Frage- und Antwort- Sitzung
Mit Khalifatul Masih IV
Am 11. September 1990 in Dietzenbach

Wie erklären Sie die Verschiedenheit zwischen der Gesellschaft der Männer und der der Frauen, da die Frauen verschleiert sind und die die gleichen Rechte haben wie die Männer?

Hazur: Sehen Sie, diese Frage verfolgt mich, wohin auch immer ich gehe, und sie verlangt natürlich eine ausführliche Antwort. Es ist eine Frage, die nicht entweder mit einem "Ja" oder "Nein’ beantwortet werden kann. Ich hoffe, Sie werden so lange ausharren. Ich werde also versuchen, es Ihnen zu erklären.

Bevor ich diese Schleierfrage beantworte, muss ich Sie erst darüber informieren, dass der Islam ein soziales System hat, dass darauf ausgerichtet ist, Frieden, Glück und Sicherheit in der Welt der menschlichen Beziehungen zu schaffen. Der Schleier als solcher ist dabei nur das gewissermaßen "sichtbar werdende Symbol" dieses sozialen Systems, wobei es nicht immer ein Schleier ist, den die Dame Tragen (…was die sog. Purdah, die Trennwand zwischen männlicher und weiblicher Welt ausmacht)- was die Damen jedoch verstehen sollten ist, dass es einen ethischen Code für die Beziehung zwischen Mann und Frau gibt, der allerdings in manchen Ländern für das Aufkommen des Schleiers verantwortlich ist, so wie Sie es heute erleben können; und der Schleier wird keinesfalls immer und von jeder Dame getragen. Unter manchen Umständen ist seine Existenz besonders gefordert, unter anderen wiederum mögen die Frauen ohne ihn an ihre Arbeitsstätten oder an anderen Orten gehen. Ein Schleier ist nicht (alleinige) mögliche Weise, das Getrenntsein der Geschlechter auszudrücken, noch erschöpft es sich in ihm…
Mann und Frau werden im Islam in ihren Rechten für gleichwertig gehalten. Sie sind also gleichermaßen (also die Männer und Frauen) menschliche Wesen, und sie sind alle Geschöpfe Gottes, - wenn auch unterschiedlich geformt. Diese konstitutionellen Unterschiede können nicht fortradiert werden - von keiner Frauenbewegung der Welt. Denn es sind Konstitutionsbedingte (also fundamentale) Unterschiede – eine Frau hat die Aufgabe des Kindergebärens, und die, sie zu umsorgen; Verantwortungen also wesentlich in diesem Zusammenhang, die Folgegeneration betreffend. Dies ist ein System, das uns genetisch vermittelt wurde, und keine Organisation, die nach Gleichheit zwischen Mann und Frau verlangt, kann es verändern. Die Evolutionslehre veranschaulicht, dass die Ursache von zwei verschieden gebauten Geschlechtern der Reproduktion bzw. Fortpflanzung dient. Das hieraus resultierende Vergnügen ist keinesfalls das Ziel dieser in der Menschheit biologisch festgemachten Garantie für das Überleben der Spezies. Wenn die Fortpflanzung als solche völlig bar eines Vergnügen bereitenden eher angenehmen Aspekts wäre, würden die Leute vielleicht alles Interesse daran verlieren, Kinder in die Welt zu setzen. Doch wenn die Zivilisationen sich entwickeln und bewegen, und dies ist nicht das erste Mal in der Geschichte, dass dergleichen geschieht, sondern hat sich bereits unzählige Male ereignet, wenn die Zivilisationen sich ins spezifische verfeinern (…und damit das allgemeingültige Gesetz der Natur in Vergessenheit geraten lassen), verlieren sie die Absicht der Fortpflanzung aus dem Blickwinkel und beginnen, dem Aspekt des Vergnügens, das sie begleitet, zuviel Gewicht beizumessen. Dies schafft Unordnung in der Gesellschaft. Dies ist die Wurzel der Zerstörung von Familien…sowie für das wachsende Misstrauen zwischen Mann und Frau, und weiterhin ist dies der Auslöser für die zunehmende Verantwortungslosigkeit gegenüber der Gesellschaft und den Mitmenschen (als Einzelnen). Daher muss es ein Regelsystem geben, das die Beziehung zwischen Mann und Frau ausrichtet, und ihre Beziehungen müssen einer gewissen Disziplin untergeordnet sein, auf dass die nicht vollends durcheinander gerät. Das islamische Segregations (=Absonderungs-)prinzip ist auf dieser Philosophie aufgebaut.

