Über den Umgang mit Frauen in der Ehe
Angeblich frauenfeindliche Verse aus dem Heiligen Qur-ân erklärt
von Hadayatullah Hübsch
Einleitung
Die Bedeutung des Arabischen beim Lesen des Qur-âns
Vorraussetzung und Ziel der Ehe im Islam
Die weibliche und männliche Anrede im Qur-ân
Die Gleichwertigkeit von Frau und Mann
Die sexuelle Beziehung zwischen Ehepartnern
Sexualität als natürliche Reinigung
Die Metapher des Ackers
Die Behandlung der Ehefrau im Islam
Grundprinzipien für den Beischlaf im Islam
Anleitung für Krisensituationen in der Ehe
Biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern
Die Ehefrau als Gefährtin
Maßnahmen in extremen Krisensituationen der
Ehe
Züchtigung als Ausdruck eines niedrigen Ranges
Der Islam als Revolution im Verhältnis der
Geschlechter
Die metaphorische Deutung der Züchtigung
"Und wenn Unsere Zeichen ihnen vorgetragen werden, sagen jene,
die nicht auf die Begegnung mit Uns hoffen: "Bring einen anderen
Qur-ân als diesen oder ändre ihn." Sprich: "Es
steht mir nicht zu, ihn aus eigenem Antrieb zu ändern. Ich folge
nur dem, was mir offenbart ward. Ich befürchte, falls ich meinem
Herrn ungehorsam bin, die Strafe eines schrecklichen Tags."
(Heiliger Koran 10:16)
Immer wieder wird von Kritikern des Islams heutzutage
gefordert, dass die Muslime bestimmte Verse des Heiligen Qur-âns
als unzeitgemäß ansehen sollten. Fortschrittliche Menschen,
so wird argumentiert, müssten sich doch von diesen oder jenen Versen
distanzieren, weil sie den Errungenschaften der Moderne nicht standhielten
und Rückständigkeit beinhalteten.
Insbesondere wird dieser Tage dabei der Vers 35 der Sure An-Nisa (4.
Sure) angeführt, in dem es um eine extreme Konfliktsituation in
der Ehe geht, sowie auch der Vers 224 der Sure Al-Baqarah (2), in dem
ebenfalls eine Situation im Rahmen der Ehe behandelt wird.
Den Muslimen indes gilt der gesamte Heilige Qur-ân als unveränderliches
Gesetz zumal der Psyche des Menschen. Allah sagt:
"Und verlies, was dir von dem Buche deines Herrn offenbart ward.
Da ist keiner, der Seine Worte verändern könnte, und du wirst
außer Ihm keine Zuflucht finden." (18:28)
Wenn auch einige Verse in ihrer Gewichtung im Laufe der Jahrhunderte
anderer Interpretation unterlegen sind, so etwa die Verlagerung der
Aussagen über den Jihad von der Ebene des Kampfes mit dem Körper
und der Waffe auf die Ebene des Kampfes mit dem Intellekt und der Waffe
der Argumentation sowie der der Beweisführung (d.h. vom Jihad Saghir,
dem kleinen Jihad, hin zum Jihad Kabir, dem großen Jihad), so
ist doch der Heilige Qur-ân als Grundlage des Gesetzes für
die Menschen bis zum Tage des Jüngsten Gerichts unveränderbar
und unveränderlich. Allah sagt im Heiligen Qur-ân:
"Dies ist ein vollkommenes Buch; es ist kein Zweifel darin; eine
Richtschnur für die Rechtschaffenen." (2:3)
Die Vollkommenheit eines Buches zeichnet sich nun dadurch aus, dass
es, von welcher Seite man es auch betrachtet, keinen Makel hat. Es erklärt
selbst die kleinsten Feinheiten. Der weiseste Weise wie derjenige, der
über eine nicht so ausgeprägte Verstandesschärfe verfügt,
vermag in ihm Erleuchtendes zu finden. Nicht alles, was der Heilige
Qur-ân erörtert und erklärt, gilt immer und für
alle Menschen gleichzeitig. Manche Verse betreffen bestimmte Menschen,
andere betreffen sie nicht. In jedem Falle aber findet derjenige, der
von Allah geleitet werden möchte, all seine Suche und all seine
intellektuellen, moralischen und spirituellen Bedürfnisse, was
ihre Wurzeln und Ausprägungen betrifft, durch ihn befriedigt.
Vollkommenheit bedeutet auch, dass kein Vers des Buches einem anderen
Vers des Buches, und darüber hinaus den Wahrheiten der Wissenschaften,
widerspricht. Allah sagt dazu:
"Wollen sie denn nicht über den Qur-ân nachsinnen? Wäre
er von einem anderen als Allah, sie würden gewiss manchen Widerspruch
darin finden." (4:83)
Neben der kategorischen Aussage, dass ein Beweis für den göttlichen
Ursprung des Heiligen Qur-âns, d.h. dass er tatsächlich das
offenbarte Wort Allahs ist, seine Widerspruchsfreiheit ist, führt
dieser Vers an, dass eine Bedingung, seine Göttlichkeit zu erkennen,
ein Nachsinnen, d.h. Nachdenken über seine Aussagen ist. Der Verstand
eines Menschen ist oft durch allerlei Traditionen, egoistische Bestrebungen
und Unreinheiten des Geistes verdunkelt. Wer mit solchen Mängeln
behaftet ist, neigt dazu, in einem Buch, das ihm quasi einen Spiegel
vorhält, nach Fehlern oder Schwächen zu suchen, weil ihm sein
Stolz verbietet, sich selbst als das zu sehen, was er eigentlich ist.
Allah sagt deswegen im Heiligen Qur-ân:
"Keiner kann es (d.h. das Buch) berühren, außer den
Gereinigten." (56:80) Dieser Vers weist darauf hin, dass die Menschen
den Heiligen Qur-ân in dem Maße verstehen, in dem sie sich
selbst reinigen oder gewillt sind, sich zu reinigen; und er weist auch
darauf hin, dass wir zu seinem Verständnis der Leitung durch jene
bedürfen, die gereinigt sind. Dies bezieht sich in erster Linie
auf den Heiligen Propheten Muhammad, Segen und Frieden Allahs seien
auf ihm, dessen Worte (Hadith genannt) ein Qur-ân-Kommentar erster
Güte sind, und in unserer Zeit vor allem auf den von ihm prophezeiten
Mahdi, der die Wiederkunft von Jesus ist, Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad,
Frieden sei auf ihm, den Verheißenen Messias.
Die Bedeutung der Arabischen Sprache und des
Verstandes beim Lesen des Qur-âns
Allah, Der das Innerste der Menschen kennt und jeden auch noch so verborgenen
Gedanken, weiß um die Streitsucht der Menschen. Er sagt: "Wahrlich,
Wir haben in diesem Qur-ân für die Menschen Gleichnisse aller
Art ausführlich erläutert, doch von allen Dingen ist der Mensch
am streitsüchtigsten." (18:55)
Allah ermahnt zudem die Menschen, dass sie sich vor Krittelei und vorschneller
Bewertung und Deutung hüten sollen. Wenn ein Mensch mit bestimmten
Aspekten der Wahrheit konfrontiert wird, die er nicht leicht einzusehen
vermag, weil ihm das dafür notwendige Wissen fehlt, neigt er oftmals
dazu, dann die Wahrheit mehr oder weniger insgesamt zu leugnen. Allah
sagt deswegen:
"So haben Wir ihn nieder gesandt als einen arabischen Qur-ân,
und Wir haben darin gewisse Warnungen klar gemacht, auf dass sie Gott
fürchten mögen, oder dass er ihnen eine Ermahnung sei. Hoch
erhaben ist Allah, der wahre König! Und überhaste dich nicht
mit dem Qur-ân, ehe seine Offenbarung dir vollständig zuteil
geworden, sondern sprich: "0 mein Herr, mehre mich an Wissen. `"
(20:114,115) In diesen Versen gibt es mehrere sehr wichtige Hinweise
für den Sucher nach Wahrheit. Beispielsweise, dass Allah in Seiner
Allweisheit und gemäß Seines allumfassenden Wissens die arabische
Sprache zum Werkzeug Seines vollkommenen Buches gemacht hat, das die
partikularen, also einzelnen Völkern entsprechend ihren jeweiligen
Bedürfnissen zuvor geoffenbarten Weisheiten und Wahrheiten, so
sie auch die gesamte Menschheit Gültigkeit besitzen, zwar auch
enthält, aber darüber hinaus vieles, was in derartiger Klarheit
und über die vergangenen Zeitläufe hinaus bedeutungsvollen
Ausführlichkeit vor der Offenbarung des Qur-âns an den ersten
Propheten, der für die gesamte Menschheit und nicht nur ein bestimmtes
Volk gesandt worden war, also den Heiligen Propheten Muhammad, Segen
und Frieden Allahs seien auf ihm, noch nicht offenbart worden war.
Dass Allah die arabische Sprache ausgewählt hat, liegt an ihrem
einzigartigen Charakter, der sich durch eine unübertroffene Vielfalt
der Worte und eine unerreichte Tiefe ihrer Wortwurzeln auszeichnet.
Zum anderen sagt der oben zitierte Vers, dass sich die Bedeutung mancher
Verse dem Sucher nach Wahrheit nicht sogleich erschließt. Es bedarf
eines intensiven Nachsinnens und Nachdenkens, Meditierens und Reflektierens,
sowie der Gnade Allahs, bis einem der subtile Inhalt bestimmter Verse
aufgehen mag. Deswegen ermahnt Allah die Menschen, dass sie nicht vorschnell
und kurzschlüssig urteilen sollen, sondern mithilfe ihres Verstandes
und vor allem des Gebetes danach trachten sollen, dass ihnen die Bedeutung
bestimmter Verse entschlüsselt werden möge.
In diesem Zusammenhang muss darauf hingewiesen werden, dass für
eine tiefere Erkenntnis der heiligen Worte des Qur-âns eine gewisse
Kenntnis des Arabischen notwendig ist. Eine Übersetzung kann stets
nur einige Aspekte beinhalten, aber niemals die Intensität und
Größe, die das Arabische vermitteln kann, so Allah will.
Deswegen sagt Allah in den oben zitierten Versen ausdrücklich,
dass es ein "arabischer Qur-ân" ist.
Es heißt aber auch zur Beurteilung und Interpretation der Verse
des Heiligen Qur-âns:
"Er (d.h. Gott) ist es, Der das Buch zu dir herab gesandt hat;
darin sind Verse von entscheidender Bedeutung - sie sind die Grundlage
des Buches - und andere, die verschiedener Deutung fähig sind.
Die aber, in deren Herzen Verderbnis wohnt, suchen gerade jene heraus,
die verschiedener Deutung fähig sind, im Trachten nach Zwiespalt
und im Trachten nach Deutelei. Doch keiner kennt ihre Deutung als Allah
und diejenigen, die fest gegründet im Wissen sind, die sprechen:
"Wir glauben daran; das Ganze ist von unserem Herrn" - und
niemand beherzigt es, außer den mit Verständnis Begabten
-" (3:8).
Zum Abschluss dieser Einführung in die Thematik, d.h. das Bemühen
um eine Interpretation der anfangs erwähnten beiden Verse, sei
noch auf folgenden Vers hingewiesen:
"Wehe denn denen, die das Buch schreiben mit ihren eigenen Händen
und dann sprechen: "Dies ist von Allah", dass sie dafür
einen armseligen Preis nehmen möchten! Wehe ihnen also um dessentwillen,
was ihre Hände geschrieben, und wehe ihnen um dessentwillen, was
sie verdienen!" (2:80).
In diesem Vers warnt Allah in äußerst starkem Ton diejenigen,
die den Heiligen Qur-ân nach ihrem eigenen Gutdünken und
auf eine ihren eigenen, egoistischen Zwecken allein dienende Weise interpretieren
und dadurch versuchen, die Menschen irrezuführen. Ich betone, das
Verständnis von Qur-ân-Versen unterliegt bestimmten Bedingungen.
Zum einen der Anwendung der Vernunft. Denn Allah sagt: "Er sendet
(Seinen) Zorn über jene, die ihre Vernunft nicht gebrauchen mögen."
(10:101).
Zum anderen, nach der Erkenntnis durch die Vernunft und ihrem Befolgen
nach bestem Wissen und Gewissen, dem geduldigen und gläubigen Erwarten
dessen, was Allah durch Seine Gnade enthüllen mag: "Und folge
dem, was dir offenbart ward, und sei standhaft, bis Allah Sein Urteil
spricht, denn Er ist der beste Richter." (10:110). In diesem Licht
und unter diesen Voraussetzungen wende ich mich nun den in Frage stehenden
Versen zu.
