung als Ausdruck eines niedrigen Ranges
Der Islam als Revolution im Verhältnis der Geschlechter
Die metaphorische Deutung der Züchtigung

"Und wenn Unsere Zeichen ihnen vorgetragen werden, sagen jene, die nicht auf die Begegnung mit Uns hoffen: "Bring einen anderen Qur-ân als diesen oder ändre ihn." Sprich: "Es steht mir nicht zu, ihn aus eigenem Antrieb zu ändern. Ich folge nur dem, was mir offenbart ward. Ich befürchte, falls ich meinem Herrn ungehorsam bin, die Strafe eines schrecklichen Tags." (Heiliger Koran 10:16)

Immer wieder wird von Kritikern des Islams heutzutage gefordert, dass die Muslime bestimmte Verse des Heiligen Qur-âns als unzeitgemäß ansehen sollten. Fortschrittliche Menschen, so wird argumentiert, müssten sich doch von diesen oder jenen Versen distanzieren, weil sie den Errungenschaften der Moderne nicht standhielten und Rückständigkeit beinhalteten.
Insbesondere wird dieser Tage dabei der Vers 35 der Sure An-Nisa (4. Sure) angeführt, in dem es um eine extreme Konfliktsituation in der Ehe geht, sowie auch der Vers 224 der Sure Al-Baqarah (2), in dem ebenfalls eine Situation im Rahmen der Ehe behandelt wird.
Den Muslimen indes gilt der gesamte Heilige Qur-ân als unveränderliches Gesetz zumal der Psyche des Menschen. Allah sagt:
"Und verlies, was dir von dem Buche deines Herrn offenbart ward. Da ist keiner, der Seine Worte verändern könnte, und du wirst außer Ihm keine Zuflucht finden." (18:28)
Wenn auch einige Verse in ihrer Gewichtung im Laufe der Jahrhunderte anderer Interpretation unterlegen sind, so etwa die Verlagerung der Aussagen über den Jihad von der Ebene des Kampfes mit dem Körper und der Waffe auf die Ebene des Kampfes mit dem Intellekt und der Waffe der Argumentation sowie der der Beweisführung (d.h. vom Jihad Saghir, dem kleinen Jihad, hin zum Jihad Kabir, dem großen Jihad), so ist doch der Heilige Qur-ân als Grundlage des Gesetzes für die Menschen bis zum Tage des Jüngsten Gerichts unveränderbar und unveränderlich. Allah sagt im Heiligen Qur-ân:
"Dies ist ein vollkommenes Buch; es ist kein Zweifel darin; eine Richtschnur für die Rechtschaffenen." (2:3)
Die Vollkommenheit eines Buches zeichnet sich nun dadurch aus, dass es, von welcher Seite man es auch betrachtet, keinen Makel hat. Es erklärt selbst die kleinsten Feinheiten. Der weiseste Weise wie derjenige, der über eine nicht so ausgeprägte Verstandesschärfe verfügt, vermag in ihm Erleuchtendes zu finden. Nicht alles, was der Heilige Qur-ân erörtert und erklärt, gilt immer und für alle Menschen gleichzeitig. Manche Verse betreffen bestimmte Menschen, andere betreffen sie nicht. In jedem Falle aber findet derjenige, der von Allah geleitet werden möchte, all seine Suche und all seine intellektuellen, moralischen und spirituellen Bedürfnisse, was ihre Wurzeln und Ausprägungen betrifft, durch ihn befriedigt.
Vollkommenheit bedeutet auch, dass kein Vers des Buches einem anderen Vers des Buches, und darüber hinaus den Wahrheiten der Wissenschaften, widerspricht. Allah sagt dazu:
"Wollen sie denn nicht über den Qur-ân nachsinnen? Wäre er von einem anderen als Allah, sie würden gewiss manchen Widerspruch darin finden." (4:83)
Neben der kategorischen Aussage, dass ein Beweis für den göttlichen Ursprung des Heiligen Qur-âns, d.h. dass er tatsächlich das offenbarte Wort Allahs ist, seine Widerspruchsfreiheit ist, führt dieser Vers an, dass eine Bedingung, seine Göttlichkeit zu erkennen, ein Nachsinnen, d.h. Nachdenken über seine Aussagen ist. Der Verstand eines Menschen ist oft durch allerlei Traditionen, egoistische Bestrebungen und Unreinheiten des Geistes verdunkelt. Wer mit solchen Mängeln behaftet ist, neigt dazu, in einem Buch, das ihm quasi einen Spiegel vorhält, nach Fehlern oder Schwächen zu suchen, weil ihm sein Stolz verbietet, sich selbst als das zu sehen, was er eigentlich ist. Allah sagt deswegen im Heiligen Qur-ân:
"Keiner kann es (d.h. das Buch) berühren, außer den Gereinigten." (56:80) Dieser Vers weist darauf hin, dass die Menschen den Heiligen Qur-ân in dem Maße verstehen, in dem sie sich selbst reinigen oder gewillt sind, sich zu reinigen; und er weist auch darauf hin, dass wir zu seinem Verständnis der Leitung durch jene bedürfen, die gereinigt sind. Dies bezieht sich in erster Linie auf den Heiligen Propheten Muhammad, Segen und Frieden Allahs seien auf ihm, dessen Worte (Hadith genannt) ein Qur-ân-Kommentar erster Güte sind, und in unserer Zeit vor allem auf den von ihm prophezeiten Mahdi, der die Wiederkunft von Jesus ist, Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad, Frieden sei auf ihm, den Verheißenen Messias.


Die Bedeutung der Arabischen Sprache und des Verstandes beim Lesen des Qur-âns

Allah, Der das Innerste der Menschen kennt und jeden auch noch so verborgenen Gedanken, weiß um die Streitsucht der Menschen. Er sagt: "Wahrlich, Wir haben in diesem Qur-ân für die Menschen Gleichnisse aller Art ausführlich erläutert, doch von allen Dingen ist der Mensch am streitsüchtigsten." (18:55)
Allah ermahnt zudem die Menschen, dass sie sich vor Krittelei und vorschneller Bewertung und Deutung hüten sollen. Wenn ein Mensch mit bestimmten Aspekten der Wahrheit konfrontiert wird, die er nicht leicht einzusehen vermag, weil ihm das dafür notwendige Wissen fehlt, neigt er oftmals dazu, dann die Wahrheit mehr oder weniger insgesamt zu leugnen. Allah sagt deswegen:
"So haben Wir ihn nieder gesandt als einen arabischen Qur-ân, und Wir haben darin gewisse Warnungen klar gemacht, auf dass sie Gott fürchten mögen, oder dass er ihnen eine Ermahnung sei. Hoch erhaben ist Allah, der wahre König! Und überhaste dich nicht mit dem Qur-ân, ehe seine Offenbarung dir vollständig zuteil geworden, sondern sprich: "0 mein Herr, mehre mich an Wissen. `" (20:114,115) In diesen Versen gibt es mehrere sehr wichtige Hinweise für den Sucher nach Wahrheit. Beispielsweise, dass Allah in Seiner Allweisheit und gemäß Seines allumfassenden Wissens die arabische Sprache zum Werkzeug Seines vollkommenen Buches gemacht hat, das die partikularen, also einzelnen Völkern entsprechend ihren jeweiligen Bedürfnissen zuvor geoffenbarten Weisheiten und Wahrheiten, so sie auch die gesamte Menschheit Gültigkeit besitzen, zwar auch enthält, aber darüber hinaus vieles, was in derartiger Klarheit und über die vergangenen Zeitläufe hinaus bedeutungsvollen Ausführlichkeit vor der Offenbarung des Qur-âns an den ersten Propheten, der für die gesamte Menschheit und nicht nur ein bestimmtes Volk gesandt worden war, also den Heiligen Propheten Muhammad, Segen und Frieden Allahs seien auf ihm, noch nicht offenbart worden war.
Dass Allah die arabische Sprache ausgewählt hat, liegt an ihrem einzigartigen Charakter, der sich durch eine unübertroffene Vielfalt der Worte und eine unerreichte Tiefe ihrer Wortwurzeln auszeichnet. Zum anderen sagt der oben zitierte Vers, dass sich die Bedeutung mancher Verse dem Sucher nach Wahrheit nicht sogleich erschließt. Es bedarf eines intensiven Nachsinnens und Nachdenkens, Meditierens und Reflektierens, sowie der Gnade Allahs, bis einem der subtile Inhalt bestimmter Verse aufgehen mag. Deswegen ermahnt Allah die Menschen, dass sie nicht vorschnell und kurzschlüssig urteilen sollen, sondern mithilfe ihres Verstandes und vor allem des Gebetes danach trachten sollen, dass ihnen die Bedeutung bestimmter Verse entschlüsselt werden möge.
In diesem Zusammenhang muss darauf hingewiesen werden, dass für eine tiefere Erkenntnis der heiligen Worte des Qur-âns eine gewisse Kenntnis des Arabischen notwendig ist. Eine Übersetzung kann stets nur einige Aspekte beinhalten, aber niemals die Intensität und Größe, die das Arabische vermitteln kann, so Allah will. Deswegen sagt Allah in den oben zitierten Versen ausdrücklich, dass es ein "arabischer Qur-ân" ist.
Es heißt aber auch zur Beurteilung und Interpretation der Verse des Heiligen Qur-âns:
"Er (d.h. Gott) ist es, Der das Buch zu dir herab gesandt hat; darin sind Verse von entscheidender Bedeutung - sie sind die Grundlage des Buches - und andere, die verschiedener Deutung fähig sind. Die aber, in deren Herzen Verderbnis wohnt, suchen gerade jene heraus, die verschiedener Deutung fähig sind, im Trachten nach Zwiespalt und im Trachten nach Deutelei. Doch keiner kennt ihre Deutung als Allah und diejenigen, die fest gegründet im Wissen sind, die sprechen: "Wir glauben daran; das Ganze ist von unserem Herrn" - und niemand beherzigt es, außer den mit Verständnis Begabten -" (3:8).
Zum Abschluss dieser Einführung in die Thematik, d.h. das Bemühen um eine Interpretation der anfangs erwähnten beiden Verse, sei noch auf folgenden Vers hingewiesen:
"Wehe denn denen, die das Buch schreiben mit ihren eigenen Händen und dann sprechen: "Dies ist von Allah", dass sie dafür einen armseligen Preis nehmen möchten! Wehe ihnen also um dessentwillen, was ihre Hände geschrieben, und wehe ihnen um dessentwillen, was sie verdienen!" (2:80).
In diesem Vers warnt Allah in äußerst starkem Ton diejenigen, die den Heiligen Qur-ân nach ihrem eigenen Gutdünken und auf eine ihren eigenen, egoistischen Zwecken allein dienende Weise interpretieren und dadurch versuchen, die Menschen irrezuführen. Ich betone, das Verständnis von Qur-ân-Versen unterliegt bestimmten Bedingungen. Zum einen der Anwendung der Vernunft. Denn Allah sagt: "Er sendet (Seinen) Zorn über jene, die ihre Vernunft nicht gebrauchen mögen." (10:101).
Zum anderen, nach der Erkenntnis durch die Vernunft und ihrem Befolgen nach bestem Wissen und Gewissen, dem geduldigen und gläubigen Erwarten dessen, was Allah durch Seine Gnade enthüllen mag: "Und folge dem, was dir offenbart ward, und sei standhaft, bis Allah Sein Urteil spricht, denn Er ist der beste Richter." (10:110). In diesem Licht und unter diesen Voraussetzungen wende ich mich nun den in Frage stehenden Versen zu.