Ich werde erklären, wie sich dies alles entwickelt. Wir können dies z.B. anhand der wissenschaftlichen Terminologie der Physik tun. Die Elektrizität, die für die Bewegung des Lichts Verantwortlich ist, sowie für das Funktionieren von Mikrophonen und das der Lautsprecheranlage, teil sich in zwei verschieden Arten; die Positive und die Negative. Solange sie in ihrer Leitung von außen Gesichter sind bzw. "geerdet", werden sie ihrem jeweiligen Zweck dienen, wie der Lichteerzeugung, und dem Funktionieren der Lautsprecheranlage: Dies ist ihr jeweilig bestimmter Zweck, den sie also erfüllen. Doch die sichere Erdung, die richtige Isolierung, sind Voraussetzung dafür, dass sie ihrem Zweck auch treu bleiben. Wenn die Isolation (der Energien) da und dort brüchig wird, entstehen Funken, ja Brände womöglich, und Unordnung in Form von Störungen ist die Folge; so sehr schließlich, dass der Zweck der betreffenden Stromenergien verloren geht und die Elektrizität so ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen kann und buchstäblich stagniert (man bezeichnet eine solche Leitung auch als "tot"). Die Elektrizität ist nicht mehr konstruktiv, sondern destruktiv. Das islamische Segregationsprinzip ist auf diesem Zusammenhang aufgebaut. Wann immer eine Gesellschaft Freiheiten herausnimmt, so wie sich unsere derzeitige Gesellschaft bei weitem zu freizügig gestaltet hat, sind Debakel und zwischenmenschliche Krisen verschiedener Art die unausbleibliche Folge (Debakel sind eine Kalamität).

Sie sollten sich also die westliche Gesellschaft, so wie sie geworden ist, einmal beschauen, und zwar nicht etwa nur vom Standpunkt des Islam, der der westlichen Gesellschaft gegenübersteht, sondern auch aus der Sicht des Christentums. Diese Permissivität in der Freiheit, wie man sie heute in den westlichen Ländern beobachten kann, ist weder "christlich" noch "muslimisch". Es ist der Wildwuchs einer gottlosen Gesellschaft, und ihre Folgenlassen Euch, ihre Bewohner, bereits aus so manche Art gequält fühlen. Ich weiß nicht, warum Sie nicht beginnen können, diese Dinge einzusehen. Sehen Sie, wenn die zwischenmenschliche Beziehung zwischen Frau und Mann gestört ist, so wie sie heutzutage gestört ist, dann werden auch andere Probleme folgen müssen, die in der Tat auch bereits mit ihrer Wirkung einzusetzen haben; ja nicht nur etwa nur dies, sondern sie haben Euch Westler schon vollständig in ihren Bann gezogen (was nun bedeutet, dass das Vergnügen sich verringert hat und dass mehr und mehr Probleme auftreten werden). So sieht man z.B. heute, wie Familien auseinander brechen, wie Kinder missbraucht werden, wie sich auf den Straßen Verbrechen ereignen, so dass die Frauen- auf jenen Straßen, auf denen sie sich zwei Generationen zuvor unbeschadet bewegten- sich außerhalb der ihnen vertrauten Häuser nicht mehr sicher fühlen können, wie das Vertrauen, nicht nur zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Vater und Tochter und zwischen Mutter und Sohn zurückgeht.

Was aber ist das alles? Dies ist das naturgegebene Resultat einer permissiven Gesellschaft, die im Namen der Freiheit sich allzu große Freizügigkeit mit der Natur erlaubt hat, und die Natur hat nun ihrerseits begonnen, zurückzuschlagen.
Nun möchte ich Ihre Aufmerksamkeit kurz zur Prüfung des gleichen Problems im Verlauf der Geschichte der letzten 100 Jahre oder mehr hinwenden. Ich werde ausführen, wie die Natur solche Gesellschaften bestraft, die permissiv sind, und wie sie sie nicht mehr in Frieden lässt.