Vorraussetzung und Ziel der Ehe im Islam
Zuerst dem Vers 224 der Sure Al-Baqarah (2). Er lautet:
"Eure Frauen sind euch ein Acker; so naht eurem Acker, wann und
wie ihr wollt, und sendet etwas voraus für euch; und fürchtet
Allah und wisset, dass ihr Ihm begegnen werdet; und bringe frohe Botschaft
den Gläubigen."
Dieser Vers steht im Zusammenhang mit dem Vers 222, in dem Allah den
Gläubigen verbietet, Götzendiener zu heiraten, wobei dieses
Verbot direkt gegenüber den Männern wie auch den Frauen ausgesprochen
wird. Hieraus geht hervor, dass für den Erfolg einer Ehe der gemeinsame
Glaube an Gott unerlässlich ist. Dieser spirituelle Aspekt ist
der wesentlichste Aspekt der Heirat. So sagte der Heilige Prophet Muhammad,
Segen und Frieden Allahs seien auf ihm: Man kann aus vier Gründen
heiraten: Erstens, um der Schönheit willen; zweitens, um des Geldes
willen, drittens; um des Standes, also der Abstammung willen; viertens,
um der Frömmigkeit, d.h. des Grades der Gottesfurcht und Religiosität
willen. Er sagte weiter: O ihr Gläubigen, heiratet um der Frömmigkeit
willen.
Wenn das Fundament einer Ehe nicht auf einem gemeinsamen Glauben an
Gott beruht, ist es leicht möglich, dass die Ehe durch Zerwürfnisse,
die möglich werden, untergraben wird und die Ehepartner, anstatt
Zuflucht bei Allah zu suchen, zu bereuen und sich zu verzeihen, im Streit
soweit getrieben werden, dass sie sich scheiden lassen, oder dass irgendein
anderes schreckliches Ereignis die Ehe zur Hölle macht. Darauf
weist Allah hin, indem Er in diesem Vers sagt:
"Jene (d.h. die Götzendiener und Götzendienerinnen) rufen
zum Feuer, Allah aber ruft zum Paradies und zur Vergebung durch Sein
Gebot." Der gemeinsame Glaube aber lässt Härten des Alltaglebens
überstehen und schwere Zeiten, wie sie in Krankheitsfällen
oder beruflichem Unglück etc. auftreten können. Darauf wird
Bezug genommen in dem abschließenden Satz des Verses 222, in dem
es heißt:
"Und Er macht Seine Zeichen den Menschen klar, auf dass sie sich
ermahnen lassen."
Eine Ehe, die auf einem praktizierten, festen Glauben an Allah und Seine
Religion beruht, wird alle Prüfungen bestehen können. Sie
wird die Ziele der vor Gott und den Menschen geschlossenen Heirat erreichen
können. Eines dieser Ziele ist ein sozusagen paradiesisches Leben
schon auf Erden. Damit ist nicht unbedingt immer ein Leben im Wohlstand
und ohne materielle Sorgen gemeint, sondern vor allem ein Zustand des
inneren Friedens, der Harmonie der Eheleute, die miteinander durch dick
und dünn gehen. Dies verspricht Allah, indem Er sagt:
"Wer recht handelt, ob Mann oder Frau, und gläubig ist, dem
werden Wir gewisslich ein reines Leben gewähren; und Wir werden
gewisslich solchen ihren Lohn bemessen nach dem besten ihrer Werke."
(16:98). Ganz deutlich wird dieses Ziel durch den folgenden Vers erklärt:
"Und unter Seinen Zeichen ist dies, dass Er Gattinnen für
euch schuf aus euch selber, auf dass ihr Frieden in ihnen fändet,
und Er hat Liebe und Zärtlichkeit zwischen euch gesetzt. Hierin
sind wahrlich Zeichen für ein Volk, das nachdenkt." (30:22).
Die weibliche und männliche Anrede im Qur-ân
Es mag kritisiert werden, dass hier scheinbar allein die Männer
angesprochen werden, so als ob die Frauen ihre Untergebenen seien und
sie den Männern zur Verfügung stünden, ohne selbst ein
Anrecht auf eigene Erfüllung zu haben. Wer so denkt, missversteht
die Diktion des Heiligen Qur-âns. Allah wählt bisweilen Seine
Worte so, dass Er einem bestimmten Prinzip einen symbolischen Ausdruck
gibt. So spricht Allah von Sich zum Beispiel bisweilen, indem er Seinen
Eigennamen erwähnt; oder aber, Allah wählt ein Personalpronomen,
das für körperliche Stärke steht, also "Er".
So heißt es etwa: "Allah bringt die Schöpfung hervor;
dann lässt Er sie wiederkehren; zu Ihm dann werdet ihr zurückgebracht
werden." (30:12). Oder aber Allah spricht von Sich im so genannten
Plural Majestatis, d.h., indem Er von Sich als "Wir" redet;
etwa, wenn Er von Abraham, der eine sehr wichtige Stellung innerhalb
der Propheten einnimmt und eine Bedeutung für weite Teile der Welt
hatte und hat, sagt: "Und Wir bewahrten seinen Namen unter den
künftigen Geschlechtern." (17:109).
Allah indes ist weder männlich, noch weiblich. Gewisse Eigenschaften
von Allah, die wir im menschlichen Bereich eher dem weiblichen Geschlecht
zuordnen, wenn wir zum Beispiel die Mutterliebe betrachten, die ein
Ausdruck sehr barmherzigen und gnadenvollen Verhaltens ist, kommen im
Heiligen Qur-ân etwa dadurch zur Sprache, dass Allah Sich den
"Gnadenreichen" nennt, wie in dem folgenden Vers: "Die
Diener des Gnadenreichen sind diejenigen, die in würdiger Weise
auf Erden wandeln, und wenn die Unwissenden sie anreden, sprechen sie:
`Frieden`." (25:64).
Das Wort Gnade ist übrigens nicht nur im Deutschen, sondern auch
im Arabischen von der Bestimmung her weiblich, d.h. es heißt:
die Gnade. Im vorliegenden Vers werden, dies als weitere Erläuterung
zum Umstand, dass Allah in bestimmten Fällen, von der Grammatik
her, das männliche Geschlecht wählt, "die Diener"
angesprochen, aber natürlich sind damit "die Menschen"
oder speziell "die Muslime" gemeint, sowohl die Männer
unter ihnen, als auch die Frauen; ja sogar die Kinder.
In wiederum einer anderen Weise spricht Allah von sich auch im sächlichen
Fall, etwa wenn Er Sich "das Licht" (Al-Nur) nennt, etwa wenn
es heißt: "Allah ist das Licht der Himmel und der Erde".
(24:36).
Wir sehen daraus, dass dann, wenn in einem allgemeinen Gebot die männliche
Seite des Menschen anspricht, damit zugleich auch die weibliche Seite
gemeint ist. Dies kann aus vielen Versen des Heiligen Qur-âns
geschlossen und deutlich gemacht werden. Wenn Allah also sagt, "dass
Er Gattinnen für euch schuf aus euch selber", ist dies natürlich
auch in dem Sinne zu verstehen, dass Er Gatten schuf für die Ehemänner.
Dass es weiter heißt: "aus euch selber", bezieht sich
gerade auf diesen Umstand. Es wäre unsinnig zu denken, die Frauen
stammten von den Männern ab. Es geht hier auch nicht um den Ursprung
des Menschen, also die Frage, ob ein Urmensch weiblich oder männlich
gewesen ist, was in der Mythologie oft diskutiert wird, indem man von
"Adam" als dem ersten Menschen spricht, während die Wissenschaft
nunmehr davon ausgeht, dass "Eva" der erste Mensch gewesen
sei. Es geht hier indes darum, dass innerhalb des Menschengeschlechts
Ehepartner füreinander bestimmt sind, d.h. "Gattinnen"
(wörtlich genommen) bzw. "Gatten und Gattinnen" (symbolisch
gelesen) entsprechen dem Mensch-Sein.
Diese Auffassung findet eine Interpretation auch in einem Hadith, wenn
der Heilige Prophet Muhammad, Segen und Frieden Allahs seien auf ihm,
sagte: "Wer nicht heiratet, ist nicht von mir". Dies ist jedenfalls
die Regel, die allgemein im Islam gültig ist und beachtet wird,
von begründeten Ausnahmen abgesehen.
Mir indes ging es in den eben gemachten Ausführungen vor allem
darum zu begründen, warum Allah in dem hier zitierten Vers von
"Gattinnen" spricht. Es ist falsch zu denken, dieser Vers
besage etwa auch, dass es allein Aufgabe des Mannes sei, einen Ehe-Vorschlag
einer Frau zu unterbreiten. Dass dies nicht der Fall ist, geht aus der
Sunna, d.h. der auf der Lebensweise des Heiligen Propheten Muhammad,
Segen und Frieden Allahs seien auf ihm, hervor. Zum Beispiel war es
Khadidscha, möge Allah an ihr Gefallen haben, die erste Gattin
des Heiligen Propheten, die ihm durch eine Vertraute einen Heiratsantrag
machte. Da das Leben des Heiligen Propheten vor seiner Berufung zum
Gesandten Allahs vom Qur-ân als makellos bezeichnet wird (10:17),
und da im Islam durchaus immer wieder auch seitens
einer Frau oder ihren Eltern ein Vorschlag zu einer Ehe einem muslimischen
Mann angetragen wurde und wird, ist es in Übereinstimmung mit der
eben ausgeführten Interpretation, davon zu sprechen, dass vom Prinzip
her beide Ehepartner gemeint sind, wenn es heißt: "Und unter
Seinen Zeichen ist dies, dass Er Gattinnen für euch schuf aus euch
selber, auf dass ihr Frieden in ihnen fändet". Weiter erklärt
wird dieser Umstand in dem nachfolgenden Satz: "Und Er hat Liebe
und Zärtlichkeit zwischen euch gesetzt". Wenn "Frieden"
die Ausgangslage und Grundlage für das Eheleben ist, wobei es klar
ist, dass dieser "Frieden" nicht einseitig sein kann, d.h.
dass nur der Mann in seiner Gattin, die Allah für ihn schuf, Frieden
findet, denn wenn seine Gattin nicht in ihm Frieden findet, kann der
Frieden des Ehemanns nicht dauerhaft und vollkommen genannt werden,
wenn also "Frieden" die Voraussetzung für eine glückliche
Ehe ist, dann entstehen daraus "Liebe und Zärtlichkeit",
wie es in diesem Vers nachfolgend heißt. Dass Allah konkret davon
spricht, dass Er "Liebe und Zärtlichkeit zwischen euch gesetzt"
hat, bestätigt weiter, dass die Anrede an die Männer ("dass
Er Gattinnen für euch schuf") nur symbolisch gemeint sein
kann, denn es heißt ja eindeutig, dass "zwischen euch",
d.h. den Ehepartner, "Liebe und Zärtlichkeit gesetzt"
wurde. Beides, Liebe wie Zärtlichkeit, beruht auf gegenseitiger
Achtung, auf dem Respektieren der Würde und der Natur des jeweilig
anderen, es ist unmöglich, dass "Liebe und Zärtlichkeit"
einseitig sind.
Die Gleichwertigkeit von Frau und Mann
Selbst, wenn wir in Betracht ziehen, dass in einer unterwürfigen
Beziehung einer Frau zu einem Mann so etwas wie Liebe mitspielt, d.h.
dass etwa die Stärke und Macht des Mannes geliebt wird, denen eine
Frau sich unterwirft, so ist diese Form der Liebe doch sehr schwach
und brüchig, weil letztlich das Herz bzw. die Natur der Frau, die
ja in ihrem Selbstwertgefühl, in der Beachtung ihrer eigenständigen
Persönlichkeit wurzeln, gegen eine sklavenhafte Liebe rebellieren
werden. Tatsächlicher Frieden, tatsächliche Liebe und Zärtlichkeit
benötigen die gegenseitige Anerkennung der jeweiligen Einheit,
von der nicht in gebührender Weise die Rede sein kann, wenn die
Frau in einer Position zu verharren genötigt wird, die in einem
Abhängigkeitsverhältnis zum Ehemann besteht. Die Lehren des
Islams sehen deswegen zum Beispiel vor, dass der Bräutigam der
Braut eine Morgengabe schenkt, damit sie eine gewisse Unabhängigkeit
auf finanzieller Ebene bewahren kann. Und ganz deutlich wird die gegenseitige
Achtung der Persönlichkeit und eine gewisse Autonomie beider Ehepartner
als absolut notwendig und von Allah geboten in folgendem Vers festgesetzt,
der die absolute und durch nichts zu beeinträchtigende Gleichwertigkeit
von Mann und Frau feststellt:
"Sie sind euch ein Gewand, und ihr seid ihnen ein Gewand."