Vorraussetzung und Ziel der Ehe im Islam

Zuerst dem Vers 224 der Sure Al-Baqarah (2). Er lautet:
"Eure Frauen sind euch ein Acker; so naht eurem Acker, wann und wie ihr wollt, und sendet etwas voraus für euch; und fürchtet Allah und wisset, dass ihr Ihm begegnen werdet; und bringe frohe Botschaft den Gläubigen."
Dieser Vers steht im Zusammenhang mit dem Vers 222, in dem Allah den Gläubigen verbietet, Götzendiener zu heiraten, wobei dieses Verbot direkt gegenüber den Männern wie auch den Frauen ausgesprochen wird. Hieraus geht hervor, dass für den Erfolg einer Ehe der gemeinsame Glaube an Gott unerlässlich ist. Dieser spirituelle Aspekt ist der wesentlichste Aspekt der Heirat. So sagte der Heilige Prophet Muhammad, Segen und Frieden Allahs seien auf ihm: Man kann aus vier Gründen heiraten: Erstens, um der Schönheit willen; zweitens, um des Geldes willen, drittens; um des Standes, also der Abstammung willen; viertens, um der Frömmigkeit, d.h. des Grades der Gottesfurcht und Religiosität willen. Er sagte weiter: O ihr Gläubigen, heiratet um der Frömmigkeit willen.
Wenn das Fundament einer Ehe nicht auf einem gemeinsamen Glauben an Gott beruht, ist es leicht möglich, dass die Ehe durch Zerwürfnisse, die möglich werden, untergraben wird und die Ehepartner, anstatt Zuflucht bei Allah zu suchen, zu bereuen und sich zu verzeihen, im Streit soweit getrieben werden, dass sie sich scheiden lassen, oder dass irgendein anderes schreckliches Ereignis die Ehe zur Hölle macht. Darauf weist Allah hin, indem Er in diesem Vers sagt:
"Jene (d.h. die Götzendiener und Götzendienerinnen) rufen zum Feuer, Allah aber ruft zum Paradies und zur Vergebung durch Sein Gebot." Der gemeinsame Glaube aber lässt Härten des Alltaglebens überstehen und schwere Zeiten, wie sie in Krankheitsfällen oder beruflichem Unglück etc. auftreten können. Darauf wird Bezug genommen in dem abschließenden Satz des Verses 222, in dem es heißt:
"Und Er macht Seine Zeichen den Menschen klar, auf dass sie sich ermahnen lassen."
Eine Ehe, die auf einem praktizierten, festen Glauben an Allah und Seine Religion beruht, wird alle Prüfungen bestehen können. Sie wird die Ziele der vor Gott und den Menschen geschlossenen Heirat erreichen können. Eines dieser Ziele ist ein sozusagen paradiesisches Leben schon auf Erden. Damit ist nicht unbedingt immer ein Leben im Wohlstand und ohne materielle Sorgen gemeint, sondern vor allem ein Zustand des inneren Friedens, der Harmonie der Eheleute, die miteinander durch dick und dünn gehen. Dies verspricht Allah, indem Er sagt:
"Wer recht handelt, ob Mann oder Frau, und gläubig ist, dem werden Wir gewisslich ein reines Leben gewähren; und Wir werden gewisslich solchen ihren Lohn bemessen nach dem besten ihrer Werke." (16:98). Ganz deutlich wird dieses Ziel durch den folgenden Vers erklärt: "Und unter Seinen Zeichen ist dies, dass Er Gattinnen für euch schuf aus euch selber, auf dass ihr Frieden in ihnen fändet, und Er hat Liebe und Zärtlichkeit zwischen euch gesetzt. Hierin sind wahrlich Zeichen für ein Volk, das nachdenkt." (30:22).


Die weibliche und männliche Anrede im Qur-ân

Es mag kritisiert werden, dass hier scheinbar allein die Männer angesprochen werden, so als ob die Frauen ihre Untergebenen seien und sie den Männern zur Verfügung stünden, ohne selbst ein Anrecht auf eigene Erfüllung zu haben. Wer so denkt, missversteht die Diktion des Heiligen Qur-âns. Allah wählt bisweilen Seine Worte so, dass Er einem bestimmten Prinzip einen symbolischen Ausdruck gibt. So spricht Allah von Sich zum Beispiel bisweilen, indem er Seinen Eigennamen erwähnt; oder aber, Allah wählt ein Personalpronomen, das für körperliche Stärke steht, also "Er". So heißt es etwa: "Allah bringt die Schöpfung hervor; dann lässt Er sie wiederkehren; zu Ihm dann werdet ihr zurückgebracht werden." (30:12). Oder aber Allah spricht von Sich im so genannten Plural Majestatis, d.h., indem Er von Sich als "Wir" redet; etwa, wenn Er von Abraham, der eine sehr wichtige Stellung innerhalb der Propheten einnimmt und eine Bedeutung für weite Teile der Welt hatte und hat, sagt: "Und Wir bewahrten seinen Namen unter den künftigen Geschlechtern." (17:109).
Allah indes ist weder männlich, noch weiblich. Gewisse Eigenschaften von Allah, die wir im menschlichen Bereich eher dem weiblichen Geschlecht zuordnen, wenn wir zum Beispiel die Mutterliebe betrachten, die ein Ausdruck sehr barmherzigen und gnadenvollen Verhaltens ist, kommen im Heiligen Qur-ân etwa dadurch zur Sprache, dass Allah Sich den "Gnadenreichen" nennt, wie in dem folgenden Vers: "Die Diener des Gnadenreichen sind diejenigen, die in würdiger Weise auf Erden wandeln, und wenn die Unwissenden sie anreden, sprechen sie: `Frieden`." (25:64).
Das Wort Gnade ist übrigens nicht nur im Deutschen, sondern auch im Arabischen von der Bestimmung her weiblich, d.h. es heißt: die Gnade. Im vorliegenden Vers werden, dies als weitere Erläuterung zum Umstand, dass Allah in bestimmten Fällen, von der Grammatik her, das männliche Geschlecht wählt, "die Diener" angesprochen, aber natürlich sind damit "die Menschen" oder speziell "die Muslime" gemeint, sowohl die Männer unter ihnen, als auch die Frauen; ja sogar die Kinder.
In wiederum einer anderen Weise spricht Allah von sich auch im sächlichen Fall, etwa wenn Er Sich "das Licht" (Al-Nur) nennt, etwa wenn es heißt: "Allah ist das Licht der Himmel und der Erde". (24:36).
Wir sehen daraus, dass dann, wenn in einem allgemeinen Gebot die männliche Seite des Menschen anspricht, damit zugleich auch die weibliche Seite gemeint ist. Dies kann aus vielen Versen des Heiligen Qur-âns geschlossen und deutlich gemacht werden. Wenn Allah also sagt, "dass Er Gattinnen für euch schuf aus euch selber", ist dies natürlich auch in dem Sinne zu verstehen, dass Er Gatten schuf für die Ehemänner. Dass es weiter heißt: "aus euch selber", bezieht sich gerade auf diesen Umstand. Es wäre unsinnig zu denken, die Frauen stammten von den Männern ab. Es geht hier auch nicht um den Ursprung des Menschen, also die Frage, ob ein Urmensch weiblich oder männlich gewesen ist, was in der Mythologie oft diskutiert wird, indem man von "Adam" als dem ersten Menschen spricht, während die Wissenschaft nunmehr davon ausgeht, dass "Eva" der erste Mensch gewesen sei. Es geht hier indes darum, dass innerhalb des Menschengeschlechts Ehepartner füreinander bestimmt sind, d.h. "Gattinnen" (wörtlich genommen) bzw. "Gatten und Gattinnen" (symbolisch gelesen) entsprechen dem Mensch-Sein.
Diese Auffassung findet eine Interpretation auch in einem Hadith, wenn der Heilige Prophet Muhammad, Segen und Frieden Allahs seien auf ihm, sagte: "Wer nicht heiratet, ist nicht von mir". Dies ist jedenfalls die Regel, die allgemein im Islam gültig ist und beachtet wird, von begründeten Ausnahmen abgesehen.
Mir indes ging es in den eben gemachten Ausführungen vor allem darum zu begründen, warum Allah in dem hier zitierten Vers von "Gattinnen" spricht. Es ist falsch zu denken, dieser Vers besage etwa auch, dass es allein Aufgabe des Mannes sei, einen Ehe-Vorschlag einer Frau zu unterbreiten. Dass dies nicht der Fall ist, geht aus der Sunna, d.h. der auf der Lebensweise des Heiligen Propheten Muhammad, Segen und Frieden Allahs seien auf ihm, hervor. Zum Beispiel war es Khadidscha, möge Allah an ihr Gefallen haben, die erste Gattin des Heiligen Propheten, die ihm durch eine Vertraute einen Heiratsantrag machte. Da das Leben des Heiligen Propheten vor seiner Berufung zum Gesandten Allahs vom Qur-ân als makellos bezeichnet wird (10:17), und da im Islam durchaus immer wieder auch seitens
einer Frau oder ihren Eltern ein Vorschlag zu einer Ehe einem muslimischen Mann angetragen wurde und wird, ist es in Übereinstimmung mit der eben ausgeführten Interpretation, davon zu sprechen, dass vom Prinzip her beide Ehepartner gemeint sind, wenn es heißt: "Und unter Seinen Zeichen ist dies, dass Er Gattinnen für euch schuf aus euch selber, auf dass ihr Frieden in ihnen fändet". Weiter erklärt wird dieser Umstand in dem nachfolgenden Satz: "Und Er hat Liebe und Zärtlichkeit zwischen euch gesetzt". Wenn "Frieden" die Ausgangslage und Grundlage für das Eheleben ist, wobei es klar ist, dass dieser "Frieden" nicht einseitig sein kann, d.h. dass nur der Mann in seiner Gattin, die Allah für ihn schuf, Frieden findet, denn wenn seine Gattin nicht in ihm Frieden findet, kann der Frieden des Ehemanns nicht dauerhaft und vollkommen genannt werden, wenn also "Frieden" die Voraussetzung für eine glückliche Ehe ist, dann entstehen daraus "Liebe und Zärtlichkeit", wie es in diesem Vers nachfolgend heißt. Dass Allah konkret davon spricht, dass Er "Liebe und Zärtlichkeit zwischen euch gesetzt" hat, bestätigt weiter, dass die Anrede an die Männer ("dass Er Gattinnen für euch schuf") nur symbolisch gemeint sein kann, denn es heißt ja eindeutig, dass "zwischen euch", d.h. den Ehepartner, "Liebe und Zärtlichkeit gesetzt" wurde. Beides, Liebe wie Zärtlichkeit, beruht auf gegenseitiger Achtung, auf dem Respektieren der Würde und der Natur des jeweilig anderen, es ist unmöglich, dass "Liebe und Zärtlichkeit" einseitig sind.

Die Gleichwertigkeit von Frau und Mann

Selbst, wenn wir in Betracht ziehen, dass in einer unterwürfigen Beziehung einer Frau zu einem Mann so etwas wie Liebe mitspielt, d.h. dass etwa die Stärke und Macht des Mannes geliebt wird, denen eine Frau sich unterwirft, so ist diese Form der Liebe doch sehr schwach und brüchig, weil letztlich das Herz bzw. die Natur der Frau, die ja in ihrem Selbstwertgefühl, in der Beachtung ihrer eigenständigen Persönlichkeit wurzeln, gegen eine sklavenhafte Liebe rebellieren werden. Tatsächlicher Frieden, tatsächliche Liebe und Zärtlichkeit benötigen die gegenseitige Anerkennung der jeweiligen Einheit, von der nicht in gebührender Weise die Rede sein kann, wenn die Frau in einer Position zu verharren genötigt wird, die in einem Abhängigkeitsverhältnis zum Ehemann besteht. Die Lehren des Islams sehen deswegen zum Beispiel vor, dass der Bräutigam der Braut eine Morgengabe schenkt, damit sie eine gewisse Unabhängigkeit auf finanzieller Ebene bewahren kann. Und ganz deutlich wird die gegenseitige Achtung der Persönlichkeit und eine gewisse Autonomie beider Ehepartner als absolut notwendig und von Allah geboten in folgendem Vers festgesetzt, der die absolute und durch nichts zu beeinträchtigende Gleichwertigkeit von Mann und Frau feststellt:
"Sie sind euch ein Gewand, und ihr seid ihnen ein Gewand." (2:188) Hier ist ohne Wenn und Aber festgestellt, dass ein Mann keinen Vorzug vor einer Frau hat, und keine Frau einen Vorzug vor einem Mann hat, was die Rechte der Persönlichkeit und die Bedürfnisse
der Psyche betrifft. Ein Gewand verschönert, schützt vor Kälte oder Hitze, bedeckt die Blöße, sei sie materiell oder immateriell. Dass diese absolute Gleichwertigkeit der Geschlechter in allen erdenklichen Aspekten gilt, sagt Allah im folgenden Vers: "Wahrlich, die muslimischen Männer und die muslimischen Frauen, die gläubigen Männer und die gläubigen Frauen, die gehorsamen Männer und die gehorsamen Frauen, die wahrhaftigen Männer und die wahrhaftigen Frauen, die standfesten Männer und die standhaften Frauen, die demütigen Männer, und die demütigen Frauen, die Männer, die Almosen geben und die Frauen, die Almosen geben, die Männer, die fasten, und die Frauen, die fasten, die Männer, die ihre Keuschheit wahren, und die Frauen, die ihre Keuschheit wahren, die Männer, die Allahs häufig gedenken, und die Frauen, die gedenken - Allah hat ihnen Vergebung und herrlichen Lohn bereitet." (33:36).
Neben dem Sinn der Ehe, der in der Schaffung von Frieden besteht, wobei Frieden das wesentlichste Merkmal des Paradieses ist, das auch im Namen der Religion des Heiligen Propheten Muhammad, Segen und Frieden Allahs seien auf ihm, zum Ausdruck kommt ("Islam" heißt übersetzt ja: Frieden finden, indem man zur Übereinstimmung mit dem Willen Gottes gelangt), neben dem Leben eines Friedenszustandes ist, als sein natürliches Ergebnis, auch die Fortpflanzung ein Ziel der Ehe. Kinder zu erzeugen, ihnen eine gute Erziehung angedeihen zu lassen und durch sie Anteil haben an einer künftigen Gestaltung der Welt gehört zum natürlichen Bedürfnis des Menschen. Es ist Bestandteil glücklichen Daseins, das die Sorge um eine bessere Zukunft der Menschheit einschließt und außerdem den Wunsch, weiterhin zum Wohle der eigenen Familie tätig zu sein, was ja eine nicht zu unterschätzende Form von Liebe und Barmherzigkeit ist.