Jene, die nicht an Gott glauben, mögen sagen, dies sei der blanke Zufall, dass es Katastrophen gibt, die allein mit Sex in Verbindung stehen. Jene aber, die an Gott glauben, werden dies nicht nur ganz klar erkennen, sondern sogar den Fall, dass dies eben nicht bloß eine zufällige Synchronizität der Ereignisse darstellt, die da etwa zusammenträfen, sondern dass es da ein ganz bewusst wirkendes System gibt, das durch die Geschlechtskrankheiten hindurch seine Wirkung ausübt. Warum ist das so, dass die Natur es so eingerichtet hat, dass Geschlechtskrankheiten nicht anders übertragen werden können als durch das Geschlechtliche, während andere Krankheiten frei und ohne Verkehr übertragen werden können? Nehmen Sie z.B. Genorrhoe, Syphilis oder Herpes (den geschlechtsbezogen Herpes). Ist es nicht seltsam, dass diese Krankheiten, und sei es nur an der Oberfläche, Wundsein produzieren, ein Wundsein, das nicht infektiös bedingt sein kann; nur ein Geschlechtsvergehen kann verantwortlich sein für das Übertragen dieser Krankheiten, auf keinem anderen Wege könnte es dazu kommen. Also, wann immer- lassen Sie uns vor ca. 100-200 Jahren beginnen, als die Gesellschaft begann, die ehelichen Schranken nicht mehr einzuhalten- der Mensch von der Natur bestraft wurde (wer nicht an Gott glaubt, kann sich das Verhalten der Natur zum Studium vornehmen), von der Natur also, mit dem Auftreten der Gonorrhoe, und als er nun sie in den Griff bekam (medizinisch), wurde der Mensch abermals, von einer noch gefährlicheren, noch entsetzlicheren Krankheit bestraft, nämlich der Syphilis. Als der Mensch dachte, sie überwunden zu haben, tauchte der Herpes auf, eine Geschlechtskrankheit, auf die der Mensch soweit noch keine Antwort gefunden hat, da allein in Amerika 30% der Bevölkerung an dieser Krankheit leiden, die ihr Vergnügen nun in Horror verwandelt hat, und sie nimmt weiterhin zu. Doch die gottlose Gesellschaft, nicht die Christen als solche, doch die westliche Zivilisation, die säkular (weltlich orientiert) ist, setzte sich über diese Gesetze hinweg und fuhr fort, sich zu vergnügen, wie es ihnen gerade passte, im Namen der Schrankenlosigkeit. Dann folgte auf dies alles AIDS- und dies war nur der Anfang, nicht etwa das Ende der Geschichte. Die Natur kann nicht geschlagen werden. Sie weiß, wie sie strafen kann, und AIDS unter anderem hat diese Wahrheit wieder in Erinnerung gebracht. Die Ärzte und Forscher- ich beziehe mich hier auf die USA- waren erstaunt, zu sehen, dass obgleich sie geglaubt hatten, sie hätten die Syphilis überwunden, diese mit voller Kraft, gemeinsam mit Aids, wieder aufgetaucht ist. Und nunmehr nimmt die Mehrheit der Wissenschaftler an, dass Syphilis nie wirklich überwunden worden war, dass sie bloß tief im menschlichen System verborgen blieb, und nur auf ihre Möglichkeiten wartete, zurückzukehren. Nach neuesten Erkenntnissen, gemäß den authentischen Studien der Wissenschaftler, liegt der Anteil der AIDS-Infizierten in einigen entwickelten Ländern bei 30%. Das Virus kann über 8 oder 9 Jahre ‚latent’ bleiben, ehe er sich, an die Oberfläche getreten, ausmachen lässt. Ohne dass jemand mithin womöglich auch nur ahnt, dass er mit einer solchen Krankheit infiziert ist, kann er sie übertragen, und ein Träger sein- so dass es jene, die begreifen und wissen, schaudert vor den Erwartungen für die Menschheit, heute und in Zukunft. Alle diese Krankheiten, das müssen Sie sehen, sind Geschlechtskrankheiten, die auf keinem anderen Weg als nur über die direkte Infektion übertragbar sind.

Ich erinnere Sie nur kurz an jenes Ende, das eine "freie" (=freizügige) Gesellschaft ereilt, und immer schon ereilt hat. Was für einen Sinn hat also ein solches vergnügensuchendes, permissives Verhalten, das letztenendes allen Unseren Freuden, unserer Zufriedenheit, unserem Frieden ein Ende setzt!?