(2:188) Hier ist ohne Wenn und Aber festgestellt, dass ein Mann keinen
Vorzug vor einer Frau hat, und keine Frau einen Vorzug vor einem Mann
hat, was die Rechte der Persönlichkeit und die Bedürfnisse
der Psyche betrifft. Ein Gewand verschönert, schützt vor Kälte
oder Hitze, bedeckt die Blöße, sei sie materiell oder immateriell.
Dass diese absolute Gleichwertigkeit der Geschlechter in allen erdenklichen
Aspekten gilt, sagt Allah im folgenden Vers: "Wahrlich, die muslimischen
Männer und die muslimischen Frauen, die gläubigen Männer
und die gläubigen Frauen, die gehorsamen Männer und die gehorsamen
Frauen, die wahrhaftigen Männer und die wahrhaftigen Frauen, die
standfesten Männer und die standhaften Frauen, die demütigen
Männer, und die demütigen Frauen, die Männer, die Almosen
geben und die Frauen, die Almosen geben, die Männer, die fasten,
und die Frauen, die fasten, die Männer, die ihre Keuschheit wahren,
und die Frauen, die ihre Keuschheit wahren, die Männer, die Allahs
häufig gedenken, und die Frauen, die gedenken - Allah hat ihnen
Vergebung und herrlichen Lohn bereitet." (33:36).
Neben dem Sinn der Ehe, der in der Schaffung von Frieden besteht, wobei
Frieden das wesentlichste Merkmal des Paradieses ist, das auch im Namen
der Religion des Heiligen Propheten Muhammad, Segen und Frieden Allahs
seien auf ihm, zum Ausdruck kommt ("Islam" heißt übersetzt
ja: Frieden finden, indem man zur Übereinstimmung mit dem Willen
Gottes gelangt), neben dem Leben eines Friedenszustandes ist, als sein
natürliches Ergebnis, auch die Fortpflanzung ein Ziel der Ehe.
Kinder zu erzeugen, ihnen eine gute Erziehung angedeihen zu lassen und
durch sie Anteil haben an einer künftigen Gestaltung der Welt gehört
zum natürlichen Bedürfnis des Menschen. Es ist Bestandteil
glücklichen Daseins, das die Sorge um eine bessere Zukunft der
Menschheit einschließt und außerdem den Wunsch, weiterhin
zum Wohle der eigenen Familie tätig zu sein, was ja eine nicht
zu unterschätzende Form von Liebe und Barmherzigkeit ist.
Die sexuelle Beziehung zwischen Ehepartnern
Zur Fortpflanzung gehört in der Regel eine sexuelle Beziehung.
Ihr Sinn ist also das Zeugen von Nachkommen. Nachdem Allah dies auf
sehr behutsame Weise deutlich gemacht hat, indem Er in dem Vers, den
wir gerade diskutieren, davon gesprochen hat, dass Frieden, Liebe und
Zärtlichkeit zur paradiesischen Grundlage der Ehe gehören,
sagt Er ausdrücklich, dass die Menschen über diese, von Allah
gegebenen Verhaltensweisen und Eigenschaften nachdenken soll: "Hierin
(also in dem Umstand, dass Frieden, Liebe und Zärtlichkeit für
das Eheleben Voraussetzung sind) sind wahrlich Zeichen für ein
Volk, das nachdenkt." (30:22).
Kommen wir nun zurück zu jenen Versen, in deren Zusammenhang die
Aussage steht, dass die Frauen den Männern "ein Acker"
sind. Ich sagte bereits, dass zwei Verse vor diesem erklärt wird,
dass nur auf der Basis spiritueller Einigkeit bezüglich der Existenz
Gottes eine Ehe geschlossen werden darf. Im darauf folgenden Vers (2:223)
gibt Allah ein weiteres Gebot. Es behandelt die monatliche Menstruationsphase
der Frau und besagt, dass sexueller Verkehr in diesen Tagen verboten
ist. Dieses Gebot hat viele Gründe, auf die einzugehen in unserem
Zusammenhang nicht notwendig ist. Nach diesem Gebot stehen die Sätze:
"Haben sie sich (nach der Menstruationsphase) durch ein Bad gereinigt,
so geht ein zu ihnen, wie Allah es euch geboten. Allah liebt die sich
Bekehrenden und liebt die sich Reinigenden." (2:223). Bemerkenswert
ist hier, dass Allah zum sexuellen Verkehr sagt, dass man ihn so vollziehen
soll, "wie Allah es euch geboten". Die Frage ist, was mit
dem Wort "wie" gemeint ist. Es meint sicherlich nicht nur,
dass Allah sexuelle Beziehungen zwischen Ehemann und Ehefrau erlaubt
hat, ja zur Bedingung für das Erlangen von Glückseligkeit
innerhalb der Ehe gemacht hat. "Wie" besagt zudem, auf die
Art und Weise, die Allah bindend gemacht hat für die Ehepartner.
Nun ist der Weg Allahs der Weg des Fortschritts in gutem Sinne, und
dies bezieht sich auf alle Stufen des Mensch-Seins, d.h. auf physische,
intellektuelle, moralische und spirituelle Stufen. Islam heißt
Allahs Religion vom Inhalt her, gleich, welchen Namen die Menschen ihren
Glaubensvorstellungen, so sie sich auf Gott gründen, geben mögen.
Islam nun heißt, verkürzt gesagt, Frieden. Somit gehört
es unabdingbar zur sexuellen Beziehung, dass sie möglichst angstfrei
und in weitestgehend friedlicher Situation geschieht, sowohl, was die
äußeren Umstände, als auch was die inneren Zustände
des Menschen betrifft. Wer dies außer Acht lässt, kann nicht
wahrhaftes Glück erleben. Wer vergewaltigt, kann nicht erwarten,
dass die vergewaltigte Frau ihm in Zukunft jenes Maß an Respekt
entgegenbringt, der für ein gesundes Klima innerhalb der Familie
notwendig ist. Wer seine Frau zum sexuellen Verkehr zwingt, oder sie
misshandelt, kann nicht erwarten, dass sie eine Empfängnis erlebt,
die von harmonischen und befriedigenden Umständen gekennzeichnet
ist.
Allah indes trägt den Menschen diese Tatsache nicht vor, indem
Er die negativen Folgen eines mehr oder weniger durch gewalttätiges
Verhalten bedingten Beischlafs aufmerksam macht, sondern indem Er die
Gläubigen auf die richtige Art von Zeugen und Empfangen hinweist,
indem Er sagt: "Allah liebt die sich Bekehrenden und liebt die
sich Reinhaltenden". (2:223).
Sexualität als natürliche Reinigung
Wenn das Ehepaar sich in Liebe zueinander verhält, wenn es Streit
begräbt und einander verzeiht, was grundlegend dadurch möglich
wird, dass man sich Gott zuwendet und sich bekehrt, dann ist dies ein
Ausdruck der Liebe, die von Allah mit Liebe beantwortet wird, d.h. Allah
liebt solche Menschen, und durch die Liebe Allahs lieben sich die Menschen,
bzw. die Liebe Allahs manifestiert Sich auf gewisse Weise dann in den
Ehepartnern, was sich positiv auf eine mögliche Empfängnis
auswirkt und somit auch auf das Kind. Es ist ja nicht so, dass das bloße
Zusammentreffen von Eizelle und Samen allein bestimmend sind für
das Kind. Es sind viele Umstände, die bei einer Zeugung einwirken.
So lehrte der Heilige Prophet zum Beispiel, dass Eheleute vor einem
Beischlaf die Sure 112, d.h. die Sure der Einheit Gottes, rezitieren
sollen und zudem das Gebet: "0 Allah, halte den Teufel fern von
uns und halte uns fern von dem Teufel in dem, was Du uns bescheren magst."
Es wird in dem Hadith, das dieses Gebet überliefert, auch gesagt,
dass ein Kind, das danach oder währenddessen gezeugt werden mag,
frei sein wird von satanischen Einflüssen, d.h. es wird gesund
sein. Nachdem Allah also die Ehepartner wie geschildert ermahnt hat,
fügt Er hinzu, dass Er die sich Reinhaltenden liebt. Dies bezieht
sich vor allem auf den Zustand sexueller Unreinheit, die mannigfache
Ursachen haben kann. Zum Beispiel gilt Keuschheit im Islam als große
Tugend. Damit ist nicht Verklemmtheit oder Prüderie gemeint. Sexualität
ist etwas Natürliches, und es gilt, keine falsche Scham zu haben
oder sich darin heuchlerisch zu benehmen. Und es gilt nicht als gottgefällig,
sich dem zärtlichen Beisammensein innerhalb der Ehe zu entziehen,
das ja von Allah, wie beschrieben, als guter Zug einer Ehe angesehen
wird. Ein gesundes sexuelles Verhältnis zwischen Eheleuten ist
naturgemäß. Darunter verstehen wir auch ein vernünftiges
Verhältnis zueinander, d.h. wenn die eine oder andere Hälfte
der Eheleute ein sexuelles Bedürfnis hat, soll ihm nachgekommen
werden. In diesem Sinne hat der Heilige Prophet gesagt, dass eine Ehefrau,
die von ihrem Mann gebeten wird, mit ihm zu schlafen, sich nicht verweigern
sollte, selbst, wenn sie gerade am Ofen, also bei einer aufwendigen
Tätigkeit, beschäftigt ist. Dass dieses Hadith die Frauen
anspricht, besagt nicht, dass Frauen sich ihrer Bedürfnisse schämen
sollten und dass sie nicht ebenso ein Recht auf Zärtlichkeit hätten.
Ich erwähnte bereits, dass in solchen Aussagen stillschweigend
auch die andere Seite einbezogen ist. Es ist indes wohl so, dass Männer,
was ihre sexuellen Bedürfnisse betrifft, oftmals von größerem
Verlangen geprägt sind als Frauen. Das aber heißt nicht,
dass sie grob oder schroff mit ihren Frauen umgehen dürften, falls
jene gute Gründe haben, ihrem Verlangen nicht nachzukommen. Überdies
ist es ein Gesetz der Natur, dass ein Mann sich seines Samens innerhalb
gewisser Zeiträume entledigen muss. Ob durch Beischlaf oder einen
nächtlichen Samenerguss im Schlaf. Dies besagt, dass es auch so
etwas wie eine sexuelle Hygiene gibt, d.h. eine naturgemäße
Reinigung des Mannes durch Samenerguss. Deswegen sagt Allah in diesem
Vers, dass die Gläubigen sich nicht zu sehr an Vorstellungen von
Enthaltsamkeit, die im Wunsch, den sexuellen Trieb zu zähmen, wurzelt,
binden sollen. Die Verfeinerung der Sinne durch Zähmung, die der
Islam vorschreibt, bedarf Weisheit und das Einhalten des richtigen Maßes.
So hat der Heilige Prophet Muhammad, Segen und Frieden Allahs seien
auf ihm, gesagt, dass der mittlere Weg der beste ist. Allah verbietet
demzufolge das Mönchstum (57:28), aber auch Unsittlichkeit (24:20).
Auf jeden Fall aber ist sexuelles Leben ein Bestandteil der Ehe, es
ist zudem ein Mittel der Reinigung des Gemüts, wie muslimische
Mystiker ausgeführt haben. Und es ist innerhalb der Ehe (außereheliche
sexuelle Beziehungen sind strikt verboten im Islam (70:30-32)) auch
ein Weg, Frieden zu finden und Frieden zu stiften.
Die Metapher des Ackers
Im Anschluss an diese Darlegungen steht nun der Satz, auf den sich
Kritiker des Islams bisweilen in ihrem Bemühen beziehen, den Weg
des Heiligen Propheten Muhammad, Segen und Frieden Allahs seien auf
ihm, als frauenfeindlich darzustellen. Im Vers 224 der Sure 2 heißt
es nämlich:
"Eure Frauen sind euch ein Acker; so nahet eurem Acker, wann und
wie ihr wollt, und sendet etwas voraus für euch; und fürchtet
Allah und wisset, dass ihr Ihm begegnen werdet; und bringe frohe Botschaft
den Gläubigen."
Der erste Satz dieses Verses gilt manchen Kritikern sogar als Grund,
hier von einer "Frauenvergewaltigungssure" zu sprechen. Betrachten
wir ihn uns aber einmal etwas näher.
Ich hatte bereits ausgeführt, dass eine eheliche Beziehung, und
demzufolge auch das sexuelle Leben in der Ehe, von Frieden, Liebe und
Zärtlichkeit geprägt sein soll. Dies bedeutet, dass Gewaltanwendung
oder gar Vergewaltigung nicht der Weg eines Muslims sein dürfen.