Die sexuelle Beziehung zwischen Ehepartnern

Zur Fortpflanzung gehört in der Regel eine sexuelle Beziehung. Ihr Sinn ist also das Zeugen von Nachkommen. Nachdem Allah dies auf sehr behutsame Weise deutlich gemacht hat, indem Er in dem Vers, den wir gerade diskutieren, davon gesprochen hat, dass Frieden, Liebe und Zärtlichkeit zur paradiesischen Grundlage der Ehe gehören, sagt Er ausdrücklich, dass die Menschen über diese, von Allah gegebenen Verhaltensweisen und Eigenschaften nachdenken soll: "Hierin (also in dem Umstand, dass Frieden, Liebe und Zärtlichkeit für das Eheleben Voraussetzung sind) sind wahrlich Zeichen für ein Volk, das nachdenkt." (30:22).
Kommen wir nun zurück zu jenen Versen, in deren Zusammenhang die Aussage steht, dass die Frauen den Männern "ein Acker" sind. Ich sagte bereits, dass zwei Verse vor diesem erklärt wird, dass nur auf der Basis spiritueller Einigkeit bezüglich der Existenz Gottes eine Ehe geschlossen werden darf. Im darauf folgenden Vers (2:223) gibt Allah ein weiteres Gebot. Es behandelt die monatliche Menstruationsphase der Frau und besagt, dass sexueller Verkehr in diesen Tagen verboten ist. Dieses Gebot hat viele Gründe, auf die einzugehen in unserem Zusammenhang nicht notwendig ist. Nach diesem Gebot stehen die Sätze:
"Haben sie sich (nach der Menstruationsphase) durch ein Bad gereinigt, so geht ein zu ihnen, wie Allah es euch geboten. Allah liebt die sich Bekehrenden und liebt die sich Reinigenden." (2:223). Bemerkenswert ist hier, dass Allah zum sexuellen Verkehr sagt, dass man ihn so vollziehen soll, "wie Allah es euch geboten". Die Frage ist, was mit dem Wort "wie" gemeint ist. Es meint sicherlich nicht nur, dass Allah sexuelle Beziehungen zwischen Ehemann und Ehefrau erlaubt hat, ja zur Bedingung für das Erlangen von Glückseligkeit innerhalb der Ehe gemacht hat. "Wie" besagt zudem, auf die Art und Weise, die Allah bindend gemacht hat für die Ehepartner.
Nun ist der Weg Allahs der Weg des Fortschritts in gutem Sinne, und dies bezieht sich auf alle Stufen des Mensch-Seins, d.h. auf physische, intellektuelle, moralische und spirituelle Stufen. Islam heißt Allahs Religion vom Inhalt her, gleich, welchen Namen die Menschen ihren Glaubensvorstellungen, so sie sich auf Gott gründen, geben mögen. Islam nun heißt, verkürzt gesagt, Frieden. Somit gehört es unabdingbar zur sexuellen Beziehung, dass sie möglichst angstfrei und in weitestgehend friedlicher Situation geschieht, sowohl, was die äußeren Umstände, als auch was die inneren Zustände des Menschen betrifft. Wer dies außer Acht lässt, kann nicht wahrhaftes Glück erleben. Wer vergewaltigt, kann nicht erwarten, dass die vergewaltigte Frau ihm in Zukunft jenes Maß an Respekt entgegenbringt, der für ein gesundes Klima innerhalb der Familie notwendig ist. Wer seine Frau zum sexuellen Verkehr zwingt, oder sie misshandelt, kann nicht erwarten, dass sie eine Empfängnis erlebt, die von harmonischen und befriedigenden Umständen gekennzeichnet ist.
Allah indes trägt den Menschen diese Tatsache nicht vor, indem Er die negativen Folgen eines mehr oder weniger durch gewalttätiges Verhalten bedingten Beischlafs aufmerksam macht, sondern indem Er die Gläubigen auf die richtige Art von Zeugen und Empfangen hinweist, indem Er sagt: "Allah liebt die sich Bekehrenden und liebt die sich Reinhaltenden". (2:223).


Sexualität als natürliche Reinigung

Wenn das Ehepaar sich in Liebe zueinander verhält, wenn es Streit begräbt und einander verzeiht, was grundlegend dadurch möglich wird, dass man sich Gott zuwendet und sich bekehrt, dann ist dies ein Ausdruck der Liebe, die von Allah mit Liebe beantwortet wird, d.h. Allah liebt solche Menschen, und durch die Liebe Allahs lieben sich die Menschen, bzw. die Liebe Allahs manifestiert Sich auf gewisse Weise dann in den Ehepartnern, was sich positiv auf eine mögliche Empfängnis auswirkt und somit auch auf das Kind. Es ist ja nicht so, dass das bloße Zusammentreffen von Eizelle und Samen allein bestimmend sind für das Kind. Es sind viele Umstände, die bei einer Zeugung einwirken.
So lehrte der Heilige Prophet zum Beispiel, dass Eheleute vor einem Beischlaf die Sure 112, d.h. die Sure der Einheit Gottes, rezitieren sollen und zudem das Gebet: "0 Allah, halte den Teufel fern von uns und halte uns fern von dem Teufel in dem, was Du uns bescheren magst." Es wird in dem Hadith, das dieses Gebet überliefert, auch gesagt, dass ein Kind, das danach oder währenddessen gezeugt werden mag, frei sein wird von satanischen Einflüssen, d.h. es wird gesund sein. Nachdem Allah also die Ehepartner wie geschildert ermahnt hat, fügt Er hinzu, dass Er die sich Reinhaltenden liebt. Dies bezieht sich vor allem auf den Zustand sexueller Unreinheit, die mannigfache Ursachen haben kann. Zum Beispiel gilt Keuschheit im Islam als große Tugend. Damit ist nicht Verklemmtheit oder Prüderie gemeint. Sexualität ist etwas Natürliches, und es gilt, keine falsche Scham zu haben oder sich darin heuchlerisch zu benehmen. Und es gilt nicht als gottgefällig, sich dem zärtlichen Beisammensein innerhalb der Ehe zu entziehen, das ja von Allah, wie beschrieben, als guter Zug einer Ehe angesehen wird. Ein gesundes sexuelles Verhältnis zwischen Eheleuten ist naturgemäß. Darunter verstehen wir auch ein vernünftiges Verhältnis zueinander, d.h. wenn die eine oder andere Hälfte der Eheleute ein sexuelles Bedürfnis hat, soll ihm nachgekommen werden. In diesem Sinne hat der Heilige Prophet gesagt, dass eine Ehefrau, die von ihrem Mann gebeten wird, mit ihm zu schlafen, sich nicht verweigern sollte, selbst, wenn sie gerade am Ofen, also bei einer aufwendigen Tätigkeit, beschäftigt ist. Dass dieses Hadith die Frauen anspricht, besagt nicht, dass Frauen sich ihrer Bedürfnisse schämen sollten und dass sie nicht ebenso ein Recht auf Zärtlichkeit hätten. Ich erwähnte bereits, dass in solchen Aussagen stillschweigend auch die andere Seite einbezogen ist. Es ist indes wohl so, dass Männer, was ihre sexuellen Bedürfnisse betrifft, oftmals von größerem Verlangen geprägt sind als Frauen. Das aber heißt nicht, dass sie grob oder schroff mit ihren Frauen umgehen dürften, falls jene gute Gründe haben, ihrem Verlangen nicht nachzukommen. Überdies ist es ein Gesetz der Natur, dass ein Mann sich seines Samens innerhalb gewisser Zeiträume entledigen muss. Ob durch Beischlaf oder einen nächtlichen Samenerguss im Schlaf. Dies besagt, dass es auch so etwas wie eine sexuelle Hygiene gibt, d.h. eine naturgemäße Reinigung des Mannes durch Samenerguss. Deswegen sagt Allah in diesem Vers, dass die Gläubigen sich nicht zu sehr an Vorstellungen von Enthaltsamkeit, die im Wunsch, den sexuellen Trieb zu zähmen, wurzelt, binden sollen. Die Verfeinerung der Sinne durch Zähmung, die der Islam vorschreibt, bedarf Weisheit und das Einhalten des richtigen Maßes. So hat der Heilige Prophet Muhammad, Segen und Frieden Allahs seien auf ihm, gesagt, dass der mittlere Weg der beste ist. Allah verbietet demzufolge das Mönchstum (57:28), aber auch Unsittlichkeit (24:20).
Auf jeden Fall aber ist sexuelles Leben ein Bestandteil der Ehe, es ist zudem ein Mittel der Reinigung des Gemüts, wie muslimische Mystiker ausgeführt haben. Und es ist innerhalb der Ehe (außereheliche sexuelle Beziehungen sind strikt verboten im Islam (70:30-32)) auch ein Weg, Frieden zu finden und Frieden zu stiften.