Ich werde nicht länger zu diesem Thema sprechen, da ich weiß, dass es noch andere Fragen gibt. Es würde mich eine ziemlich lange Zeit kosten, das ganze islamische Gesetz zu beschreiben, das fälschlicherweise dahingehend missverstanden wird, es habe die Frauen eingesperrt. Dem ist nicht so. Ich versichere Ihnen, sie sind glücklicher, Sie haben mehr Sicherheit unter dem Namen, den sie tragen, sie werden mehr von ihren Kindern geliebt und lieben ihre Kinder mehr. Es gibt ein größeres Vertrauen zwischen Mann und Frau in unserer Gesellschaft, und wenn Sie Freude mit Freude, Frieden mit Frieden vergleichen wollen, versichere ich Ihnen, sobald Sie nur die Heime von Ahmadis besser kennen, werden Sie gleich zum gleichen Schluss kommen, nämlich, dass dieser "Handel" kein schlechter Handel ist.

Wenn etwas versteckt ist, wird es interessant, und wenn der Körper versteckt wird, wird es wirklich interessant, und dies war, was sich in den letzten Jahrhunderten ereignete…

Interesse zu erregen, ist keinesfalls etwas Schlechtes. Schlecht ist es vielmehr, das Interesse zu verlieren. Ich versichere Ihnen, das, was die Männer einer Gesellschaft interessiert, ist nur das Erkennen von Schönheit, als dem erfrischend Neuen, Unerwarteten, (so wie sie einem etwa in der Natur, im nach dem Winter unerwartet und ‚unbekannt’, aus dem Gedächtnis verlorenen erscheinenden, erneut verjüngendem Frühling erscheint…). In einer freien Gesellschaft, in der Schönheit ungehemmt zur Schau gestellt wird, gibt es nichts mehr, das einen Mann interessieren bzw. zu verlocken und neugierig zu machen vermag. Mit dem Resultat, dass unzufrieden nach mehr und mehr Nacktheit verlangt, und diese dann auch angeboten wird, solange, bis der Kreislauf wie in sich selbst ermüdet, sich "erschöpft" hat, und die Natur keinerlei Reiz mehr darzustellen vermag, das reizvolle Gefühl des Vor- vorkitzels also auf diese Weise gar nicht mehr erlangt werden vermag, und dies hat nun wiederum zum Ergebnis, dass die Menschen sich diesen Kitzel über eine Abhängigkeit zu verschaffen suchen- sei es von Drogen, sonstigem Fehlverhalten, oder gar von einer Form des Sadismus, nicht einmal das Betrachten eines nackten Körpers kann ihnen irgendeinen Lustgewinn mehr verschaffen. Sie müssen sich erst einmal wie Bestien betragen, ehe sie Vergnügen und zu empfinden vermögen. –Daher ist dieses (Segregations- bzw. Verschleierungs-) System also etwas auf der menschlichen psycho-sozialen Konstitution natürlich Aufgebautes.

In Pakistan z.B., obwohl ich sehr wohl weiß, dass sich die Gesellschaft dort zunehmend verwestlicht, wie in aller Welt momentan, in der Ahmadi- Gemeinde jedenfalls, ist das Wohlbehagen, das ein Mann allein durch einen bloßen Blick bezieht, größer und bedeutungsschwerer, und geeigneter, ihn an menschliche Angelegenheiten zu interessieren, als der Anblick nackt herumschreitender Menschen in der westlichen Gesellschaft, (der in seiner Reizüberflutung über- reizt, und daher auch noch Langeweile und Ekel zu erwecken vermag). Und aus diesem überdrehten negativen Kreis ist kein Entkommen. Sobald einmal die Schranken eingerissen sind, entwickelt sich alles auf eine Krise hin, die in ihrem zugespitzten Zustand keinerlei Erregung mehr ermöglich, gleich, was da dargeboten wird an "Verlockungsmaterial". Das Ergebnis dieser Entwicklung ist die Fortentwicklung der Gesellschaft von der Liebe zur stumpfen Sexualität.

Die Liebe wird mehr und mehr außer acht gelassen, die höheren Werte werden zunehmend unwichtiger, und schließlich wird die Gesellschaft in ihren Zielen verwirrt, und man beginnt, Sex für das ein und alles zu halten. Hier, im Westen, ist dieser Punkt bereits erreicht. Doch diesem Beispiel wünschen wir nicht zu folgen. Wir wissen, wie bitter dieser Weg schmeckt, und dass er nur zu Zerstörung führen kann.

Ja warum soll denn nun alles versteckt werden? Wenn doch nun in einer Gesellschaft, -in der alle an Gott glauben, jeder das Gute und nur gute Dinge denkt und meint, dies gar nicht mehr nötig sein wird!?