Im Zusammenhang mit den vorhergehenden beiden Versen gesehen, wird hier
nur näher erläutert, was die Gläubigen beachten sollen,
wenn sie mit ihren Ehepartner verkehren. Dass unreines Denken und Handeln
nicht die Liebe Allahs finden, stand ganz am Ende des zuvor gehenden
Verses; zudem auch, dass reine Liebe und Liebe zur Reinheit von Allah
geliebt werden. Nun aber führt Allah aus, warum es notwendig ist,
sich Reinzuhalten. Er wählt dazu das Bild des Ackers. Diese Metapher
ist die Grundlage für die Erläuterung, wie Mann und Frau sexuell
zusammenfinden sollen.
Ein Acker nun hat Bedürfnisse und der Ackersmann hat ebenfalls
Bedürfnisse. Derjenige, der den Acker bestellt, erhofft und erwartet
einen Ertrag, seien es Früchte, oder Gemüse, oder Korn. Er
wird deswegen alles tun, um den Notwendigkeiten, denen der Acker unterliegt,
zu entsprechen. Der Acker braucht Pflege. Wenn er Acker überbeansprucht
wird, indem er nicht von der Last des Unkrauts befreit wird, wird das
Ackerland letztlich unfruchtbar. Ein Acker verträgt keine Monokultur.
Bauersleute wissen, dass sie nach einer gewissen Zeit, innerhalb derer
sie beispielsweise Weizen säten, den Acker mit etwas anderem bepflanzen
oder besäen müssen, damit sich sein Land erholt. Der Acker
benötigt in bestimmten Phasen, dass er gepflügt wird. Das
Land muss umgegraben werden. Zum Beispiel dann, wenn im Herbst die Stoppeln
auf ihm stehen, muss dafür gesorgt werden, dass sie bis zur Neueinsaat
untergegraben werden. Eine Einsaat bedarf besonderer Beachtung. Wenn
der Bauer zu viel aussät, werden die Schösslinge zu dicht
beieinander stehen, so dass sie sich gegenseitig sozusagen die Luft
wegnehmen und im Wachstum behindern. Und so weiter und sofort. Wenn
ein Farmer nicht bestimmte, hier annähernd aufgeführte Gesetze
der Landwirtschaft beachtet, wird er nicht gut ernten können. Der
Acker wird es ihm sozusagen nachtragen, dass er so schlecht behandelt
wurde. Von der richtigen Zeit der Aussaat bis zur richtigen Zeit der
Ernte hat der Landwirt viel zu tun. Er muss auch aufpassen, dass ihm
wilde Vögel nicht die Aussaat wegfressen und vielleicht Vogelscheuchen
aufstellen. Kurzum, es ist nicht so, dass man einen Acker beliebig behandeln
könnte, und dann trotzdem den besten Ertrag erlangt. Beachtet der
Bauer aber die Bedürfnisse des Ackers, wird er sich an ihm und
dem Wachstum des Ausgesäten und letztlich den Früchten seiner
Hände Arbeit freuen können.
Nun wird von den Kritikern gesagt, das Bild, die Frau einen Acker zu
nennen, sei ihrer Würde und ihrem Wert abträglich oder nicht
angemessen. Es sei rein zweckorientiert und ihm gemäß sei
eine Frau so etwas wie ein Besitz, mit dem man ja tun und lassen könne,
was einem beliebt. Nun habe ich ja bereits ausgeführt, dass ein
Bauer, der nicht bestimmte Gesetzmäßigkeiten beachtet, keine
Freude an seinem Acker haben wird. Das heißt, dass die Vorstellung,
der Qur-ân gebe dem muslimischen Mann praktisch alle Freiheit,
seinen Gelüsten zu frönen, gar nicht stimmen kann, wenn das
Bild richtig gedeutet wird. Eine Misswirtschaft bringt nur Missstände
hervor. Wird dieser Vers zudem im Zusammenhang mit den anderen Versen
gelesen, die von der Beziehung der Eheleute zueinander handeln, fällt
das Gebäude, der Qur-ân betrachte die Frau quasi als willenlosen
Besitz des Mannes, in sich zusammen. Ich erwähnte bereits ausführlich,
dass eine eheliche Beziehung, und das schließt die sexuelle Beziehung
ein, nicht als gut bewertet werden kann, wenn sie nicht auf dem Bemühen
beider Ehepartner beruht, Frieden zu schaffen und Liebe und Zärtlichkeit
für einander zu hegen. Allah sagt überdies:
"Wenn ihr (Ehemänner) eine Abneigung gegen sie (eure Frauen)
empfindet, wer weiß, vielleicht empfindet ihr Abneigung gegen
etwas, worein Allah aber viel Gutes gelegt hat." (4:20).
Der Heilige Prophet Muhammad, Segen und Frieden Allahs seien auf ihm,
hat, einem Hadith zufolge, Frauen mit Glas verglichen, so dass mit ihnen
so sorgsam umgegangen werden sollte, dass sie nicht zerbrechen. Wenn
Allah nun in dem hier betrachteten Vers des Heiligen Qur-âns Frauen
mit einem Acker vergleicht, dann ist das nicht eine allgemeine Aussage
über Frauen schlechthin. Es gibt ja viele Verse im Heiligen Qur-ân,
in denen die hohe Moral und hervorragende Tugend sowie die außerordentlichen
Eigenschaften von Frauen betont werden. Das hier verwandte Bild bezieht
sich indes auf eine bestimmte Situation und eine bestimmte Fähigkeit
der Ehefrauen.
Die Behandlung der Ehefrau im Islam
Zum einen geht es darum, dass Ehemänner vor herrschsüchtigem
oder gar brutalen Verhalten zurückschrecken sollen. Dass sie stattdessen
gütig, weise und liebevoll mit ihren Frauen umgehen sollen, damit
sie sich nicht der Früchte berauben, die sie in ihr Leben bringen
können. Dies bezieht sich sowohl auf die Freuden der Liebe, die
eine Frau, die Schlechtes durch ihren Ehemann erfährt, nicht mehr
zu geben in der Lage ist, wodurch er sich des Paradieses auf Erden beraubt,
von dem ganz zu schweigen, wie Allah ihn am Tage des Gerichts bewerten
mag. Als auch auf diejenigen Ergebnisse der Liebe, die im allgemeinen
auch von Männern geschätzt werden, nämlich das Vaterglück,
also die Kinder, die einer Ehe entsprießen können. Dies sich
vor Augen haltend, wird ein Muslim darauf achten, dass er seine Ehefrau
nicht über Gebühr belastet, dass er sie sorgsam und gütig
behandelt, dass er ihr Gutes angedeihen lässt und sie vor Schlechtigkeiten
schützt. Wir haben bereits in etwa ausgeführt, was für
Opfer ein Acker vom Bauersmann verlangt, und was er alles beachten muss,
damit sein Acker Früchte trägt. Eine Frau, die sich nicht
ihres Frauseins schämt und sich der Verantwortung bewusst ist,
die ihr durch den Umstand auferlegt wurde, dass es wesentlich auch an
ihr liegt, ob die Familie fortbesteht, von ihrem Volk oder der Menschheit
ganz zu schweigen, eine solche Frau wird sich selbst auch mit einem
Acker vergleichen können. Dieses Bild spricht ja nicht von einer
einseitigen Beziehung, Mann und Frau gleichermaßen haben an ihm
Anteil. Mann und Frau gehören zusammen, so wie der Sämann
und der Acker, denn es kann schlecht geleugnet werden, dass die Art
und Weise, wie der Ehemann seinen Samen zu seiner Frau trägt, gute
oder schlechte Wirkung zeigt. Wenn es das Bestreben der Frau ist, gesunde
Kinder zu gebären, ist das weder ihrer Würde noch ihrem Wert
abträglich. Wenn gesagt wird, dass der Vergleich mit etwas Unbelebtem
unschön ist oder eine negative Einstellung zur Weiblichkeit beinhalte,
dann sei die Frage erlaubt, was denn auf dem Acker wächst, sind
es nicht auch oft Blumen, ja, wunderhübsche Rosen? Und wird nicht
ein Mann auch mit einem Baum verglichen? Und: Gibt es denn eine andere
Metapher, einen besseren Vergleich, der die Beziehung einer Ehefrau
zu ihrem Körper, von dem sie erwartet, dass er ein Kind hervorbringt,
so umfassend beschriebe?
Grundprinzipien für den Beischlaf im Islam
Nun wird weiter gesagt, der diesem Vergleich nachfolgende Satz: "so
naht eurem Acker, wann und wie ihr wollt, und sendet etwas voraus für
euch" - degradiere die Frau zum Sexualobjekt. Was aber besagt er,
betrachten wir ihn genauer, wirklich?
Zum einen spricht er davon, dass bezüglich der Tages- oder Nachtzeit,
innerhalb derer ein Beischlaf stattfinden kann, den Eheleuten keine
Grenze auferlegt ist. Der Satz gestattet dem Ehemann nicht, seine Frau
zu belästigen und ihr seinen Willen aufzuzwingen, wie manch ein
Kritiker zu meinen beliebt. Ich habe bereits einige Verse angeführt,
die etwas von dem Umgangston zwischen Ehemann und Ehefrau, so sie Muslime
sind, kundtun, den Allah von ihnen verlangt. Es kann ja wohl schlecht
von "Liebe und Zärtlichkeit" oder "Frieden"
die Rede sein, wenn ein Mann die Befindlichkeit seiner Frau nicht berücksichtigt
- und umgekehrt. Im Grunde wird mit der Erlaubnis, miteinander zu schlafen,
ohne sich an eine bestimmte Zeit halten zu müssen, zunächst
lediglich gesagt, dass Vorstellungen oder Traditionen, die für
den sexuellen Verkehr diese oder jene Stunde vorsehen, als abergläubisch
angesehen werden. Dies betrifft auch jene religiösen Kreise, die
den sexuellen Verkehr nach astrologischen Berechnungen vorsehen oder
nur innerhalb jener Phase erlauben, in der
die Zeugung eines Kindes möglich ist.
Danach wird gesagt, dass gewisse Traditionen oder Vorstellungen, eine
bestimmte Stellung sei beim Beischlaf einzunehmen bzw. verboten, keine
Bedeutung haben. In den Hadith wird somit gesagt, dass dieser Teil des
Verses, d.h. "wie ihr wollt", sich auf eine Diskussion bezieht,
die damals geführt wurde, nämlich, ob der Beischlaf a tergo,
d.h. vom Rücken der Frau her, erlaubt oder verboten sei. Dieser
Vers beantwortet diese Frage, indem er erklärt, dass jegliche Stellung,
die das Ehepaar einzunehmen wünscht, erlaubt ist, und dass es Unsinn
ist, wenn behauptet wird, dass Kinder, die in einer bestimmten Stellung
gezeugt wurden, dadurch unrein würden. Dieser Teil des Verses besagt
nicht, dass mit dem "wie ihr wollt" gemeint sei, es sei egal,
ob der Mann sich gegenüber der Frau freundlich und liebevoll verhält
oder nicht. Im Gegenteil, im nachfolgenden Teil des Satzes, d.h. "und
sendet etwas voraus für euch", wird ausdrücklich von
Allah gefordert, dass man seinem Ehepartner vor dem Beischlaf etwas
schenken soll, womit auch, den Hadith zufolge, Liebkosungen, herzliche
Worte und Küsse gemeint sind. Alles in allem wird hier in wenigen
Worten eine Grundschule des Beischlafs gegeben.
All dies hat nichts, aber auch gar nichts mit der Vorstellung mancher
Leute zu tun, die Ehefrau sei dazu da, vom Mann "benutzt"
oder gar ausgenutzt zu werden. Das Gegenteil ist der Fall. Dass dies
so ist, belegen die nachfolgenden Sätze des hier diskutierten Verses,
d.h. "und fürchtet Allah und wisset, dass ihr Ihm begegnen
werdet; und bringe frohe Botschaft den Gläubigen." Im ersten
Satz werden die Muslime ermahnt, dass sie sich gerade bezüglich
des sexuellen Umgangs vor roher Behandlung vorsehen sollen, d.h. sie
sollen fürchten, dass ihr Verhalten vor, während und nach
dem Beischlaf nicht dazu führt, dass Allah verärgert über
sie ist, so dass sie Seine fürsorgliche Liebe verlieren würden,
bzw. sie sollen fürchten, dass die Zuwendung zu ihrem Ehepartner
in diesem Akt nicht so gewesen ist, dass Allah mit ihnen unzufrieden
ist. So verbat beispielsweise der Heilige Prophet, dass ein Mann sich
von seiner Frau zurückzieht, bevor sie es ihm gestattet, d.h. er
soll körperlich mit ihr solange verbunden bleiben, bis sie befriedigt
ist. Dieser Satz sagt auch, dass die Muslime sich bewusst sein sollen,
dass sie für das verantwortlich sind, was durch den möglichen
Zeugungsakt bewirkt wird, d.h. sie sollen sich nicht so in ihrer Sinnlichkeit
verlieren, dass sie Allah vergessen, sondern im Bewusstsein handeln,
dass die mögliche Zeugung eines Kindes auch durch den Grad an Frömmigkeit
beeinflusst wird, den sie an den Tag legen, d.h. sie sollen mit all
ihren Kräften darauf achten, dass ihre möglichen Kinder die
besten Voraussetzungen für ihr Leben erhalten, damit dann, wenn
die Eltern Allah begegnen, sie nicht beschämt werden ob ihrer schlechten
Handlungsweisen und Er sie segnen möge.