Die Metapher des Ackers

Im Anschluss an diese Darlegungen steht nun der Satz, auf den sich Kritiker des Islams bisweilen in ihrem Bemühen beziehen, den Weg des Heiligen Propheten Muhammad, Segen und Frieden Allahs seien auf ihm, als frauenfeindlich darzustellen. Im Vers 224 der Sure 2 heißt es nämlich:
"Eure Frauen sind euch ein Acker; so nahet eurem Acker, wann und wie ihr wollt, und sendet etwas voraus für euch; und fürchtet Allah und wisset, dass ihr Ihm begegnen werdet; und bringe frohe Botschaft den Gläubigen."
Der erste Satz dieses Verses gilt manchen Kritikern sogar als Grund, hier von einer "Frauenvergewaltigungssure" zu sprechen. Betrachten wir ihn uns aber einmal etwas näher.
Ich hatte bereits ausgeführt, dass eine eheliche Beziehung, und demzufolge auch das sexuelle Leben in der Ehe, von Frieden, Liebe und Zärtlichkeit geprägt sein soll. Dies bedeutet, dass Gewaltanwendung oder gar Vergewaltigung nicht der Weg eines Muslims sein dürfen. Im Zusammenhang mit den vorhergehenden beiden Versen gesehen, wird hier nur näher erläutert, was die Gläubigen beachten sollen, wenn sie mit ihren Ehepartner verkehren. Dass unreines Denken und Handeln nicht die Liebe Allahs finden, stand ganz am Ende des zuvor gehenden Verses; zudem auch, dass reine Liebe und Liebe zur Reinheit von Allah geliebt werden. Nun aber führt Allah aus, warum es notwendig ist, sich Reinzuhalten. Er wählt dazu das Bild des Ackers. Diese Metapher ist die Grundlage für die Erläuterung, wie Mann und Frau sexuell zusammenfinden sollen.
Ein Acker nun hat Bedürfnisse und der Ackersmann hat ebenfalls Bedürfnisse. Derjenige, der den Acker bestellt, erhofft und erwartet einen Ertrag, seien es Früchte, oder Gemüse, oder Korn. Er wird deswegen alles tun, um den Notwendigkeiten, denen der Acker unterliegt, zu entsprechen. Der Acker braucht Pflege. Wenn er Acker überbeansprucht wird, indem er nicht von der Last des Unkrauts befreit wird, wird das Ackerland letztlich unfruchtbar. Ein Acker verträgt keine Monokultur. Bauersleute wissen, dass sie nach einer gewissen Zeit, innerhalb derer sie beispielsweise Weizen säten, den Acker mit etwas anderem bepflanzen oder besäen müssen, damit sich sein Land erholt. Der Acker benötigt in bestimmten Phasen, dass er gepflügt wird. Das Land muss umgegraben werden. Zum Beispiel dann, wenn im Herbst die Stoppeln auf ihm stehen, muss dafür gesorgt werden, dass sie bis zur Neueinsaat untergegraben werden. Eine Einsaat bedarf besonderer Beachtung. Wenn der Bauer zu viel aussät, werden die Schösslinge zu dicht beieinander stehen, so dass sie sich gegenseitig sozusagen die Luft wegnehmen und im Wachstum behindern. Und so weiter und sofort. Wenn ein Farmer nicht bestimmte, hier annähernd aufgeführte Gesetze der Landwirtschaft beachtet, wird er nicht gut ernten können. Der Acker wird es ihm sozusagen nachtragen, dass er so schlecht behandelt wurde. Von der richtigen Zeit der Aussaat bis zur richtigen Zeit der Ernte hat der Landwirt viel zu tun. Er muss auch aufpassen, dass ihm wilde Vögel nicht die Aussaat wegfressen und vielleicht Vogelscheuchen aufstellen. Kurzum, es ist nicht so, dass man einen Acker beliebig behandeln könnte, und dann trotzdem den besten Ertrag erlangt. Beachtet der Bauer aber die Bedürfnisse des Ackers, wird er sich an ihm und dem Wachstum des Ausgesäten und letztlich den Früchten seiner Hände Arbeit freuen können.
Nun wird von den Kritikern gesagt, das Bild, die Frau einen Acker zu nennen, sei ihrer Würde und ihrem Wert abträglich oder nicht angemessen. Es sei rein zweckorientiert und ihm gemäß sei eine Frau so etwas wie ein Besitz, mit dem man ja tun und lassen könne, was einem beliebt. Nun habe ich ja bereits ausgeführt, dass ein Bauer, der nicht bestimmte Gesetzmäßigkeiten beachtet, keine Freude an seinem Acker haben wird. Das heißt, dass die Vorstellung, der Qur-ân gebe dem muslimischen Mann praktisch alle Freiheit, seinen Gelüsten zu frönen, gar nicht stimmen kann, wenn das Bild richtig gedeutet wird. Eine Misswirtschaft bringt nur Missstände hervor. Wird dieser Vers zudem im Zusammenhang mit den anderen Versen gelesen, die von der Beziehung der Eheleute zueinander handeln, fällt das Gebäude, der Qur-ân betrachte die Frau quasi als willenlosen Besitz des Mannes, in sich zusammen. Ich erwähnte bereits ausführlich, dass eine eheliche Beziehung, und das schließt die sexuelle Beziehung ein, nicht als gut bewertet werden kann, wenn sie nicht auf dem Bemühen beider Ehepartner beruht, Frieden zu schaffen und Liebe und Zärtlichkeit für einander zu hegen. Allah sagt überdies:
"Wenn ihr (Ehemänner) eine Abneigung gegen sie (eure Frauen) empfindet, wer weiß, vielleicht empfindet ihr Abneigung gegen etwas, worein Allah aber viel Gutes gelegt hat." (4:20).
Der Heilige Prophet Muhammad, Segen und Frieden Allahs seien auf ihm, hat, einem Hadith zufolge, Frauen mit Glas verglichen, so dass mit ihnen so sorgsam umgegangen werden sollte, dass sie nicht zerbrechen. Wenn Allah nun in dem hier betrachteten Vers des Heiligen Qur-âns Frauen mit einem Acker vergleicht, dann ist das nicht eine allgemeine Aussage über Frauen schlechthin. Es gibt ja viele Verse im Heiligen Qur-ân, in denen die hohe Moral und hervorragende Tugend sowie die außerordentlichen Eigenschaften von Frauen betont werden. Das hier verwandte Bild bezieht sich indes auf eine bestimmte Situation und eine bestimmte Fähigkeit der Ehefrauen.


Die Behandlung der Ehefrau im Islam

Zum einen geht es darum, dass Ehemänner vor herrschsüchtigem oder gar brutalen Verhalten zurückschrecken sollen. Dass sie stattdessen gütig, weise und liebevoll mit ihren Frauen umgehen sollen, damit sie sich nicht der Früchte berauben, die sie in ihr Leben bringen können. Dies bezieht sich sowohl auf die Freuden der Liebe, die eine Frau, die Schlechtes durch ihren Ehemann erfährt, nicht mehr zu geben in der Lage ist, wodurch er sich des Paradieses auf Erden beraubt, von dem ganz zu schweigen, wie Allah ihn am Tage des Gerichts bewerten mag. Als auch auf diejenigen Ergebnisse der Liebe, die im allgemeinen auch von Männern geschätzt werden, nämlich das Vaterglück, also die Kinder, die einer Ehe entsprießen können. Dies sich vor Augen haltend, wird ein Muslim darauf achten, dass er seine Ehefrau nicht über Gebühr belastet, dass er sie sorgsam und gütig behandelt, dass er ihr Gutes angedeihen lässt und sie vor Schlechtigkeiten schützt. Wir haben bereits in etwa ausgeführt, was für Opfer ein Acker vom Bauersmann verlangt, und was er alles beachten muss, damit sein Acker Früchte trägt. Eine Frau, die sich nicht ihres Frauseins schämt und sich der Verantwortung bewusst ist, die ihr durch den Umstand auferlegt wurde, dass es wesentlich auch an ihr liegt, ob die Familie fortbesteht, von ihrem Volk oder der Menschheit ganz zu schweigen, eine solche Frau wird sich selbst auch mit einem Acker vergleichen können. Dieses Bild spricht ja nicht von einer einseitigen Beziehung, Mann und Frau gleichermaßen haben an ihm Anteil. Mann und Frau gehören zusammen, so wie der Sämann und der Acker, denn es kann schlecht geleugnet werden, dass die Art und Weise, wie der Ehemann seinen Samen zu seiner Frau trägt, gute oder schlechte Wirkung zeigt. Wenn es das Bestreben der Frau ist, gesunde Kinder zu gebären, ist das weder ihrer Würde noch ihrem Wert abträglich. Wenn gesagt wird, dass der Vergleich mit etwas Unbelebtem unschön ist oder eine negative Einstellung zur Weiblichkeit beinhalte, dann sei die Frage erlaubt, was denn auf dem Acker wächst, sind es nicht auch oft Blumen, ja, wunderhübsche Rosen? Und wird nicht ein Mann auch mit einem Baum verglichen? Und: Gibt es denn eine andere Metapher, einen besseren Vergleich, der die Beziehung einer Ehefrau zu ihrem Körper, von dem sie erwartet, dass er ein Kind hervorbringt, so umfassend beschriebe?


Grundprinzipien für den Beischlaf im Islam

Nun wird weiter gesagt, der diesem Vergleich nachfolgende Satz: "so naht eurem Acker, wann und wie ihr wollt, und sendet etwas voraus für euch" - degradiere die Frau zum Sexualobjekt. Was aber besagt er, betrachten wir ihn genauer, wirklich?
Zum einen spricht er davon, dass bezüglich der Tages- oder Nachtzeit, innerhalb derer ein Beischlaf stattfinden kann, den Eheleuten keine Grenze auferlegt ist. Der Satz gestattet dem Ehemann nicht, seine Frau zu belästigen und ihr seinen Willen aufzuzwingen, wie manch ein Kritiker zu meinen beliebt. Ich habe bereits einige Verse angeführt, die etwas von dem Umgangston zwischen Ehemann und Ehefrau, so sie Muslime sind, kundtun, den Allah von ihnen verlangt. Es kann ja wohl schlecht von "Liebe und Zärtlichkeit" oder "Frieden" die Rede sein, wenn ein Mann die Befindlichkeit seiner Frau nicht berücksichtigt - und umgekehrt. Im Grunde wird mit der Erlaubnis, miteinander zu schlafen, ohne sich an eine bestimmte Zeit halten zu müssen, zunächst lediglich gesagt, dass Vorstellungen oder Traditionen, die für den sexuellen Verkehr diese oder jene Stunde vorsehen, als abergläubisch angesehen werden. Dies betrifft auch jene religiösen Kreise, die den sexuellen Verkehr nach astrologischen Berechnungen vorsehen oder nur innerhalb jener Phase erlauben, in der
die Zeugung eines Kindes möglich ist.
Danach wird gesagt, dass gewisse Traditionen oder Vorstellungen, eine bestimmte Stellung sei beim Beischlaf einzunehmen bzw. verboten, keine Bedeutung haben. In den Hadith wird somit gesagt, dass dieser Teil des Verses, d.h. "wie ihr wollt", sich auf eine Diskussion bezieht, die damals geführt wurde, nämlich, ob der Beischlaf a tergo, d.h. vom Rücken der Frau her, erlaubt oder verboten sei. Dieser Vers beantwortet diese Frage, indem er erklärt, dass jegliche Stellung, die das Ehepaar einzunehmen wünscht, erlaubt ist, und dass es Unsinn ist, wenn behauptet wird, dass Kinder, die in einer bestimmten Stellung gezeugt wurden, dadurch unrein würden. Dieser Teil des Verses besagt nicht, dass mit dem "wie ihr wollt" gemeint sei, es sei egal, ob der Mann sich gegenüber der Frau freundlich und liebevoll verhält oder nicht. Im Gegenteil, im nachfolgenden Teil des Satzes, d.h. "und sendet etwas voraus für euch", wird ausdrücklich von Allah gefordert, dass man seinem Ehepartner vor dem Beischlaf etwas schenken soll, womit auch, den Hadith zufolge, Liebkosungen, herzliche Worte und Küsse gemeint sind. Alles in allem wird hier in wenigen Worten eine Grundschule des Beischlafs gegeben.
All dies hat nichts, aber auch gar nichts mit der Vorstellung mancher Leute zu tun, die Ehefrau sei dazu da, vom Mann "benutzt" oder gar ausgenutzt zu werden. Das Gegenteil ist der Fall. Dass dies so ist, belegen die nachfolgenden Sätze des hier diskutierten Verses, d.h. "und fürchtet Allah und wisset, dass ihr Ihm begegnen werdet; und bringe frohe Botschaft den Gläubigen." Im ersten Satz werden die Muslime ermahnt, dass sie sich gerade bezüglich des sexuellen Umgangs vor roher Behandlung vorsehen sollen, d.h. sie sollen fürchten, dass ihr Verhalten vor, während und nach dem Beischlaf nicht dazu führt, dass Allah verärgert über sie ist, so dass sie Seine fürsorgliche Liebe verlieren würden, bzw. sie sollen fürchten, dass die Zuwendung zu ihrem Ehepartner in diesem Akt nicht so gewesen ist, dass Allah mit ihnen unzufrieden ist. So verbat beispielsweise der Heilige Prophet, dass ein Mann sich von seiner Frau zurückzieht, bevor sie es ihm gestattet, d.h. er soll körperlich mit ihr solange verbunden bleiben, bis sie befriedigt ist. Dieser Satz sagt auch, dass die Muslime sich bewusst sein sollen, dass sie für das verantwortlich sind, was durch den möglichen Zeugungsakt bewirkt wird, d.h. sie sollen sich nicht so in ihrer Sinnlichkeit verlieren, dass sie Allah vergessen, sondern im Bewusstsein handeln, dass die mögliche Zeugung eines Kindes auch durch den Grad an Frömmigkeit beeinflusst wird, den sie an den Tag legen, d.h. sie sollen mit all ihren Kräften darauf achten, dass ihre möglichen Kinder die besten Voraussetzungen für ihr Leben erhalten, damit dann, wenn die Eltern Allah begegnen, sie nicht beschämt werden ob ihrer schlechten Handlungsweisen und Er sie segnen möge.
Wenn all dies beachtet wird, so heißt es dann weiter, wird den Gläubigen frohe Botschaft zuteil. Allah wird dann ihr Wirken annehmen und zum Besten fügen, und sie werden in diesem Leben wie im Paradies des Jenseits glücklich sein. Sie werden die Früchte ihres Tuns genießen und in stets zunehmender Liebe miteinander verbunden sein.