Natürlich, da gebe ich Ihnen recht. In einer wirklich gottesfürchtigen Gesellschaft kann das System des Schleiers verschwinden, und immer weniger Vorsicht wird nötig sein (weshalb es im Paradies auch keine Verschleierung der überall wahrnehmbaren vollkommenen Schönheit mehr gibt…). Doch in einer Gesellschaft, die weder Regeln noch Kodex (des rechten Benehmens) kennt, wird dies sehr wichtig.

Das hieße dann doch aber, dass selbst durch Tragen dieser Kleider in diesen Gesellschaften, wie es sie in der Türkei, im Irak oder im Iran gibt, die Leute in Bezug auf Verbrechen oder aber den Drogenmissbrauch nicht etwas besser sind. Ich kann deshalb nicht einsehen, warum dieser Aufwand, wenn er ja doch nicht hilft?

Bitte, (Seien Sie geduldig), Sie mögen diesen Punkt nicht verstehen, weil Sie von Kindheit an eine so ganz andere Denkweise und Art der Erziehung mitbekommen haben. Doch wenn Sie öfter zu uns kommen, gewähren Sie mir dann nach und nach mehr Zeit, Ihnen zum Verständnis dieser Dinge zu helfen und ich versichere Ihnen: letztendlich werden Sie es verstehen. Der Beweis hierfür ist, dass fast alle "Westler", die Ahmadis werden, aus ihrem eigenen freien Willen heraus dieses System zu leben beginnen, es sich aneignen, da es keine Erziehung als solche zur Ahmadiyyat gibt. Die Frauen, die Ahmadis werden und dieses System übernehmen, können unmöglich hierzu beeinflusst werden. Sie wissen, dass sie glücklicher sind so, sie wissen, dass sie auf diese Weise sicherer leben; und dies ist in sich ein Beweis, dass sie in einer Gesellschaft, die ihnen jegliche Freiheit einräumt und die sie sich sehr wohl nehmen könnten, sich gerade dies verweigern. Sie können nun natürlich einwenden, man zwänge sie wahrscheinlich durch eine Art sozialen Drucks hierzu. Doch was für einen sozialen Druck könnte es (für die durch ihr Gesellschaftssystem gegen dergleichen abgeschirmten) für die deutschen Frauen geben, oder entsprechend für die Britinnen oder Amerikanerinnen, die zum Ahmadiyyat- Islam konvertieren? Sie alle respektieren und praktizieren dieses System.
Was nun den Schleier als solchen betrifft, ich versuche es Ihnen abermals, und ich sagte es Ihnen ja bereits, dies ist nicht das einzige und ausschließliche Element der islamischen Segregation der Geschlechter. Manchmal wird der Schleier getragen (der Grad der Verschleierung an sich variiert), doch die innere Haltung der "Purdah" ist viel entscheidender, und dies setzt als Minimum eine anstandsgemäße Kleidungsweise voraus. Wenn Sie dezent gekleidet sind und sich (den Anstandsregeln gemäß) benehmen, so haben Sie immerhin die Basis, das Fundament, den Grundstock für islamische Lebensweise der Trennung zwischen den Geschlechtern.

Für pakistanische Frauen (die wirklich fundierte Ahmadis sind) bedeutet die Verschleierung eine umfassendere, und in ihren Forderungen an das zwischenmenschliche Verhalten weitergehendere Haltung. Doch dies genau auszuführen, würde die Eröffnung eines neuen Kapitels von Erklärungen erfordern. Bitte haben Sie also Verständnis, gleich ob Sie nun mit dieser Antwort zufrieden sind oder nicht, dass die Leute zu meiner Linken auch noch Fragen haben… Ich danke Ihnen.

der Khalif sagte, er würde eine Gesellschaft begrüßen, in der die Frauen nicht mehr von den Männern getrennt gehalten werden müssen, da der Mann gelernt haben wird, seine Gefühle angemessen zu gebrauchen, und seine (sinnliche) Sensibilität nicht mehr auf eine Weise lebt, die die Frau überwältigt…?

Hazur: Sehen Sie, das ist doch eine Utopie. Das ist doch keine gegebene Realität in der Welt, in der wir leben. Sie erinnern mich mit dieser Auffassung an Marx Träume, die ihn sagen ließen: "Der Kommunismus wird den Menschen letztenendes zu einer staatenlosen (anarchischen) Gesellschaft führen, in der keinerlei Erziehung mehr nötig sein wird, um lediglich zwischen Ausbeuter und Ausgebeuteten zu stehen. Alle würden gleich werden im Frieden miteinander…" .Diese Ideen entstammen Traumwelten. Sie haben keinen Bezug zur Realität. Die Realität ist aber, dass mit der Weiterentwicklung der Zeit und unserer Zivilisation der Mensch sinnlicher wird. Und immer verantwortungsloser in der Verwaltung seiner Verantwortung dem zarteren Geschlecht gegenüber. Sie brauchen nur die Kriminalitätsberichte zu diesem Verbrechenssektor zu lesen, um zu erkennen, dass, wer auch immer dies behauptet haben mag, keine Ahnung von den Realitäten des Lebens hatte.