Wenn all dies beachtet wird, so heißt es dann weiter, wird den
Gläubigen frohe Botschaft zuteil. Allah wird dann ihr Wirken annehmen
und zum Besten fügen, und sie werden in diesem Leben wie im Paradies
des Jenseits glücklich sein. Sie werden die Früchte ihres
Tuns genießen und in stets zunehmender Liebe miteinander verbunden
sein.
Anleitung für Krisensituationen in der
Ehe
Indes sind die hier angeführten Verse nicht die einzigen, die
sich mit dem Verhältnis von Mann und Frau beschäftigen. Der
Heilige Qur-ân gibt Leitung auch zu Komplikationen in der Ehe,
bis hin zu genauen Anweisungen, was bei einer möglichen Scheidung
seitens des Mannes oder seitens der Frau zu beachten ist. Es kann jedoch
auch der Fall auftreten, dass ein Mann sich, aus welchen Gründen
auch immer, nicht von seiner Frau scheiden lassen will, obwohl ihr Verhalten
allen Anlass dazu bietet. Ein Vers des Heiligen Qur-âns unter
all den vielen, die sich mit dem Zusammenleben von Ehemann und Ehefrau
auseinandersetzen, ist der Vers 35 der Sure An-Nisa, d.h. auf Deutsch:
die Frau (Sure 4). Er lautet in der Übersetzung, die im Verlag
Der Islam erschienen ist:
"Die Männer sind die Verantwortlichen über die Frauen,
weil Allah die einen vor den anderen ausgezeichnet hat und weil sie
von ihrem Vermögen hingeben. Darum sind tugendhafte Frauen die
Gehorsamen und die (ihrer Gatten) Geheimnisse mit Allahs Hilfe wahren.
Und jene, von denen ihr Widerspenstigkeit befürchtet, ermahnt sie,
lasst sie allein in ihren Betten und straft sie. Wenn sie euch dann
gehorchen, so sucht keine Ausrede gegen sie; Allah ist hoch erhaben,
groß." Ich erwähnte bereits, dass die Kritiker des Islams,
die sich über diesen Vers aufregen und ihn als Beispiel einer angeblichen
Frauenfeindlichkeit und Frauenunterdrückung seitens des Islams
angeben, niemals zugleich andere Verse anführen, solche nämlich,
die die Liebe zwischen Mann und Frau betonen. Sie picken stattdessen,
ohne wahrscheinlich den Vers im Zusammenhang gelesen zu haben oder einen
erklärenden Kommentar, gerade die Punkte heraus, die den Mann als
Verantwortlichen über seine Ehefrau schildern und ihm scheinbar
die Erlaubnis erteilen, seine Frau zu strafen; ein Wort, das von anderen
Qur-ân-Ausgaben mit "schlagen" übersetzt wird;
und sie gehen bisweilen so weit, dass sie diese Sure 4 als "Prügelsure"
bezeichnen. Würden sie auch nur in etwa die Bedingungen beachten,
unter denen der Qur-ân studiert werden soll, z.B. jene, die ich
eingangs erwähnte, und würden sie bedenken, wie der Heilige
Prophet Muhammad, Segen und Frieden Allahs seien auf ihm, sich gegenüber
Frauen verhalten hat, wären sie wohl weniger aggressiv bzw. ungerecht.
Immerhin hatte der Heilige Prophet, einem authentischen Hadith zu Folge,
verkündet, dass er niemals eine Frau schlage; er hat zudem gesagt,
dass der beste unter den Muslimen jener ist, der sich am besten gegenüber
seiner Frau und Familie verhält, und hinzugefügt, dass er
der beste unter den Muslimen sei. Da Hadhrat Aischa, möge Allah
an ihr Gefallen haben, die eine Gattin des Heiligen Propheten war und
nach seinem Tode als Theologin und Interpretin des Qur-âns höchste
Achtung und Bewunderung durch die Sahabis, d.h. die Gefährten des
Heiligen Propheten, erlebte, über das Leben des Heiligen Propheten
sagte, dass es wie der Qur-ân gewesen sei, müssen wir den
zur Diskussion stehenden Vers wohl in einem Lichte betrachten, das ihn
nicht als gängige Praxis der Muslime darstellt, sondern als eine
Ausnahmeregelung; dies zumindest, was den zweiten Teil des Verses betrifft,
d.h. die Anweisung, wie man sich verhalten solle, wenn eine Ehefrau
sich auf eine extrem negative Weise verhält.
Biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern
und ihre Konsequenzen
Schauen wir uns aber zunächst einmal den ersten Teil des Verses
genauer an. In ihm wird davon gesprochen, dass der Ehemann eine Verantwortung
gegenüber seiner Frau und damit für seine Familie hat, die
ihn verpflichtet, für ihr Wohlergehen zu sorgen. In der Regel wird
diese Aussage so interpretiert, dass es Aufgabe des Ehemannes sei, finanziell
für die Belange und Bedürfnisse seiner Familie aufzukommen,
und dass somit die Ehefrau wie auch die Kinder von einer Verpflichtung,
sich um die finanziellen Voraussetzungen eines normalen Familienlebens
zu kümmern, enthoben sind. Dies bedeutet zum Beispiel, dass eine
Ehefrau selbst für den Fall, dass sie über ein eigenes Einkommen
verfügt, beispielsweise, indem sie mit ihrem Vermögen, das
aus Erbschaft oder der Morgengabe stammt, Handel treibt, davon nichts
für den Unterhalt der Familie abzuzweigen braucht. Dies betrifft
die gesetzliche Regelung, es steht der Ehefrau natürlich frei,
aus ihrer Herzensgüte und Großzügigkeit trotzdem etwas
zur finanziellen Haushaltslage beizusteuern. Als Begründung dafür,
dass der Ehemann als Verantwortlicher über die Familie eingesetzt
ist, führt der Qur-ân weiterhin an, dass Allah "die
einen vor den anderen ausgezeichnet hat". Die Art dieser Auszeichnung
betrifft nun gewiss nicht die Wertigkeit des Mannes. Wir haben ja aus
dem vorhin zitierten Vers 188 der Sure 2 gelernt, dass bezüglich
des Verhältnisses von Mann und Frau, also was ihren Wert füreinander
betrifft, kein Unterschied besteht zwischen Mann und Frau. Der Islam
spricht ja deswegen von einer Gleichwertigkeit der Geschlechter. Er
lehnt indes den Begriff der Gleichberechtigung als zu verwaschen ab,
da in unterschiedlichen Situationen Mann oder Frau unterschiedlich große
Rechte genießen müssen, bzw. auch unterschiedlich große
Pflichten.
Zum Beispiel wird eine Frau in den Tagen ihres Unwohlseins, d.h. der
Menstruationsphase, mehr Rechte genießen als außerhalb dieser
Zeit, da sie in den Zeiten ihrer Regel, die ja eine nicht leicht zu
nehmende Umstellung in ihrem biologischen Haushalt bedeutet, weniger
belastet werden soll, um physisch und mental entspannen zu können.
Man ist immer wieder der Auffassung in der sog. modernen Welt, dass
man diese Phase eher beiläufig betrachten soll, und selbst Frauen
spielen die Bedeutung dieser Reinigungsphase oft hinunter, aber es gibt
keinen Zweifel daran, dass Körper und Gemüt in diesen Tagen
Schwankungen unterworfen sind, und man täte gut daran, dafür
zu sorgen, dass Frauen in diesem Fall nicht überfordert werden,
noch sich überfordern.
Insbesondere aber in Zeiten der Schwangerschaft und jenen nach dem Gebären
genießen Frauen besonderen Schutz, der hierzulande als Mutterschaftsschutz
bekannt ist. Es wäre brutal und unmenschlich, Frauen während
dieser Zeitspanne die gleichen Pflichten abzuverlangen wie ihren Männern,
und das heißt auch, dass sie während einer solch schwerwiegenden
Belastung mehr Rechte erhalten müssen als ihre Männer.
Ebenfalls unsinnig wäre es, die Gleichberechtigung von Frauen in
sportlichen Angelegenheiten einzuklagen. Ihre Konstitution, d.h. biologische
Verfassung und Körperstärke, der Muskelaufbau usw. sind anders
als die des Mannes, und in der Regel sind sie nicht vergleichbar mit
der des Mannes, d.h. sie sind nicht so stark und ausgeprägt. Selbst
die glühenste Verfechterin einer bedingungslosen Gleichberechtigung
käme nicht auf die Idee, die Boxweltmeisterin gegen den Boxweltmeister
antreten lassen zu wollen, es wäre ein höchst ungleicher und
für die Frauen aussichtsloser Kampf. Diese Umstände sind es,
die in besagtem Vers zur Sprache kommen, wenn Allah sagt, dass die Männer
vor den Frauen ausgezeichnet sind. Es sind mithin die biologischen Fakten,
die eine Unterscheidung von Mann und Frau bedingen. Indes bezieht sich
dieser Vers nicht auf die intellektuellen, moralischen und spirituellen
Fähigkeiten und Talente von Mann und Frau.
Wir erfahren ja zum Beispiel aus dem Heiligen Qur-ân, dass Allah
Frauen wie Männer zu Empfängern von Offenbarung machte, d.h.
dass beide Geschlechter, was ihre spirituelle Möglichkeit betrifft,
durchaus gleichwertig, ja auch gleichberechtigt sind. Gleichfalls erfahren
wir aus dem Qur-ân, dass Frauen über ebenso große moralische
Tugenden verfügen, ich zitierte ja den langen Vers 36 der Sure
33, in dem Allah direkt betont, dass Männer und Frauen gleichermaßen
wahrhaft, standhaft, demütig usw. sein können, ja sollen.
Was die intellektuellen Fähigkeiten betrifft, so erwähnt der
Qur-ân mehrfach, dass Frauen geistig gleichberechtigt sind, zum
Beispiel im Vers 196 der Sure 3, deren Anfang lautet, nachdem Allah
in den Versen zuvor ein Gebet der Gläubigen wiedergegeben hat:
"Ihr Herr antwortete ihnen also: "Ich lasse das Werk des Wirkenden
unter euch, ob Mann oder Weib, nicht verloren gehen. Die einen von euch
sind von den anderen."
Indes betont Allah, dass weder Mann noch Frau sich dem Bemühen
hingeben sollen, etwas zu tun oder zu verlangen, was ihren Fähigkeiten
nicht entspricht. So heißt es:
"Und begehrt nicht das, womit Allah die einen von euch vor den
anderen ausgezeichnet hat. Die Männer sollen ihren Anteil erhalten
nach ihrem Verdienst, und die Frauen sollen ihren Anteil erhalten nach
ihrem Verdienst. Und bittet Allah um Seine Huld. Wahrlich, Allah hat
vollkommene Kenntnis von allen Dingen." (4:33). Hier wird deutlich
gesagt, dass auch die Frauen auf eine bestimmte Weise vor den Männern
ausgezeichnet sind. Die Art der Auszeichnung, auf die sich der Vers
bezieht, der oftmals für soviel Aufregung gesorgt hat, ist auf
Männer bezogen, aber sie besagt nicht, dass Männer einen höheren
Wert in den Augen Allahs genießen, nur weil sie Männer sind;
denn sonst hätte Allah nicht im Vers 4:33 gesagt, dass generell
"die einen von euch vor den anderen ausgezeichnet" worden
sind, indem Er Sich auf beide Geschlechter gleichermaßen bezieht.
Kurzum, die Verantwortung der Männer, von der in 4:35, also zwei
Verse nach dem Vers, in dem davon berichtet wird, dass Frauen von Natur
aus etwas haben, was Männer nicht haben, und umgekehrt, geredet
wird, betrifft einen bestimmten Aspekt der Verwaltung und der biologischen
Konstitution, d.h. Körperstärke, nicht aber, zum Beispiel,
den Aspekt von Barmherzigkeit und Liebe, durch den Mütter sich
auszeichnen.
Dieser Vers behandelt also eine gewisse Ordnung im Haus einer Familie.