Anleitung für Krisensituationen in der Ehe

Indes sind die hier angeführten Verse nicht die einzigen, die sich mit dem Verhältnis von Mann und Frau beschäftigen. Der Heilige Qur-ân gibt Leitung auch zu Komplikationen in der Ehe, bis hin zu genauen Anweisungen, was bei einer möglichen Scheidung seitens des Mannes oder seitens der Frau zu beachten ist. Es kann jedoch auch der Fall auftreten, dass ein Mann sich, aus welchen Gründen auch immer, nicht von seiner Frau scheiden lassen will, obwohl ihr Verhalten allen Anlass dazu bietet. Ein Vers des Heiligen Qur-âns unter all den vielen, die sich mit dem Zusammenleben von Ehemann und Ehefrau auseinandersetzen, ist der Vers 35 der Sure An-Nisa, d.h. auf Deutsch: die Frau (Sure 4). Er lautet in der Übersetzung, die im Verlag Der Islam erschienen ist:
"Die Männer sind die Verantwortlichen über die Frauen, weil Allah die einen vor den anderen ausgezeichnet hat und weil sie von ihrem Vermögen hingeben. Darum sind tugendhafte Frauen die Gehorsamen und die (ihrer Gatten) Geheimnisse mit Allahs Hilfe wahren. Und jene, von denen ihr Widerspenstigkeit befürchtet, ermahnt sie, lasst sie allein in ihren Betten und straft sie. Wenn sie euch dann gehorchen, so sucht keine Ausrede gegen sie; Allah ist hoch erhaben, groß." Ich erwähnte bereits, dass die Kritiker des Islams, die sich über diesen Vers aufregen und ihn als Beispiel einer angeblichen Frauenfeindlichkeit und Frauenunterdrückung seitens des Islams angeben, niemals zugleich andere Verse anführen, solche nämlich, die die Liebe zwischen Mann und Frau betonen. Sie picken stattdessen, ohne wahrscheinlich den Vers im Zusammenhang gelesen zu haben oder einen erklärenden Kommentar, gerade die Punkte heraus, die den Mann als Verantwortlichen über seine Ehefrau schildern und ihm scheinbar die Erlaubnis erteilen, seine Frau zu strafen; ein Wort, das von anderen Qur-ân-Ausgaben mit "schlagen" übersetzt wird; und sie gehen bisweilen so weit, dass sie diese Sure 4 als "Prügelsure" bezeichnen. Würden sie auch nur in etwa die Bedingungen beachten, unter denen der Qur-ân studiert werden soll, z.B. jene, die ich eingangs erwähnte, und würden sie bedenken, wie der Heilige Prophet Muhammad, Segen und Frieden Allahs seien auf ihm, sich gegenüber Frauen verhalten hat, wären sie wohl weniger aggressiv bzw. ungerecht. Immerhin hatte der Heilige Prophet, einem authentischen Hadith zu Folge, verkündet, dass er niemals eine Frau schlage; er hat zudem gesagt, dass der beste unter den Muslimen jener ist, der sich am besten gegenüber seiner Frau und Familie verhält, und hinzugefügt, dass er der beste unter den Muslimen sei. Da Hadhrat Aischa, möge Allah an ihr Gefallen haben, die eine Gattin des Heiligen Propheten war und nach seinem Tode als Theologin und Interpretin des Qur-âns höchste Achtung und Bewunderung durch die Sahabis, d.h. die Gefährten des Heiligen Propheten, erlebte, über das Leben des Heiligen Propheten sagte, dass es wie der Qur-ân gewesen sei, müssen wir den zur Diskussion stehenden Vers wohl in einem Lichte betrachten, das ihn nicht als gängige Praxis der Muslime darstellt, sondern als eine Ausnahmeregelung; dies zumindest, was den zweiten Teil des Verses betrifft, d.h. die Anweisung, wie man sich verhalten solle, wenn eine Ehefrau sich auf eine extrem negative Weise verhält.


Biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern und ihre Konsequenzen

Schauen wir uns aber zunächst einmal den ersten Teil des Verses genauer an. In ihm wird davon gesprochen, dass der Ehemann eine Verantwortung gegenüber seiner Frau und damit für seine Familie hat, die ihn verpflichtet, für ihr Wohlergehen zu sorgen. In der Regel wird diese Aussage so interpretiert, dass es Aufgabe des Ehemannes sei, finanziell für die Belange und Bedürfnisse seiner Familie aufzukommen, und dass somit die Ehefrau wie auch die Kinder von einer Verpflichtung, sich um die finanziellen Voraussetzungen eines normalen Familienlebens zu kümmern, enthoben sind. Dies bedeutet zum Beispiel, dass eine Ehefrau selbst für den Fall, dass sie über ein eigenes Einkommen verfügt, beispielsweise, indem sie mit ihrem Vermögen, das aus Erbschaft oder der Morgengabe stammt, Handel treibt, davon nichts für den Unterhalt der Familie abzuzweigen braucht. Dies betrifft die gesetzliche Regelung, es steht der Ehefrau natürlich frei, aus ihrer Herzensgüte und Großzügigkeit trotzdem etwas zur finanziellen Haushaltslage beizusteuern. Als Begründung dafür, dass der Ehemann als Verantwortlicher über die Familie eingesetzt ist, führt der Qur-ân weiterhin an, dass Allah "die einen vor den anderen ausgezeichnet hat". Die Art dieser Auszeichnung betrifft nun gewiss nicht die Wertigkeit des Mannes. Wir haben ja aus dem vorhin zitierten Vers 188 der Sure 2 gelernt, dass bezüglich des Verhältnisses von Mann und Frau, also was ihren Wert füreinander betrifft, kein Unterschied besteht zwischen Mann und Frau. Der Islam spricht ja deswegen von einer Gleichwertigkeit der Geschlechter. Er lehnt indes den Begriff der Gleichberechtigung als zu verwaschen ab, da in unterschiedlichen Situationen Mann oder Frau unterschiedlich große Rechte genießen müssen, bzw. auch unterschiedlich große Pflichten.
Zum Beispiel wird eine Frau in den Tagen ihres Unwohlseins, d.h. der Menstruationsphase, mehr Rechte genießen als außerhalb dieser Zeit, da sie in den Zeiten ihrer Regel, die ja eine nicht leicht zu nehmende Umstellung in ihrem biologischen Haushalt bedeutet, weniger belastet werden soll, um physisch und mental entspannen zu können.
Man ist immer wieder der Auffassung in der sog. modernen Welt, dass man diese Phase eher beiläufig betrachten soll, und selbst Frauen spielen die Bedeutung dieser Reinigungsphase oft hinunter, aber es gibt keinen Zweifel daran, dass Körper und Gemüt in diesen Tagen Schwankungen unterworfen sind, und man täte gut daran, dafür zu sorgen, dass Frauen in diesem Fall nicht überfordert werden, noch sich überfordern.
Insbesondere aber in Zeiten der Schwangerschaft und jenen nach dem Gebären genießen Frauen besonderen Schutz, der hierzulande als Mutterschaftsschutz bekannt ist. Es wäre brutal und unmenschlich, Frauen während dieser Zeitspanne die gleichen Pflichten abzuverlangen wie ihren Männern, und das heißt auch, dass sie während einer solch schwerwiegenden Belastung mehr Rechte erhalten müssen als ihre Männer.
Ebenfalls unsinnig wäre es, die Gleichberechtigung von Frauen in sportlichen Angelegenheiten einzuklagen. Ihre Konstitution, d.h. biologische Verfassung und Körperstärke, der Muskelaufbau usw. sind anders als die des Mannes, und in der Regel sind sie nicht vergleichbar mit der des Mannes, d.h. sie sind nicht so stark und ausgeprägt. Selbst die glühenste Verfechterin einer bedingungslosen Gleichberechtigung käme nicht auf die Idee, die Boxweltmeisterin gegen den Boxweltmeister antreten lassen zu wollen, es wäre ein höchst ungleicher und für die Frauen aussichtsloser Kampf. Diese Umstände sind es, die in besagtem Vers zur Sprache kommen, wenn Allah sagt, dass die Männer vor den Frauen ausgezeichnet sind. Es sind mithin die biologischen Fakten, die eine Unterscheidung von Mann und Frau bedingen. Indes bezieht sich dieser Vers nicht auf die intellektuellen, moralischen und spirituellen Fähigkeiten und Talente von Mann und Frau.
Wir erfahren ja zum Beispiel aus dem Heiligen Qur-ân, dass Allah Frauen wie Männer zu Empfängern von Offenbarung machte, d.h. dass beide Geschlechter, was ihre spirituelle Möglichkeit betrifft, durchaus gleichwertig, ja auch gleichberechtigt sind. Gleichfalls erfahren wir aus dem Qur-ân, dass Frauen über ebenso große moralische Tugenden verfügen, ich zitierte ja den langen Vers 36 der Sure 33, in dem Allah direkt betont, dass Männer und Frauen gleichermaßen wahrhaft, standhaft, demütig usw. sein können, ja sollen. Was die intellektuellen Fähigkeiten betrifft, so erwähnt der Qur-ân mehrfach, dass Frauen geistig gleichberechtigt sind, zum Beispiel im Vers 196 der Sure 3, deren Anfang lautet, nachdem Allah in den Versen zuvor ein Gebet der Gläubigen wiedergegeben hat: "Ihr Herr antwortete ihnen also: "Ich lasse das Werk des Wirkenden unter euch, ob Mann oder Weib, nicht verloren gehen. Die einen von euch sind von den anderen."
Indes betont Allah, dass weder Mann noch Frau sich dem Bemühen hingeben sollen, etwas zu tun oder zu verlangen, was ihren Fähigkeiten nicht entspricht. So heißt es:
"Und begehrt nicht das, womit Allah die einen von euch vor den anderen ausgezeichnet hat. Die Männer sollen ihren Anteil erhalten nach ihrem Verdienst, und die Frauen sollen ihren Anteil erhalten nach ihrem Verdienst. Und bittet Allah um Seine Huld. Wahrlich, Allah hat vollkommene Kenntnis von allen Dingen." (4:33). Hier wird deutlich gesagt, dass auch die Frauen auf eine bestimmte Weise vor den Männern ausgezeichnet sind. Die Art der Auszeichnung, auf die sich der Vers bezieht, der oftmals für soviel Aufregung gesorgt hat, ist auf Männer bezogen, aber sie besagt nicht, dass Männer einen höheren Wert in den Augen Allahs genießen, nur weil sie Männer sind; denn sonst hätte Allah nicht im Vers 4:33 gesagt, dass generell "die einen von euch vor den anderen ausgezeichnet" worden sind, indem Er Sich auf beide Geschlechter gleichermaßen bezieht. Kurzum, die Verantwortung der Männer, von der in 4:35, also zwei Verse nach dem Vers, in dem davon berichtet wird, dass Frauen von Natur aus etwas haben, was Männer nicht haben, und umgekehrt, geredet wird, betrifft einen bestimmten Aspekt der Verwaltung und der biologischen Konstitution, d.h. Körperstärke, nicht aber, zum Beispiel, den Aspekt von Barmherzigkeit und Liebe, durch den Mütter sich auszeichnen.
Dieser Vers behandelt also eine gewisse Ordnung im Haus einer Familie. Er besagt nicht, dass ein Mann das Recht hat, sich als Diktator zu gebärden oder bevormundend aufzuspielen. Hingegen hat er die Pflicht, seine Frau und gegebenenfalls auch seine Kinder zu Rate zu ziehen, ihre Wünsche und Besorgnisse zu beachten und in Abstimmung mit ihnen und nach Möglichkeit mit ihrem Einverständnis seine Entscheidungen zu treffen. So heißt es im Qur-ân:
"Und ziehe sie zu Rate in Sachen der Verwaltung; wenn du aber dich entschieden hast, dann setze dein Vertrauen auf Allah. Allah liebt die Vertrauenden." (3:160)
Es ist dem Ehemann auch möglich, in Absprache mit seiner Frau ihr die finanziellen Angelegenheiten zu überlassen, d.h. seine Verantwortlichkeit zu delegieren, denn das "zu Rate ziehen in Sachen der Verwaltung" kann auch so ausgelegt werden, dass jemand, ob Ehefrau, Sohn oder Tochter, der sich innerhalb der Familie durch besonderes Geschick in finanziellen Sachen auszeichnet, teilweise oder gänzlich solche Verantwortlichkeit übernimmt, wenn das Familienoberhaupt darum bittet. So heißt es auch:
"Und wie die Frauen Pflichten haben, so haben sie auch Rechte, nach dem Brauch." (2:229).
Die Hinzufügung "nach dem Brauch" besagt, dass Rechte und Pflichten auch an einer mit dem Islam vereinbaren Tradition oder Gepflogenheit gemessen werden, und dass mithin nichts dagegen spricht, wenn eine Frau die Verantwortlichkeit in einem Haushalt übernimmt; was einschließt, dass sie auch als jene auftreten kann, die den Unterhalt für die Familie verdient oder kraft ihres Vermögens für ihn aufkommt. Dies widerspricht nicht dem Vers, den wir gerade diskutieren. Er bietet eine Leitlinie, der in der Regel gefolgt werden soll, während bestimmte Umstände ihre Ausdehnung und Erweiterung mit sich bringen können.