Er besagt nicht, dass ein Mann das Recht hat, sich als Diktator zu gebärden
oder bevormundend aufzuspielen. Hingegen hat er die Pflicht, seine Frau
und gegebenenfalls auch seine Kinder zu Rate zu ziehen, ihre Wünsche
und Besorgnisse zu beachten und in Abstimmung mit ihnen und nach Möglichkeit
mit ihrem Einverständnis seine Entscheidungen zu treffen. So heißt
es im Qur-ân:
"Und ziehe sie zu Rate in Sachen der Verwaltung; wenn du aber dich
entschieden hast, dann setze dein Vertrauen auf Allah. Allah liebt die
Vertrauenden." (3:160)
Es ist dem Ehemann auch möglich, in Absprache mit seiner Frau ihr
die finanziellen Angelegenheiten zu überlassen, d.h. seine Verantwortlichkeit
zu delegieren, denn das "zu Rate ziehen in Sachen der Verwaltung"
kann auch so ausgelegt werden, dass jemand, ob Ehefrau, Sohn oder Tochter,
der sich innerhalb der Familie durch besonderes Geschick in finanziellen
Sachen auszeichnet, teilweise oder gänzlich solche Verantwortlichkeit
übernimmt, wenn das Familienoberhaupt darum bittet. So heißt
es auch:
"Und wie die Frauen Pflichten haben, so haben sie auch Rechte,
nach dem Brauch." (2:229).
Die Hinzufügung "nach dem Brauch" besagt, dass Rechte
und Pflichten auch an einer mit dem Islam vereinbaren Tradition oder
Gepflogenheit gemessen werden, und dass mithin nichts dagegen spricht,
wenn eine Frau die Verantwortlichkeit in einem Haushalt übernimmt;
was einschließt, dass sie auch als jene auftreten kann, die den
Unterhalt für die Familie verdient oder kraft ihres Vermögens
für ihn aufkommt. Dies widerspricht nicht dem Vers, den wir gerade
diskutieren. Er bietet eine Leitlinie, der in der Regel gefolgt werden
soll, während bestimmte Umstände ihre Ausdehnung und Erweiterung
mit sich bringen können.
Die Ehefrau als Gefährtin
Es ist angesichts der vielen Verse, die die Gleichwertigkeit von Mann
und Frau betonen, Unsinn, die Vorstellung von einem Patriarchat zu pflegen,
in dem sich die Ehefrau nur unterwürfig verhalten darf. Unterwürfigkeit
ist eine Form von Heuchelei, und Heuchelei wird von Allah im Qur-ân
auf das Äußerste verurteilt. Ein muslimischer Mann wird in
seiner Frau nur Frieden finden, wenn sie ihm eine Gefährtin ist,
während sie wiederum in ihm ihren Gefährten sehen muss. So
erhielt Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad, der Verheißene Messias des
Islams, demgemäß eine Offenbarung von Allah, die übersetzt
lautet: "Eure Frauen sind nicht eure Dienerinnen, sondern eure
Gefährtinnen." Und dies ist die wahre Lehre des Islams bezüglich
der Beziehung von Ehemann und Ehefrau. So heißt es auch im Heiligen
Qur-ân, dass Mann wie Frau nach dem besten ihrer Kräfte handeln
sollen, und es ist gut möglich, dass eine Ehefrau über größeres
finanztechnisches Geschick verfügt, als ihr Mann; dass sie preiswerter
wirtschaften kann, als ihr Mann; und dass es in ihren Fähigkeiten
steht, besser mit den Dingen der Welt umzugehen, als ihr Mann:
"Wer aber gute Werke tut, sei es Mann oder Frau, und gläubig
ist: sie sollen in den Himmel gelangen, und sie sollen auch nicht so
viel Unrecht erleiden wie die kleine Rille auf der Rückseite eines
Dattelkernes." (4:125).
Wenn es nun in Erläuterung der Verantwortlichkeit des Mannes als
Familienoberhaupt heißt, dass "tugendhafte Frauen die Gehorsamen
sind und die (ihrer Gatten) Geheimnisse mit Allahs Hilfe wahren",
dann betrifft dies vor allem moralische und spirituelle Angelegenheiten.
Wir zeigten ja zuvor, dass sowohl Frauen als auch Männer mit von
einander unterschiedenen Eigenschaften ausgezeichnet sind, und dass
eine Auszeichnung, die dem Mann die Verantwortlichkeit über seine
Familie auferlegt, in seiner körperlichen Stärke liegt, aus
der ihm einige Aufgaben erwachsen, die seine Familie betreffen. In der
Öffentlichkeit sollte er so als Vertreter seines Hauses handeln.
Diese Verpflichtung wird durch eine Besonderheit der islamischen Gesellschaftsordnung
erklärlich, der zu Folge Frauen einen größtmöglichen
Schutz erhalten, damit sie ihre Würde und Keuschheit wahren können
und nicht durch Auftritte vor Behörden oder Gericht etc. in Gefahr
laufen, belästigt zu werden. Dieses Prinzip wird in der islamischen
Terminologie "Pardah" genannt, was auf Deutsch "Schleier"
bedeutet und somit weitgehende Geschlechtertrennung in der Öffentlichkeit,
also außerhalb der Familienbande. Dieses Prinzip besagt nicht,
dass Frauen zu Hause bleiben müssen. Der Qur-ân sagt nur,
dass sie ihre Reize in der Öffentlichkeit bedeckt halten sollen,
was nicht nur als Gebot einer Kleiderordnung gesehen werden darf, das
die Verhüllung der Haare einschließt, sondern auch als Aufforderung
zu verstehen ist, dass Frauen wie Männer alles ihnen Mögliche
vermeiden sollen, was zu einem Einbruch in die Privatsphäre angesehen
werden kann. Dieses Gebot dient dem Schutz der Ehe, denn Allah warnt
im Qur-ân:
"Und nahet nicht dem Ehebruch; siehe, das ist eine Schändlichkeit
und ein übler Weg." (17:33).
Hier werden unterschiedslos Männer wie Frauen angesprochen. Wesentlich
ist, dass das Wahren der Keuschheit nicht allein Sache der Frauen ist,
die ihre Schönheit den Blicken der Männer entziehen sollen,
sondern erst recht Sache der Männer, die oftmals einer stärkeren
Sinnlichkeit unterliegen als Frauen, und zu denen Allah, wie den Frauen
auch, sagt, dass sie ihre Blicke zu Boden schlagen sollen (24:31,32).
Das bedeutet, dass Männer wie Frauen Abstand davon nehmen sollen,
ihren Gelüsten durch ein Umherschweifen der Augen freien Lauf zu
lassen, damit sie ihre Keuschheit wahren.
Um die durch solches Verhalten von einer Überreizung der Sinne
durch Zurschaustellung sexueller Attraktivität, männlich wie
weiblich, gereinigte islamische Gesellschaft weiter voranzubringen und
ihren Mitgliedern den Weg zur moralischen Vervollkommnung und seelischen
Läuterung zu erleichtern, ist es notwendig, dass Gerüchte
über Fehltritte oder unziemliche Lebensweisen, schlechte Angewohnheiten
und sündhaftes Benehmen so weit wie möglich verhindert werden.
Würden sie bekannt gemacht, könnte dies andere zur Nachahmung
verführen, oder aber auch zum Ausplaudern von ähnlichen Vorkommnissen,
was dann einen Schneeballeffekt haben könnte, der sich äußerst
Schaden bringend auf eine Gesellschaft auswirken würde.
In diesem Sinne werden die Ehefrauen aufgefordert, im Kreis von Freundinnen
usw. nicht über ihre Ehemänner herzuziehen und Unziemliches
über sie zu erzählen. Sie sollen also "(ihrer Gatten)
Geheimnisse mit Allahs Hilfe wahren", wobei zu beachten ist, dass
die Wahrung der Geheimnisse nur möglich ist, wenn sie über
eine edle Seele und hohe Moral verfügen, so dass Eifersucht oder
Neid ihnen nichts anhaben können. Deswegen heißt es hier
"mit Allahs Hilfe". Dass ein solches Verhalten auch den Ehemännern
obliegt, ist selbstverständlich. Der Heilige Prophet Muhammad,
Segen und Frieden Allahs seien auf ihm, hat deswegen gesagt, dass der
Zorn Allahs auf denjenigen fällt, der, zum Beispiel, etwas aus
der Intimsphäre anderen erzählt, also das, was zwischen den
Eheleuten im privatesten Bereich geschieht. Dass "tugendhafte Frauen
die Gehorsamen" sind, wie es zuvor in diesem Vers heißt,
besagt nicht, dass Frauen kein Recht auf Einspruch, eine bestimmte Entscheidung
des Ehemannes betreffend, haben, oder dass sie keine Kritik am Verhalten
des Ehemannes üben dürften, oder dass es ihnen untersagt sei,
bestimmte Angewohnheiten und Sitten des Ehemannes als schlecht zu befinden.
All dieses ist erlaubt, wobei jeweils zu hoffen ist, dass es gerechtfertigt
ist. Zum einen sagt ja der Heilige Prophet: "Ein Gläubiger
ist ein Spiegel für einen Gläubigen", so dass der Ehemann
im Verhalten seiner Frau eine Art Widerspiegelung seines eigenen Benehmens
und Ranges wahrnehmen kann. Zum anderen ist solches Verhalten geradezu
eine Pflicht für die Ehefrau, genauso wie umgekehrt für den
Ehemann, denn Allah sagt im Qur-ân:
"Rufe auf zum Weg deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung
und streite (d.h. diskutiere) mit ihnen auf die beste Art. Wahrlich,
dein Herr weiß am besten, wer von Seinem Wege abgeirrt ist; und
Er kennt am besten jene, die recht geleitet sind." (16:126).
Mit Gehorsam der tugendhaften Frauen ist also nicht gemeint, dass sie
jede Form von ungerechter Behandlung durch den Ehemann erdulden müssen
und kein Recht hätten, ihr auf moralische oder gar spirituelle
Fehler aufmerksam zu machen. Sie trägt wie er eine Verantwortung
im Haus, und ein moralischer Niedergang des Ehemannes, dem sie nicht
rechtzeitig auf angemessene Weise begegnet, könnte zum Zerfall
des Hauses, zum Ruin führen. Der Gehorsam, der hier gemeint ist,
betrifft jene Toleranz für das Eigenleben des anderen, von der
auch in dem Vers die Rede war, der besagt, dass Allah in das, was einem
am anderen nicht gefällt, vielleicht viel Gutes gelegt hat (4:20).
Am Ehemann stets Fehler zu finden, an ihm herum zu mäkeln oder
sich gewissen Bitten - etwa, was das Essen betrifft - zu entziehen,
ist eine Form von Ungehorsam, die der Harmonie in der Ehe und in der
Familie schadet. Der geforderte Gehorsam betrifft auch jene Umstände,
in denen der Ehemann, nach reiflicher Überlegung und Beratung mit
seiner Frau oder auch der ganzen Familie, zu einer bestimmten Entscheidung
gelangt ist. Sie ist dann von der Frau und der Familie mitzutragen,
auch wenn es ihr nicht leicht fallen mag. Ungehorsam ist auf vielen
Ebenen möglich, stets aber ist nur ein Ungehorsam gemeint in diesem
Vers, der sich auf Erlaubtes bezieht, das der Ehemann erbittet oder
mitunter auch verlangt. Eine Ehefrau, die sich beispielsweise weigert,
mit ihrem Mann spazieren oder essen zu gehen, weil sie ihn ärgern
will, verhält sich nicht gemäß jenen Geboten des Heiligen
Qur-âns, die das sich Verzeihen und einen liebenswürdigen
Umgang miteinander, der auf Erhaltung oder Aufrichtung des Friedens
aus ist, zum Bestandteil des Glaubens machen.
Das, was ich hier erläutert habe, wird durch die Sunna, also die
Praxis des Heiligen Propheten Muhammad, Segen und Frieden Allahs seien
auf ihm, zumal jene, die seinen Umgang mit seinen Ehefrauen betrifft
(von dem wir durch die Hadith Kenntnis haben, die beispielsweise auch
von seinen Frauen überliefert wurden, wobei dies keineswegs beschönigend
geschah) dargelegt. Und auch aus der Lebensweise des Lichts unserer
Zeit, dem Verheißenen Messias, in dem der Heilige Prophet gespiegelt
wurde, finden wir viele Beispiele dafür.
Maßnahmen in extremen Krisensituationen
der Ehe
Nun aber, im Anschluss an die Themen, die der erste Teil des diskutierten
Verses beinhält, kommen wir zu jenem Bereich, der vor allem die
Gemüter erhitzt. Nachdem die Verantwortung des Mannes und danach
die Verantwortung der Frau innerhalb der Ehe behandelt wurde, wird ein
Extremfall angesprochen. Jener Fall, in dem eine Ehefrau solch ein widerspenstiges
und die Ehre des Hauses, ja den Bestand der Familie zum Untergang treibendes
Verhalten an den Tag legt, dass seitens des Ehemannes Maßnahmen
ergriffen werden müssen, die Ehe zu retten. Er hätte gewiss
die Möglichkeit, sich scheiden zu lassen, wenn eine Ehefrau sich
nicht an die zuvor geschilderten Verantwortlichkeiten hält und
seine Geheimnisse zur Schau stellt etc. Aber es gibt oft Gründe,
die einen Mann daran hindern, sich scheiden zu lassen. Sei es, weil
er seine Frau trotz allem liebt, sei es, weil er möchte, dass die
Familie gewahrt bleibt, damit die Kinder nicht leiden müssen, oder
sei es auch nur, dass er sich die Aufregung einer Scheidung ersparen
will; von finanziellen Erwägungen ganz abgesehen.
Wenn also eine Ehefrau alle Grenzen gebührenden Verhaltens durchbricht
und das Eheleben an den Rand des Scheiterns bringt, wenn sie die Ehe
zur Hölle macht und praktisch nichts unterlässt, um ihrem
Mann innerhalb des Hauses und in der Öffentlichkeit zu schaden,
indem sie schlecht über ihn redet, üble Gerüchte über
ihn verstreut und danach trachtet, ihn zum Gespött der Menschen
zu machen, empfiehlt der Qur-ân eine Reihe von Maßnahmen.
Dies, vorausgesetzt, der Ehemann möchte sich, aus welchen Gründen
auch immer, nicht scheiden lassen.
Diese Maßnahmen sollten nicht allesamt gleichzeitig durchgeführt
werden, dies widerspräche der ihnen inne liegenden Weisheit. Keinesfalls
rechtfertigt dieser Vers Wutausbrüche, jähzorniges Verhalten,
Grausamkeit oder besinnungsloses Verprügeln der Ehefrau. Was hingegen
dem Gläubigen anheim gestellt wird, ist, in angemessener Weise
und den Umständen entsprechend nach und nach gewisse Schritte zu
unternehmen.
Als erstes sagt der Qur-ân, dass der Gläubige alles tun muss,
um mit seiner Ehefrau durch Gespräche, durch ermahnende Reden und
Worte der Warnung wieder in ein Einvernehmen zu gelangen. Dieser Schritt
darf nicht leicht genommen werden. Es ist nicht im Sinne dieses Verses,
finstere Drohungen auszustoßen, schreiend die Ehefrau einzuschüchtern
oder sie mit verbaler Gewalt zum Schweigen zu bringen. All dies entspricht
weder den Vorstellungen von Kommunikation zwischen Menschen allgemein,
und um wie viel mehr also der zwischen Eheleuten, noch vermag es wohl
irgendwelche tatsächlichen inneren Veränderungen hin zum Guten
beim anderen zu Bewirken. Allah gibt im Qur-ân zur Frage des sprachlichen
Umgangs miteinander ein Gespräch zwischen dem Propheten Luqman
und seinem Sohn wider, in dem es heißt:
"0 mein lieber Sohn, verrichte das Gebet und gebiete Gutes und
verbiete Böses und ertrage geduldig, was dich auch treffen mag.
Das ist fürwahr ein Merkmal einer festen Gemütsart. Und weise
deine Wange nicht verächtlich den Menschen und wandle nicht hochmütig
auf Erden; denn Allah liebt keinen eingebildeten Prahler. Und wandle
gemessenen Schritts und dämpfe deine Stimme; denn wahrlich, die
widerwärtigste der Stimmen ist der Eselsschrei." (31:18-20).
Kurzum, wenn Allah die Gläubigen auffordert, gegenüber jenen
ihrer Frauen, die ungehorsam sind oder widerspenstig, mit ermahnenden
Worten zu versuchen, eine Änderung in ihrem Verhalten zu erreichen,
dann bedeutet dies, sanftmütig mit ihnen zu reden, und nicht etwa,
sie im Befehlston anzublaffen. Der Ehemann sollte überdies bei
diesem ersten Schritt der drei möglichen Stufen von Maßnahmen
alles versuchen, um die Ursachen für das Verhalten seiner Frau
herauszufinden. Es mag durchaus sein, dass ein Teil der Schuld bei ihm
selbst liegt. Oder dass es ihm gelingt, dann, wenn er verstanden hat,
warum seine Frau sich so und so verhält, etwas Praktisches zu tun,
durch das sie gerührt wird, so dass wieder Liebe entsteht und Vergebung
anstelle von Hass tritt. Wenn nicht Liebe das Motiv ist, das den Ehemann
bewegt, sich mit Worten an seine Frau zu wenden, wie könnte dann
ihr Herz bewegt werden? Sicherlich geht es nicht darum, sich einzuschmeicheln
oder Fehler schön zu reden. Und es geht auch nicht darum, dass
der Ehemann jede Beschimpfung hinnimmt, um des "lieben Friedens
willen". Wenn die Ehefrau sich wirklich so schädigend verhält,
dass ihre Seele und ihr Gemüt sich verfinstern, und sie in diesem
Zustand weithin Schaden anrichtet, dann muss der Inhalt der Worte ermahnenden
Charakters sein. Aber auf eine solche Weise ermahnend, dass die Ehefrau
auch versteht, was der Mann ihr sagen will. Und dies bedeutet, dass
er seine Worte auf die Goldwaage legen muss und nicht einfach einen
Wortschwall loslässt und seinerseits beleidigend wird durch sein
Geschimpfe.
Züchtigung als Ausdruck eines niedrigen
Ranges
Ich glaube, es ist deutlich geworden, auf welche Weise die Ermahnung
erfolgen sollte. Nützt sie indes nicht, ja, verschlimmert sich
das Verhalten der Ehefrau gar, wird von Allah ein zweiter Schritt empfohlen.
Dies vorausgesetzt, der Ehemann will sich immer noch nicht scheiden
lassen. Dieser zweite Schritt auferlegt dem Ehemann ebenfalls eine Härte.
Hatte er zuvor seine Zunge hüten müssen, muss er nunmehr seine
sexuelle Leidenschaft zügeln. Denn als nächsten Schritt zu
einer möglichen Rettung der Ehe weist Allah das Ehepaar an, sich
voneinander im Bett getrennt zu halten. Der Ausdruck, den der Qur-ân
dafür verwendet, also "lasst sie allein in den Betten",
bedeutet dreierlei.
Erstens, und das ist der unvermeidliche Schritt, das Ende ehelicher
sexueller Beziehungen. Zweitens: in getrennten Betten zu schlafen. Und
drittens: mit jemandem nicht mehr zu reden. Das Beendigen sexueller
Beziehungen wird vom Qur-ân begrenzt. So sagt Allah in Sure 4:130,
dass Frauen nicht "in der Schwebe" gelassen werden dürfen,
indem man sie fortwährend nicht beachtet. In Sure 2:227 heißt
es dazu: "Für die, welche Enthaltsamkeit von ihren Frauen
geloben, ist die Wartezeit (längstens) vier Monate; wollen sie
dann zurückkehren, so ist Allah gewiss allverzeihend, barmherzig."
In der Tat ist eine solche Maßnahme hart für Mann und Frau.
Indes soll sie bewirken, dass durch die Kraft der sexuellen Leidenschaft
auch das Feuer der Liebe, die von Verzeihung und Zärtlichkeit geprägt
ist, wieder zu lodern beginnen mag. Es kann natürlich auch sein,
dass stattdessen Hartnäckigkeit und Verbohrtheit die Folge ist.
Will der Ehemann weiterhin eine Scheidung vermeiden, was letztlich wohl
nur schwer nachzuvollziehen ist, erlaubt der Qur-ân eine Züchtigung
der Ehefrau.
Nun ist die Lehre des Islams darauf ausgerichtet, den Gläubigen
zu höchster Moral und einer lebendigen Beziehung zu Allah zu führen.
Deswegen sagt Allah zu den Muslimen zum Beispiel, dass sie ihre Gelüste
und schlechten Angewohnheiten, ihr unmoralisches Verhalten und eigennütziges
Benehmen, ihr egoistisches Denken und ihre weltlichen Begierden aufgeben
sollen (2:55). Allah sagt auch, dass die Muslime beten sollen:
"Unser Herr, gewähre uns an unseren Ehepartnern und Kindern
Augentrost und mache uns und sie zu einem Vorbild für die Rechtschaffenen".
(25:75).
Und es gibt sehr, sehr viele Gebete im Qur-ân und darüber
hinaus in den Hadith, die den Muslimen innigst ans Herz gelegt werden,
damit Allah ihre Sünden und Vergehen verzeihe und sie auf dem geraden
Weg geleitet werden mögen. Ein Ehemann, der in einer solch äußerst
peinvollen Situation ist wie jene, von denen der hier diskutierte Vers
spricht, wird wohl sehr intensiv um Vergebung seiner eigenen Sünden,
als auch dafür flehend beten, dass seiner Frau verziehen werden
und sie wieder auf den geraden Weg, fort vom Feuer des Hasses und der
Niedertracht, geleitet werden möge.
Der Verheißene Messias, Frieden sei auf ihm, hat in diesem Zusammenhang
die Gläubigen ein Gebet gelehrt, in dem der Betende auch dann,
wenn er selbst sozusagen unschuldig ist, sich in die Lage des Sündigen
versetzt. Dieses Gebet lautet: "Wir sind Deine sündigen Diener
und sind von unserem Ego überwältigt; vergib Du uns und schütze
Du uns gegen das Unheil dieser Welt und das der nächsten."
Zudem heißt es in den Hadith, dass dann, wenn ein Muslim Allah
um Verzeihung bittet, Allah auch eine Belohnung seiner Frau gibt. Mit
anderen Worten, die Möglichkeiten, eine Änderung im Verhalten
einer ungehorsamen Ehefrau zu erreichen, sind vielfältig. Und jene
Muslime, die keinen geringen und niederen Rang bei Allah einnehmen,
werden diese Möglichkeiten auszuschöpfen suchen. Sie werden
auch darauf hoffen, dass Allah ihnen durch einen Traum oder eine andere
Form von Offenbarung mitteilt, ob es in einer solch verfahrenen Situation
wie der hier beschriebenen überhaupt sinnvoll ist, die Ehe weiter
zu führen, denn Allah sagt im Qur-ân:
"Ich bin nahe. Ich antworte dem Gebet des Bittenden, wenn er zu
Mir betet. So sollten sie auf Mich hören und an Mich glauben, auf
dass sie den rechten Weg wandeln mögen." (2:187).
Da zudem die Muslime daran gebunden sind, dem Vorbild des Heiligen Propheten
Muhammad, Segen und Frieden Allahs seien auf ihm, zu folgen, gilt für
sie, das Beispiel des Heiligen Propheten zu beachten und ihm gemäß,
d.h. seiner Sunna (Lebenspraxis) gemäß zu handeln. Entsprechend
einer Überlieferung seiner Worte durch Abu Dawud und Nasa'i verbot
der Heilige Prophet das Schlagen von Frauen unter allen Umständen,
aber als sein Gefährte Umar beklagte, dass einige Frauen sich so
schändlich benähmen, dass man nicht wüsste, wie sie zu
bändigen seien, erlaubte er es (was die oben zitierte Offenbarung
Allahs bestätigt), indes nur unter der Bedingung, die Tirmidhi
überliefert, dass ein Schlag nicht derart sein dürfe, dass
durch ihn irgendein Merkmal am Körper entstünde. Diese Aussage
besagt auch, dass eine Frau nicht im Gesicht oder auf empfindliche Körperteile
geschlagen werden darf. Indes sagte der Heilige Prophet weiter, dass
jene Gläubigen, die ihre Frauen schlagen, nicht zu den besten unter
den Menschen gezählt würden, während er gleichzeitig
sagte, dass er niemals eine Frau schlage und dass der beste unter den
Muslimen derjenige ist, der seine Frau am besten behandle und dass er
selbst in dieser Beziehung der beste sei; dies überliefert ebenfalls
Tirmidhi.
Aus all dem geht hervor, dass der Heilige Prophet es verabscheute, Frauen
auf diese Art zu behandeln, und dass er jene Männer, die diese
Maßnahme ergriffen, in einen niedrigen Rang einstufte.