Die Ehefrau als Gefährtin

Es ist angesichts der vielen Verse, die die Gleichwertigkeit von Mann und Frau betonen, Unsinn, die Vorstellung von einem Patriarchat zu pflegen, in dem sich die Ehefrau nur unterwürfig verhalten darf. Unterwürfigkeit ist eine Form von Heuchelei, und Heuchelei wird von Allah im Qur-ân auf das Äußerste verurteilt. Ein muslimischer Mann wird in seiner Frau nur Frieden finden, wenn sie ihm eine Gefährtin ist, während sie wiederum in ihm ihren Gefährten sehen muss. So erhielt Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad, der Verheißene Messias des Islams, demgemäß eine Offenbarung von Allah, die übersetzt lautet: "Eure Frauen sind nicht eure Dienerinnen, sondern eure Gefährtinnen." Und dies ist die wahre Lehre des Islams bezüglich der Beziehung von Ehemann und Ehefrau. So heißt es auch im Heiligen Qur-ân, dass Mann wie Frau nach dem besten ihrer Kräfte handeln sollen, und es ist gut möglich, dass eine Ehefrau über größeres finanztechnisches Geschick verfügt, als ihr Mann; dass sie preiswerter wirtschaften kann, als ihr Mann; und dass es in ihren Fähigkeiten steht, besser mit den Dingen der Welt umzugehen, als ihr Mann:
"Wer aber gute Werke tut, sei es Mann oder Frau, und gläubig ist: sie sollen in den Himmel gelangen, und sie sollen auch nicht so viel Unrecht erleiden wie die kleine Rille auf der Rückseite eines Dattelkernes." (4:125).
Wenn es nun in Erläuterung der Verantwortlichkeit des Mannes als Familienoberhaupt heißt, dass "tugendhafte Frauen die Gehorsamen sind und die (ihrer Gatten) Geheimnisse mit Allahs Hilfe wahren", dann betrifft dies vor allem moralische und spirituelle Angelegenheiten. Wir zeigten ja zuvor, dass sowohl Frauen als auch Männer mit von einander unterschiedenen Eigenschaften ausgezeichnet sind, und dass eine Auszeichnung, die dem Mann die Verantwortlichkeit über seine Familie auferlegt, in seiner körperlichen Stärke liegt, aus der ihm einige Aufgaben erwachsen, die seine Familie betreffen. In der Öffentlichkeit sollte er so als Vertreter seines Hauses handeln. Diese Verpflichtung wird durch eine Besonderheit der islamischen Gesellschaftsordnung erklärlich, der zu Folge Frauen einen größtmöglichen Schutz erhalten, damit sie ihre Würde und Keuschheit wahren können und nicht durch Auftritte vor Behörden oder Gericht etc. in Gefahr laufen, belästigt zu werden. Dieses Prinzip wird in der islamischen Terminologie "Pardah" genannt, was auf Deutsch "Schleier" bedeutet und somit weitgehende Geschlechtertrennung in der Öffentlichkeit, also außerhalb der Familienbande. Dieses Prinzip besagt nicht, dass Frauen zu Hause bleiben müssen. Der Qur-ân sagt nur, dass sie ihre Reize in der Öffentlichkeit bedeckt halten sollen, was nicht nur als Gebot einer Kleiderordnung gesehen werden darf, das die Verhüllung der Haare einschließt, sondern auch als Aufforderung zu verstehen ist, dass Frauen wie Männer alles ihnen Mögliche vermeiden sollen, was zu einem Einbruch in die Privatsphäre angesehen werden kann. Dieses Gebot dient dem Schutz der Ehe, denn Allah warnt im Qur-ân:
"Und nahet nicht dem Ehebruch; siehe, das ist eine Schändlichkeit und ein übler Weg." (17:33).
Hier werden unterschiedslos Männer wie Frauen angesprochen. Wesentlich ist, dass das Wahren der Keuschheit nicht allein Sache der Frauen ist, die ihre Schönheit den Blicken der Männer entziehen sollen, sondern erst recht Sache der Männer, die oftmals einer stärkeren Sinnlichkeit unterliegen als Frauen, und zu denen Allah, wie den Frauen auch, sagt, dass sie ihre Blicke zu Boden schlagen sollen (24:31,32). Das bedeutet, dass Männer wie Frauen Abstand davon nehmen sollen, ihren Gelüsten durch ein Umherschweifen der Augen freien Lauf zu lassen, damit sie ihre Keuschheit wahren.
Um die durch solches Verhalten von einer Überreizung der Sinne durch Zurschaustellung sexueller Attraktivität, männlich wie weiblich, gereinigte islamische Gesellschaft weiter voranzubringen und ihren Mitgliedern den Weg zur moralischen Vervollkommnung und seelischen Läuterung zu erleichtern, ist es notwendig, dass Gerüchte über Fehltritte oder unziemliche Lebensweisen, schlechte Angewohnheiten und sündhaftes Benehmen so weit wie möglich verhindert werden. Würden sie bekannt gemacht, könnte dies andere zur Nachahmung verführen, oder aber auch zum Ausplaudern von ähnlichen Vorkommnissen, was dann einen Schneeballeffekt haben könnte, der sich äußerst Schaden bringend auf eine Gesellschaft auswirken würde.
In diesem Sinne werden die Ehefrauen aufgefordert, im Kreis von Freundinnen usw. nicht über ihre Ehemänner herzuziehen und Unziemliches über sie zu erzählen. Sie sollen also "(ihrer Gatten) Geheimnisse mit Allahs Hilfe wahren", wobei zu beachten ist, dass die Wahrung der Geheimnisse nur möglich ist, wenn sie über eine edle Seele und hohe Moral verfügen, so dass Eifersucht oder Neid ihnen nichts anhaben können. Deswegen heißt es hier "mit Allahs Hilfe". Dass ein solches Verhalten auch den Ehemännern obliegt, ist selbstverständlich. Der Heilige Prophet Muhammad, Segen und Frieden Allahs seien auf ihm, hat deswegen gesagt, dass der Zorn Allahs auf denjenigen fällt, der, zum Beispiel, etwas aus der Intimsphäre anderen erzählt, also das, was zwischen den Eheleuten im privatesten Bereich geschieht. Dass "tugendhafte Frauen die Gehorsamen" sind, wie es zuvor in diesem Vers heißt, besagt nicht, dass Frauen kein Recht auf Einspruch, eine bestimmte Entscheidung des Ehemannes betreffend, haben, oder dass sie keine Kritik am Verhalten des Ehemannes üben dürften, oder dass es ihnen untersagt sei, bestimmte Angewohnheiten und Sitten des Ehemannes als schlecht zu befinden. All dieses ist erlaubt, wobei jeweils zu hoffen ist, dass es gerechtfertigt ist. Zum einen sagt ja der Heilige Prophet: "Ein Gläubiger ist ein Spiegel für einen Gläubigen", so dass der Ehemann im Verhalten seiner Frau eine Art Widerspiegelung seines eigenen Benehmens und Ranges wahrnehmen kann. Zum anderen ist solches Verhalten geradezu eine Pflicht für die Ehefrau, genauso wie umgekehrt für den Ehemann, denn Allah sagt im Qur-ân:
"Rufe auf zum Weg deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung und streite (d.h. diskutiere) mit ihnen auf die beste Art. Wahrlich, dein Herr weiß am besten, wer von Seinem Wege abgeirrt ist; und Er kennt am besten jene, die recht geleitet sind." (16:126).
Mit Gehorsam der tugendhaften Frauen ist also nicht gemeint, dass sie jede Form von ungerechter Behandlung durch den Ehemann erdulden müssen und kein Recht hätten, ihr auf moralische oder gar spirituelle Fehler aufmerksam zu machen. Sie trägt wie er eine Verantwortung im Haus, und ein moralischer Niedergang des Ehemannes, dem sie nicht rechtzeitig auf angemessene Weise begegnet, könnte zum Zerfall des Hauses, zum Ruin führen. Der Gehorsam, der hier gemeint ist, betrifft jene Toleranz für das Eigenleben des anderen, von der auch in dem Vers die Rede war, der besagt, dass Allah in das, was einem am anderen nicht gefällt, vielleicht viel Gutes gelegt hat (4:20). Am Ehemann stets Fehler zu finden, an ihm herum zu mäkeln oder sich gewissen Bitten - etwa, was das Essen betrifft - zu entziehen, ist eine Form von Ungehorsam, die der Harmonie in der Ehe und in der Familie schadet. Der geforderte Gehorsam betrifft auch jene Umstände, in denen der Ehemann, nach reiflicher Überlegung und Beratung mit seiner Frau oder auch der ganzen Familie, zu einer bestimmten Entscheidung gelangt ist. Sie ist dann von der Frau und der Familie mitzutragen, auch wenn es ihr nicht leicht fallen mag. Ungehorsam ist auf vielen Ebenen möglich, stets aber ist nur ein Ungehorsam gemeint in diesem Vers, der sich auf Erlaubtes bezieht, das der Ehemann erbittet oder mitunter auch verlangt. Eine Ehefrau, die sich beispielsweise weigert, mit ihrem Mann spazieren oder essen zu gehen, weil sie ihn ärgern will, verhält sich nicht gemäß jenen Geboten des Heiligen Qur-âns, die das sich Verzeihen und einen liebenswürdigen Umgang miteinander, der auf Erhaltung oder Aufrichtung des Friedens aus ist, zum Bestandteil des Glaubens machen.
Das, was ich hier erläutert habe, wird durch die Sunna, also die Praxis des Heiligen Propheten Muhammad, Segen und Frieden Allahs seien auf ihm, zumal jene, die seinen Umgang mit seinen Ehefrauen betrifft (von dem wir durch die Hadith Kenntnis haben, die beispielsweise auch von seinen Frauen überliefert wurden, wobei dies keineswegs beschönigend geschah) dargelegt. Und auch aus der Lebensweise des Lichts unserer Zeit, dem Verheißenen Messias, in dem der Heilige Prophet gespiegelt wurde, finden wir viele Beispiele dafür.


Maßnahmen in extremen Krisensituationen der Ehe

Nun aber, im Anschluss an die Themen, die der erste Teil des diskutierten Verses beinhält, kommen wir zu jenem Bereich, der vor allem die Gemüter erhitzt. Nachdem die Verantwortung des Mannes und danach die Verantwortung der Frau innerhalb der Ehe behandelt wurde, wird ein Extremfall angesprochen. Jener Fall, in dem eine Ehefrau solch ein widerspenstiges und die Ehre des Hauses, ja den Bestand der Familie zum Untergang treibendes Verhalten an den Tag legt, dass seitens des Ehemannes Maßnahmen ergriffen werden müssen, die Ehe zu retten. Er hätte gewiss die Möglichkeit, sich scheiden zu lassen, wenn eine Ehefrau sich nicht an die zuvor geschilderten Verantwortlichkeiten hält und seine Geheimnisse zur Schau stellt etc. Aber es gibt oft Gründe, die einen Mann daran hindern, sich scheiden zu lassen. Sei es, weil er seine Frau trotz allem liebt, sei es, weil er möchte, dass die Familie gewahrt bleibt, damit die Kinder nicht leiden müssen, oder sei es auch nur, dass er sich die Aufregung einer Scheidung ersparen will; von finanziellen Erwägungen ganz abgesehen.
Wenn also eine Ehefrau alle Grenzen gebührenden Verhaltens durchbricht und das Eheleben an den Rand des Scheiterns bringt, wenn sie die Ehe zur Hölle macht und praktisch nichts unterlässt, um ihrem Mann innerhalb des Hauses und in der Öffentlichkeit zu schaden, indem sie schlecht über ihn redet, üble Gerüchte über ihn verstreut und danach trachtet, ihn zum Gespött der Menschen zu machen, empfiehlt der Qur-ân eine Reihe von Maßnahmen. Dies, vorausgesetzt, der Ehemann möchte sich, aus welchen Gründen auch immer, nicht scheiden lassen.
Diese Maßnahmen sollten nicht allesamt gleichzeitig durchgeführt werden, dies widerspräche der ihnen inne liegenden Weisheit. Keinesfalls rechtfertigt dieser Vers Wutausbrüche, jähzorniges Verhalten, Grausamkeit oder besinnungsloses Verprügeln der Ehefrau. Was hingegen dem Gläubigen anheim gestellt wird, ist, in angemessener Weise und den Umständen entsprechend nach und nach gewisse Schritte zu unternehmen.
Als erstes sagt der Qur-ân, dass der Gläubige alles tun muss, um mit seiner Ehefrau durch Gespräche, durch ermahnende Reden und Worte der Warnung wieder in ein Einvernehmen zu gelangen. Dieser Schritt darf nicht leicht genommen werden. Es ist nicht im Sinne dieses Verses, finstere Drohungen auszustoßen, schreiend die Ehefrau einzuschüchtern oder sie mit verbaler Gewalt zum Schweigen zu bringen. All dies entspricht weder den Vorstellungen von Kommunikation zwischen Menschen allgemein, und um wie viel mehr also der zwischen Eheleuten, noch vermag es wohl irgendwelche tatsächlichen inneren Veränderungen hin zum Guten beim anderen zu Bewirken. Allah gibt im Qur-ân zur Frage des sprachlichen Umgangs miteinander ein Gespräch zwischen dem Propheten Luqman und seinem Sohn wider, in dem es heißt:
"0 mein lieber Sohn, verrichte das Gebet und gebiete Gutes und verbiete Böses und ertrage geduldig, was dich auch treffen mag. Das ist fürwahr ein Merkmal einer festen Gemütsart. Und weise deine Wange nicht verächtlich den Menschen und wandle nicht hochmütig auf Erden; denn Allah liebt keinen eingebildeten Prahler. Und wandle gemessenen Schritts und dämpfe deine Stimme; denn wahrlich, die widerwärtigste der Stimmen ist der Eselsschrei." (31:18-20).
Kurzum, wenn Allah die Gläubigen auffordert, gegenüber jenen ihrer Frauen, die ungehorsam sind oder widerspenstig, mit ermahnenden Worten zu versuchen, eine Änderung in ihrem Verhalten zu erreichen, dann bedeutet dies, sanftmütig mit ihnen zu reden, und nicht etwa, sie im Befehlston anzublaffen. Der Ehemann sollte überdies bei diesem ersten Schritt der drei möglichen Stufen von Maßnahmen alles versuchen, um die Ursachen für das Verhalten seiner Frau herauszufinden. Es mag durchaus sein, dass ein Teil der Schuld bei ihm selbst liegt. Oder dass es ihm gelingt, dann, wenn er verstanden hat, warum seine Frau sich so und so verhält, etwas Praktisches zu tun, durch das sie gerührt wird, so dass wieder Liebe entsteht und Vergebung anstelle von Hass tritt. Wenn nicht Liebe das Motiv ist, das den Ehemann bewegt, sich mit Worten an seine Frau zu wenden, wie könnte dann ihr Herz bewegt werden? Sicherlich geht es nicht darum, sich einzuschmeicheln oder Fehler schön zu reden. Und es geht auch nicht darum, dass der Ehemann jede Beschimpfung hinnimmt, um des "lieben Friedens willen". Wenn die Ehefrau sich wirklich so schädigend verhält, dass ihre Seele und ihr Gemüt sich verfinstern, und sie in diesem Zustand weithin Schaden anrichtet, dann muss der Inhalt der Worte ermahnenden Charakters sein. Aber auf eine solche Weise ermahnend, dass die Ehefrau auch versteht, was der Mann ihr sagen will. Und dies bedeutet, dass er seine Worte auf die Goldwaage legen muss und nicht einfach einen Wortschwall loslässt und seinerseits beleidigend wird durch sein Geschimpfe.

Züchtigung als Ausdruck eines niedrigen Ranges

Ich glaube, es ist deutlich geworden, auf welche Weise die Ermahnung erfolgen sollte. Nützt sie indes nicht, ja, verschlimmert sich das Verhalten der Ehefrau gar, wird von Allah ein zweiter Schritt empfohlen. Dies vorausgesetzt, der Ehemann will sich immer noch nicht scheiden lassen. Dieser zweite Schritt auferlegt dem Ehemann ebenfalls eine Härte. Hatte er zuvor seine Zunge hüten müssen, muss er nunmehr seine sexuelle Leidenschaft zügeln. Denn als nächsten Schritt zu einer möglichen Rettung der Ehe weist Allah das Ehepaar an, sich voneinander im Bett getrennt zu halten. Der Ausdruck, den der Qur-ân dafür verwendet, also "lasst sie allein in den Betten", bedeutet dreierlei.
Erstens, und das ist der unvermeidliche Schritt, das Ende ehelicher sexueller Beziehungen. Zweitens: in getrennten Betten zu schlafen. Und drittens: mit jemandem nicht mehr zu reden. Das Beendigen sexueller Beziehungen wird vom Qur-ân begrenzt. So sagt Allah in Sure 4:130, dass Frauen nicht "in der Schwebe" gelassen werden dürfen, indem man sie fortwährend nicht beachtet. In Sure 2:227 heißt es dazu: "Für die, welche Enthaltsamkeit von ihren Frauen geloben, ist die Wartezeit (längstens) vier Monate; wollen sie dann zurückkehren, so ist Allah gewiss allverzeihend, barmherzig."
In der Tat ist eine solche Maßnahme hart für Mann und Frau. Indes soll sie bewirken, dass durch die Kraft der sexuellen Leidenschaft auch das Feuer der Liebe, die von Verzeihung und Zärtlichkeit geprägt ist, wieder zu lodern beginnen mag. Es kann natürlich auch sein, dass stattdessen Hartnäckigkeit und Verbohrtheit die Folge ist. Will der Ehemann weiterhin eine Scheidung vermeiden, was letztlich wohl nur schwer nachzuvollziehen ist, erlaubt der Qur-ân eine Züchtigung der Ehefrau.
Nun ist die Lehre des Islams darauf ausgerichtet, den Gläubigen zu höchster Moral und einer lebendigen Beziehung zu Allah zu führen. Deswegen sagt Allah zu den Muslimen zum Beispiel, dass sie ihre Gelüste und schlechten Angewohnheiten, ihr unmoralisches Verhalten und eigennütziges Benehmen, ihr egoistisches Denken und ihre weltlichen Begierden aufgeben sollen (2:55). Allah sagt auch, dass die Muslime beten sollen:
"Unser Herr, gewähre uns an unseren Ehepartnern und Kindern Augentrost und mache uns und sie zu einem Vorbild für die Rechtschaffenen". (25:75).
Und es gibt sehr, sehr viele Gebete im Qur-ân und darüber hinaus in den Hadith, die den Muslimen innigst ans Herz gelegt werden, damit Allah ihre Sünden und Vergehen verzeihe und sie auf dem geraden Weg geleitet werden mögen. Ein Ehemann, der in einer solch äußerst peinvollen Situation ist wie jene, von denen der hier diskutierte Vers spricht, wird wohl sehr intensiv um Vergebung seiner eigenen Sünden, als auch dafür flehend beten, dass seiner Frau verziehen werden und sie wieder auf den geraden Weg, fort vom Feuer des Hasses und der Niedertracht, geleitet werden möge.
Der Verheißene Messias, Frieden sei auf ihm, hat in diesem Zusammenhang die Gläubigen ein Gebet gelehrt, in dem der Betende auch dann, wenn er selbst sozusagen unschuldig ist, sich in die Lage des Sündigen versetzt. Dieses Gebet lautet: "Wir sind Deine sündigen Diener und sind von unserem Ego überwältigt; vergib Du uns und schütze Du uns gegen das Unheil dieser Welt und das der nächsten." Zudem heißt es in den Hadith, dass dann, wenn ein Muslim Allah um Verzeihung bittet, Allah auch eine Belohnung seiner Frau gibt. Mit anderen Worten, die Möglichkeiten, eine Änderung im Verhalten einer ungehorsamen Ehefrau zu erreichen, sind vielfältig. Und jene Muslime, die keinen geringen und niederen Rang bei Allah einnehmen, werden diese Möglichkeiten auszuschöpfen suchen. Sie werden auch darauf hoffen, dass Allah ihnen durch einen Traum oder eine andere Form von Offenbarung mitteilt, ob es in einer solch verfahrenen Situation wie der hier beschriebenen überhaupt sinnvoll ist, die Ehe weiter zu führen, denn Allah sagt im Qur-ân:
"Ich bin nahe. Ich antworte dem Gebet des Bittenden, wenn er zu Mir betet. So sollten sie auf Mich hören und an Mich glauben, auf dass sie den rechten Weg wandeln mögen." (2:187).
Da zudem die Muslime daran gebunden sind, dem Vorbild des Heiligen Propheten Muhammad, Segen und Frieden Allahs seien auf ihm, zu folgen, gilt für sie, das Beispiel des Heiligen Propheten zu beachten und ihm gemäß, d.h. seiner Sunna (Lebenspraxis) gemäß zu handeln. Entsprechend einer Überlieferung seiner Worte durch Abu Dawud und Nasa'i verbot der Heilige Prophet das Schlagen von Frauen unter allen Umständen, aber als sein Gefährte Umar beklagte, dass einige Frauen sich so schändlich benähmen, dass man nicht wüsste, wie sie zu bändigen seien, erlaubte er es (was die oben zitierte Offenbarung Allahs bestätigt), indes nur unter der Bedingung, die Tirmidhi überliefert, dass ein Schlag nicht derart sein dürfe, dass durch ihn irgendein Merkmal am Körper entstünde. Diese Aussage besagt auch, dass eine Frau nicht im Gesicht oder auf empfindliche Körperteile geschlagen werden darf. Indes sagte der Heilige Prophet weiter, dass jene Gläubigen, die ihre Frauen schlagen, nicht zu den besten unter den Menschen gezählt würden, während er gleichzeitig sagte, dass er niemals eine Frau schlage und dass der beste unter den Muslimen derjenige ist, der seine Frau am besten behandle und dass er selbst in dieser Beziehung der beste sei; dies überliefert ebenfalls Tirmidhi.
Aus all dem geht hervor, dass der Heilige Prophet es verabscheute, Frauen auf diese Art zu behandeln, und dass er jene Männer, die diese Maßnahme ergriffen, in einen niedrigen Rang einstufte.