Der Islam als Revolution im Verhältnis
der Geschlechter für alle Völker und Zeiten
Um zu verstehen, wie es dazu kommen konnte, dass man den Propheten
um Erlaubnis bat, die Ehefrau zu schlagen, wenn sie widerspenstig und
ungehorsam war, muss man sich auch in jene Zeit, als der Qur-ân
herab gesandt wurde, versetzen. Es lässt sich wohl nicht sagen,
dass die Araber jener Zeit Frauen sanft, behutsam und liebenswürdig
behandelten. Frauen galten als Eigentum, mit dem man tun und lassen
konnte, was einem gefiel. Sie wurden beim Glückspiel gewonnen oder
verloren und hatten so gut wie keine Rechte, im Allgemeinen jedenfalls.
Was der Heilige Prophet Muhammad, Segen und Frieden Allahs seien auf
ihm, in seinen eigenen Ehen vorlebte, war eine Revolution im Verhältnis
der Geschlechter zueinander. Seine engen Gefährten und Gefährtinnen
folgten ihm darin. Indes waren nicht alle, die sich vom neuen Glauben
überzeugen ließen, in der Lage, jenes hohe Maß an Selbstkontrolle
und Überwindung von eingefleischten Sitten aufzubringen, auf das
der Islam abzielt. Sie waren nicht in der Lage, mit ihren Frauen auf
eine gefühlvolle, feine Art und Weise zu kommunizieren, und andererseits
waren ihre Frauen auch nicht immer gerade begeistert von der geistigen
und moralischen wie spirituellen Anstrengung, die ihnen durch den Islam
auferlegt wurde. Gewiss, die Mehrzahl der frühen Muslime waren
in der Tat im tiefen Glauben verwurzelt und leuchtende Beispiele an
Opferbereitschaft. Sie wanderten den spirituellen Pfad des Jihad Akbar,
also des Kampfes gegen das Üble, das in ihnen gewesen sein mag,
und ihr Verhältnis zu ihren Frauen war von dem Wort des Heiligen
Propheten beflügelt, der Frauen mit Glas verglich und ihre gütigste
und liebenswürdigste Behandlung vorschrieb. Jenen aber, die nicht
fähig waren, sich vollends zu überwinden, die jedoch darauf
bedacht waren, eine Scheidung zu vermeiden, weil der Heilige Prophet
gesagt hatte, dass von allen erlaubten Dingen die Scheidung das sei,
was Allah am meisten hasst, jene suchten Zuflucht in den Sitten, mit
denen sie groß geworden waren, wenn sie sonst keinen Ausweg sahen,
ihre Frauen im Ehebund so zu halten, dass sie kein Unheil anrichteten.
Von daher gesehen ist die Erlaubnis, unter bestimmten Bedingungen zu
schlagen, aus der Zeit heraus verständlich.
Wäre dies jedoch das einzige Argument, dass als Erklärung
und Rechtfertigung für besagten Qur-ân-Vers vorzubringen
ist, wäre jenen beizupflichten, die ihn für unsere Zeit als
überholt betrachten. Es muss jedoch berücksichtigt werden,
dass der Islam nicht nur ein Weg für jene ist, die in Zivilisation
und Kultur bewandert sind und zudem willens und fähig, seine höchsten
Stufen, die Einswerdung mit Allah (5:36) anzustreben und durch die Gnade
Allahs auch zu erlangen. Es gibt viele rückständige Regionen
auf unserer Welt, für deren Bewohner noch nicht einmal die unteren
Stufen der geistigen Evolution zugänglich sind. Sie ähneln
jenen Arabern, die zur Zeit des Heiligen Propheten in Barbarei lebten.
Dass viele von ihnen zu Heiligen wurden, ist ein Wunder. Dass die Muslime,
die um den einzigartigen Wert des Heiligen Qur-âns und des islamischen
Lebensweges wissen, auch heutzutage jene Höhen durch die Gnade
Allahs zu erreichen im Stande sind, ist vor allem dem Segen zuzuschreiben,
der der Welt durch das Erscheinen des Imam Mahdi zuteil wurde, in dessen
Person auch die Wiederkunft von Jesus Wirklichkeit geworden ist und
dem wir die Gründung der islamischen Reformgemeinde "Ahmadiyya
Muslim Jamaat" zu verdanken haben.
Aber zu verlangen oder zu erwarten, dass alle Menschen unserer Erde
binnen kürzester Zeit von Barbaren zu Heiligen werden und somit
dem Vorbild des Heiligen Propheten auch in der Art, wie er Umgang mit
seinen Frauen pflegte, folgen werden, ist Illusion. Zudem ist es sogar
so, dass in den so genannten modernen, zivilisierten Staaten wie Großbritannien
oder Deutschland die Zahl der bitterbös misshandelten und immer
wieder heftig geschlagenen Frauen wächst, wobei die Männer,
die sie schlagen, meist eingetragene Christen sind. Warum das so ist
und welche Rolle der Alkohol dabei spielt, ist hier nicht zu untersuchen.
Es geht mir nur darum, dass die Unart, Frauen zu schlagen, sowohl in
angeblich hoch stehenden Kulturen als auch in als niedrig eingestuften
Zivilisationen oder Ländern ein großes Problem darstellt.
Dies rechtfertigt natürlich nicht, dass sich Männer im Islam
das Recht herausnehmen, ihre Frauen zu schlagen. Und wir befürchten,
dass diejenigen, die sich so verhalten, nicht nur zu den keineswegs
guten Menschen gehören, sondern dass sie überdies selten ein
tiefgründendes Wissen über den Islam haben, bzw. dass sie
dieses Wissen nicht praktizieren. Es bleibt also zunächst dabei,
dass für jene Muslime, die zu den wahrhaften und besten gezählt
werden möchten, das Schlagen von Frauen keine Möglichkeit
darstellt, da sie dem Propheten gerade in dieser Angelegenheit buchstäblich
folgen werden.
Bleibt die Frage noch einmal, warum dieser Vers, in dem vom Schlagen
der Frau als letzte Möglichkeit, um den Ehefrieden wieder herzustellen,
die Rede ist, im Heiligen Qur-ân verankert wurde. Zum einen, so
führte ich ansatzweise bereits aus, ist der Heilige Qur-ân
ein Buch, dass für Menschen hoch und niedrig eine Wegweisung darstellt
und die unterschiedlichen Stufen, auf denen Menschen sich befinden mögen,
berücksichtigt. Nun gibt es Frauen in den verschiedenen Völkern,
und dies schließt die westlichen Völker nicht aus, die es
gewohnt sind, geschlagen zu werden. Das ist traurig, aber dennoch eine
Realität. Sie empfinden Schläge als eine Art Zuwendung durch
den Mann. Der Islam heißt dies nicht gut, aber eine Veränderung
im Verhalten ist nicht immer auf radikalem Wege möglich, d.h. das
schlechte Angewohnheiten einfach von heute auf morgen aufgegeben werden.
Würde die vorbildliche Verhaltensweise des Heiligen Propheten,
niemals eine Frau zu schlagen, und seine Aussage, dass es den Muslimen
verwehrt sei, Frauen zu schlagen, zum unumstößlichen Gebot,
wäre dies in vielen Bereichen der Erde nicht umzusetzen. Der Islam
lehrt die schrittweise Veränderung des Menschen. Gesellschaftliche
Übel können nicht unmittelbar und durch drastische Bestrafung
erreicht werden. Erziehung verlangt ein Augenmaß, den Sinn für
das Mögliche. So lehrt der Qur-ân, dass die Befreiung eines
Sklaven ein Akt großer Tugend ist. Aber ein sofortiges Verbot
der Sklaverei wäre damals nicht durchzusetzen gewesen. Davon, dass
auch heutzutage in der so genannten modernen Welt zahllose Menschen
quasi ein Sklavendasein führen, ganz zu schweigen.
In diesem Lichte betrachtet ist der Qur-an-Vers, den wir diskutieren,
ein Ausdruck von Weisheit. Seine Befolgung wird eingeschränkt durch
das beispielhafte und für jeden Muslim vorbildliche Verhalten des
Heiligen Propheten. Indes weist Allah darauf hin, dass es Sitten und
Gebräuchen mancher Völker und Stämme entspricht, dass
Frauen eine solche Form von negativer Zärtlichkeit erwarten.
Die metaphorische Deutung der Züchtigung
Sehen wir zudem diese Aussage, dass Frauen gezüchtigt werden können,
von einer metaphorischen Warte aus, bleibt ihr Gehalt bestehen, wenn
auch das Körperhafte aufgehoben wird. Mit Blicken zu "züchtigen"
ist durchaus eine Methode, die eine Veränderung bewirken kann.
Eine weitere Möglichkeit metaphorischer Interpretation des Wortes
"züchtigen", d.h. zurechtweisen auf eine extreme Weise,
wäre, sich im Haus gegenüber seiner Frau so zu verhalten,
dass sie sich durch das vorbildliche, demütige Benehmen des Mannes
"gezüchtigt" sieht; etwa, wenn er ihr durch Tätigkeiten
im Haus vor Augen führt, wie sehr sie ihre Pflichten vernachlässigt.
Derlei Beispiele lassen sich viele anführen. "Züchtigen"
muss also nicht immer ein Akt körperlicher Bestrafung sein.
Bliebe noch zu fragen, warum Allah im Heiligen Qur-ân derartige
Maßnahmen seitens des Mannes vorsieht, nicht aber Vergleichbares
seitens der Frau. Die Antwort ist relativ einfach. Die Umgangsweise
von Frauen, die es mit einem Allah gegenüber ungehorsamen Mann
zu tun haben, der sich ihnen gegenüber zudem als sozusagen ungehorsam
erweist, indem er ihnen die ihnen zustehenden Rechte nicht gewährt,
ist, wie die Erfahrung zeigt, meist nicht von jener Natur, die sich
auf eine gewisse gewaltsame Weise Ausdruck verschafft. Dies hat seine
Ursache darin, dass ein Mann in der Regel körperlich stärker
ist, und, wenn er ungezügelt, grob und fahrlässig im Verhalten
gegenüber seiner Frau ist, wohl kaum klein bei geben würde,
wenn seine Frau ihn auf strafende Weise züchtigen würde. Im
Gegenteil, er würde wahrscheinlich so gewaltsam werden, dass Schlimmstes
zu befürchten ist. Es geht mir hier nicht darum, ein Szenarium
zu entwickeln, auf welche Weise ein Ehestreit ausarten kann, wenn eine
Frau ihren Mann schlägt. Dass so etwas vorkommt und vielleicht
sogar Erfolg hat, ist wohl bekannt. Aber im Allgemeinen wird eine Frau
eher zu listigeren Methoden greifen, sie wird es auf die ihr eigene
Art versuchen, ihren Mann zu bändigen. Dies schließt durchaus
ein, dass sie die ersten beiden Maßnahmen, von denen in dem diskutierten
Vers die Rede ist, in ihr gemäßer Weise umsetzt; etwa, indem
sie das Gespräch mit ihrem Mann sucht; oder ihm zu verstehen gibt,
dass sie seine körperliche Liebe anbetrachts dessen, was er ihr
und der Familie antut, verschmäht und ablehnt. Aber sich dies im
Einzelnen vorzustellen, ist nicht unbedingt im Rahmen dieser kleinen
Ausführung notwendig. Fest steht indes, dass es blanker Unsinn
ist, aufgrund dieses Verses von einer "Prügelsure" zu
sprechen. Genauso, wie es Unsinn ist, ja Sünde, wenn Männer
diesen Vers zum Vorwand nehmen, um ihre Frauen zu schlagen. Er wird
verständlich, wenn man ihn im Lichte der Hadith sowie der Erkenntnisse
der Ethnologie und anderer Wissenschaften betrachtet. Er ist weder ein
Beleg für eine Frauenfeindlichkeit des Islams oder des Qur-âns,
noch ein Argument gegen die Göttlichkeit des Qur-âns oder
Islams, d.h. gegen die Tatsache, dass der Heilige Qur-ân die unverfälschten,
wörtlichen Offenbarungen des Einzigen Gottes enthält, Der
Sich dem Heiligen Propheten Muhammad, Segen und Frieden Allahs seien
auf ihm, mit Seinem Eigennamen Allah gezeigt hat; bzw. dagegen, dass
der Islam, der ja nichts anderes ist als der tatsächliche Weg des
Heiligen Propheten, also seine Sunna oder Lebenspraxis, in dem Sinne
von göttlicher Natur ist, dass der Heilige Prophet nicht aus Begierde
seine Botschaft verkündete (53:4), sondern auf Geheiß Allahs,
Der ihn vor allen anderen Geschöpfen auserwählt hatte. Vielmehr
ist er ein Beweis für die Weisheit Allahs, Der die Natur des Menschen
besser kennt als alle anderen Wesen, denn Er hat ihn ja erschaffen.
Und unser letztes Wort sei: Aller Preis gebührt Allah, dem Herrn
aller Welten. Amen.