Der Islam als Revolution im Verhältnis der Geschlechter für alle Völker und Zeiten

Um zu verstehen, wie es dazu kommen konnte, dass man den Propheten um Erlaubnis bat, die Ehefrau zu schlagen, wenn sie widerspenstig und ungehorsam war, muss man sich auch in jene Zeit, als der Qur-ân herab gesandt wurde, versetzen. Es lässt sich wohl nicht sagen, dass die Araber jener Zeit Frauen sanft, behutsam und liebenswürdig behandelten. Frauen galten als Eigentum, mit dem man tun und lassen konnte, was einem gefiel. Sie wurden beim Glückspiel gewonnen oder verloren und hatten so gut wie keine Rechte, im Allgemeinen jedenfalls. Was der Heilige Prophet Muhammad, Segen und Frieden Allahs seien auf ihm, in seinen eigenen Ehen vorlebte, war eine Revolution im Verhältnis der Geschlechter zueinander. Seine engen Gefährten und Gefährtinnen folgten ihm darin. Indes waren nicht alle, die sich vom neuen Glauben überzeugen ließen, in der Lage, jenes hohe Maß an Selbstkontrolle und Überwindung von eingefleischten Sitten aufzubringen, auf das der Islam abzielt. Sie waren nicht in der Lage, mit ihren Frauen auf eine gefühlvolle, feine Art und Weise zu kommunizieren, und andererseits waren ihre Frauen auch nicht immer gerade begeistert von der geistigen und moralischen wie spirituellen Anstrengung, die ihnen durch den Islam auferlegt wurde. Gewiss, die Mehrzahl der frühen Muslime waren in der Tat im tiefen Glauben verwurzelt und leuchtende Beispiele an Opferbereitschaft. Sie wanderten den spirituellen Pfad des Jihad Akbar, also des Kampfes gegen das Üble, das in ihnen gewesen sein mag, und ihr Verhältnis zu ihren Frauen war von dem Wort des Heiligen Propheten beflügelt, der Frauen mit Glas verglich und ihre gütigste und liebenswürdigste Behandlung vorschrieb. Jenen aber, die nicht fähig waren, sich vollends zu überwinden, die jedoch darauf bedacht waren, eine Scheidung zu vermeiden, weil der Heilige Prophet gesagt hatte, dass von allen erlaubten Dingen die Scheidung das sei, was Allah am meisten hasst, jene suchten Zuflucht in den Sitten, mit denen sie groß geworden waren, wenn sie sonst keinen Ausweg sahen, ihre Frauen im Ehebund so zu halten, dass sie kein Unheil anrichteten. Von daher gesehen ist die Erlaubnis, unter bestimmten Bedingungen zu schlagen, aus der Zeit heraus verständlich.
Wäre dies jedoch das einzige Argument, dass als Erklärung und Rechtfertigung für besagten Qur-ân-Vers vorzubringen ist, wäre jenen beizupflichten, die ihn für unsere Zeit als überholt betrachten. Es muss jedoch berücksichtigt werden, dass der Islam nicht nur ein Weg für jene ist, die in Zivilisation und Kultur bewandert sind und zudem willens und fähig, seine höchsten Stufen, die Einswerdung mit Allah (5:36) anzustreben und durch die Gnade Allahs auch zu erlangen. Es gibt viele rückständige Regionen auf unserer Welt, für deren Bewohner noch nicht einmal die unteren Stufen der geistigen Evolution zugänglich sind. Sie ähneln jenen Arabern, die zur Zeit des Heiligen Propheten in Barbarei lebten. Dass viele von ihnen zu Heiligen wurden, ist ein Wunder. Dass die Muslime, die um den einzigartigen Wert des Heiligen Qur-âns und des islamischen Lebensweges wissen, auch heutzutage jene Höhen durch die Gnade Allahs zu erreichen im Stande sind, ist vor allem dem Segen zuzuschreiben, der der Welt durch das Erscheinen des Imam Mahdi zuteil wurde, in dessen Person auch die Wiederkunft von Jesus Wirklichkeit geworden ist und dem wir die Gründung der islamischen Reformgemeinde "Ahmadiyya Muslim Jamaat" zu verdanken haben.
Aber zu verlangen oder zu erwarten, dass alle Menschen unserer Erde binnen kürzester Zeit von Barbaren zu Heiligen werden und somit dem Vorbild des Heiligen Propheten auch in der Art, wie er Umgang mit seinen Frauen pflegte, folgen werden, ist Illusion. Zudem ist es sogar so, dass in den so genannten modernen, zivilisierten Staaten wie Großbritannien oder Deutschland die Zahl der bitterbös misshandelten und immer wieder heftig geschlagenen Frauen wächst, wobei die Männer, die sie schlagen, meist eingetragene Christen sind. Warum das so ist und welche Rolle der Alkohol dabei spielt, ist hier nicht zu untersuchen. Es geht mir nur darum, dass die Unart, Frauen zu schlagen, sowohl in angeblich hoch stehenden Kulturen als auch in als niedrig eingestuften Zivilisationen oder Ländern ein großes Problem darstellt.
Dies rechtfertigt natürlich nicht, dass sich Männer im Islam das Recht herausnehmen, ihre Frauen zu schlagen. Und wir befürchten, dass diejenigen, die sich so verhalten, nicht nur zu den keineswegs guten Menschen gehören, sondern dass sie überdies selten ein tiefgründendes Wissen über den Islam haben, bzw. dass sie dieses Wissen nicht praktizieren. Es bleibt also zunächst dabei, dass für jene Muslime, die zu den wahrhaften und besten gezählt werden möchten, das Schlagen von Frauen keine Möglichkeit darstellt, da sie dem Propheten gerade in dieser Angelegenheit buchstäblich folgen werden.
Bleibt die Frage noch einmal, warum dieser Vers, in dem vom Schlagen der Frau als letzte Möglichkeit, um den Ehefrieden wieder herzustellen, die Rede ist, im Heiligen Qur-ân verankert wurde. Zum einen, so führte ich ansatzweise bereits aus, ist der Heilige Qur-ân ein Buch, dass für Menschen hoch und niedrig eine Wegweisung darstellt und die unterschiedlichen Stufen, auf denen Menschen sich befinden mögen, berücksichtigt. Nun gibt es Frauen in den verschiedenen Völkern, und dies schließt die westlichen Völker nicht aus, die es gewohnt sind, geschlagen zu werden. Das ist traurig, aber dennoch eine Realität. Sie empfinden Schläge als eine Art Zuwendung durch den Mann. Der Islam heißt dies nicht gut, aber eine Veränderung im Verhalten ist nicht immer auf radikalem Wege möglich, d.h. das schlechte Angewohnheiten einfach von heute auf morgen aufgegeben werden. Würde die vorbildliche Verhaltensweise des Heiligen Propheten, niemals eine Frau zu schlagen, und seine Aussage, dass es den Muslimen verwehrt sei, Frauen zu schlagen, zum unumstößlichen Gebot, wäre dies in vielen Bereichen der Erde nicht umzusetzen. Der Islam lehrt die schrittweise Veränderung des Menschen. Gesellschaftliche Übel können nicht unmittelbar und durch drastische Bestrafung erreicht werden. Erziehung verlangt ein Augenmaß, den Sinn für das Mögliche. So lehrt der Qur-ân, dass die Befreiung eines Sklaven ein Akt großer Tugend ist. Aber ein sofortiges Verbot der Sklaverei wäre damals nicht durchzusetzen gewesen. Davon, dass auch heutzutage in der so genannten modernen Welt zahllose Menschen quasi ein Sklavendasein führen, ganz zu schweigen.
In diesem Lichte betrachtet ist der Qur-an-Vers, den wir diskutieren, ein Ausdruck von Weisheit. Seine Befolgung wird eingeschränkt durch das beispielhafte und für jeden Muslim vorbildliche Verhalten des Heiligen Propheten. Indes weist Allah darauf hin, dass es Sitten und Gebräuchen mancher Völker und Stämme entspricht, dass Frauen eine solche Form von negativer Zärtlichkeit erwarten.


Die metaphorische Deutung der Züchtigung

Sehen wir zudem diese Aussage, dass Frauen gezüchtigt werden können, von einer metaphorischen Warte aus, bleibt ihr Gehalt bestehen, wenn auch das Körperhafte aufgehoben wird. Mit Blicken zu "züchtigen" ist durchaus eine Methode, die eine Veränderung bewirken kann. Eine weitere Möglichkeit metaphorischer Interpretation des Wortes "züchtigen", d.h. zurechtweisen auf eine extreme Weise, wäre, sich im Haus gegenüber seiner Frau so zu verhalten, dass sie sich durch das vorbildliche, demütige Benehmen des Mannes "gezüchtigt" sieht; etwa, wenn er ihr durch Tätigkeiten im Haus vor Augen führt, wie sehr sie ihre Pflichten vernachlässigt. Derlei Beispiele lassen sich viele anführen. "Züchtigen" muss also nicht immer ein Akt körperlicher Bestrafung sein.
Bliebe noch zu fragen, warum Allah im Heiligen Qur-ân derartige Maßnahmen seitens des Mannes vorsieht, nicht aber Vergleichbares seitens der Frau. Die Antwort ist relativ einfach. Die Umgangsweise von Frauen, die es mit einem Allah gegenüber ungehorsamen Mann zu tun haben, der sich ihnen gegenüber zudem als sozusagen ungehorsam erweist, indem er ihnen die ihnen zustehenden Rechte nicht gewährt, ist, wie die Erfahrung zeigt, meist nicht von jener Natur, die sich auf eine gewisse gewaltsame Weise Ausdruck verschafft. Dies hat seine Ursache darin, dass ein Mann in der Regel körperlich stärker ist, und, wenn er ungezügelt, grob und fahrlässig im Verhalten gegenüber seiner Frau ist, wohl kaum klein bei geben würde, wenn seine Frau ihn auf strafende Weise züchtigen würde. Im Gegenteil, er würde wahrscheinlich so gewaltsam werden, dass Schlimmstes zu befürchten ist. Es geht mir hier nicht darum, ein Szenarium zu entwickeln, auf welche Weise ein Ehestreit ausarten kann, wenn eine Frau ihren Mann schlägt. Dass so etwas vorkommt und vielleicht sogar Erfolg hat, ist wohl bekannt. Aber im Allgemeinen wird eine Frau eher zu listigeren Methoden greifen, sie wird es auf die ihr eigene Art versuchen, ihren Mann zu bändigen. Dies schließt durchaus ein, dass sie die ersten beiden Maßnahmen, von denen in dem diskutierten Vers die Rede ist, in ihr gemäßer Weise umsetzt; etwa, indem sie das Gespräch mit ihrem Mann sucht; oder ihm zu verstehen gibt, dass sie seine körperliche Liebe anbetrachts dessen, was er ihr und der Familie antut, verschmäht und ablehnt. Aber sich dies im Einzelnen vorzustellen, ist nicht unbedingt im Rahmen dieser kleinen Ausführung notwendig. Fest steht indes, dass es blanker Unsinn ist, aufgrund dieses Verses von einer "Prügelsure" zu sprechen. Genauso, wie es Unsinn ist, ja Sünde, wenn Männer diesen Vers zum Vorwand nehmen, um ihre Frauen zu schlagen. Er wird verständlich, wenn man ihn im Lichte der Hadith sowie der Erkenntnisse der Ethnologie und anderer Wissenschaften betrachtet. Er ist weder ein Beleg für eine Frauenfeindlichkeit des Islams oder des Qur-âns, noch ein Argument gegen die Göttlichkeit des Qur-âns oder Islams, d.h. gegen die Tatsache, dass der Heilige Qur-ân die unverfälschten, wörtlichen Offenbarungen des Einzigen Gottes enthält, Der Sich dem Heiligen Propheten Muhammad, Segen und Frieden Allahs seien auf ihm, mit Seinem Eigennamen Allah gezeigt hat; bzw. dagegen, dass der Islam, der ja nichts anderes ist als der tatsächliche Weg des Heiligen Propheten, also seine Sunna oder Lebenspraxis, in dem Sinne von göttlicher Natur ist, dass der Heilige Prophet nicht aus Begierde seine Botschaft verkündete (53:4), sondern auf Geheiß Allahs, Der ihn vor allen anderen Geschöpfen auserwählt hatte. Vielmehr ist er ein Beweis für die Weisheit Allahs, Der die Natur des Menschen besser kennt als alle anderen Wesen, denn Er hat ihn ja erschaffen. Und unser letztes Wort sei: Aller Preis gebührt Allah, dem Herrn aller Welten. Amen.