(Aber) ist es nicht so, dass es eigentlich nicht nötig wäre, die Frauen zu isolieren, wie es der Islam tut, um sie auf einem bestimmten Entwicklungsniveau festzuhalten, auf das sie sich nicht entwickeln möge, sondern dass man stattdessen die Entwicklung der Gesellschaft sich zunehmend dem Verständnis der Sensibilität und des Gefühls geöffnet gar, und da die Leute lernen, mit ihren Gefühlen zu arbeiten, und auf die richtige Weise in solch einer verwirklichten ‚Utopia’ (Idealgesellschaft) zu leben?

Es gibt da zwei Schwächen in Ihrer Argumentation. Nr.1: Ihr Verständnis vom islamischen Segregationsprinzip ist falsch und falsch begründet. Es gibt keine Isolation im Islam, die verantwortlich für eine Hinderung der Weiterentwicklung der Frauenwelt wäre bzw. ihnen im Wege stünde. Dieses Konzept wird von der Lebenspraxis der Ahmadi- Frauen ad absurdum geführt, die an jeder nützlichen und daher "gesunden" Aktivität ohne alles Gehindertwerden teilnehmen. Vor ein paar Jahren z.B. war da eine Ahmadi- Dame, die in Oxford studierte, alle 3 Examina mit Auszeichnung bestand, in Physik promovierte, und ihr gesamtes Studium hindurch das islamische Segregationsprinzip wahrte. Sie wurde hierfür von den Professoren und Kommilitonen verehrt. Wenn also der Islam den Frauen auf ihrem Gottverliehenen Entwicklungspfad hindernd den Weg versperrte, dann wäre der Islam allerdings falsch und im Irrtum. Doch der Islam ist nicht falsch, sondern nur falsch verstanden. Der Islam hält die Frauen nicht davon ab, ihr Potential bis zu seinem Maximum auszuschöpfen und zu verwirklichen; doch es ist zugleich erheblich fördernder für sie, dem skrupellosen Glücksspiel einer Gesellschaft, die sich täglich permissiver gestaltet, auf sicherem Abstand fern zu bleiben (das eine widerspricht dabei dem anderen nicht): Das einzige, was der Islam als eine Art Sicherheitsventil zwischen Mann und Frau eingebaut hat, hiervon abgesehen gibt es keinerlei Hindernisse irgendeiner Art (für die weibliche Aktivität und Fortentwicklung). Die zweite Schwäche in Ihrem Denken ist folgende: Sie glauben, ohne sich auf die Geschichte zu beziehen, dass der Mensch diese freie Lebensweise in einem progressive verlaufenden Prozess erst kürzlich erlernte. Doch dieses wird von der Geschichte ebenfalls ad absurdum geführt…

Im alten Pompeji war der Mensch in der Freizügigkeit seiner zwischengeschlechtlichen Beziehungen ‚weiterentwickelt’, als er es heute ist. Zur Blütezeit der griechischen Kultur war der Mensch in diesen Beziehungen weiter. Im alten Ägypten war der Mensch weiter in der Freizügigkeit der Beziehungen zwischen Mann und Frau; und jede dieser Zivilisationen brach letztlich zusammen, bittere Lektionen als Anschauungsmaterial der Nachwelts- Menschheit hinterlassend. Die zivilisatorische Welt –bzw. Menschheitsentwicklung ist nicht eine progressive. Sie ist nicht evolutionär. Sie wägt sich, der Natur gemäß. In zyklischen Wellen. Und Wellen sind nicht progressiv, sie unterliegen vielmehr einen auf- und abschwellenden Wechselgang. Sie gehorchen einem bestimmten Muster und Rhythmus. Die menschliche Gesellschaft wiederholt immer wieder aufs Neue ihre Tendenzen und Versuche, um sodann, da sie gescheitert ist, zur anderen, Entgegengesetzten Seite des Spektrums zurückzuschwingen.
Dies also ist die Weise, in der sich die zivilisatorische Welt- und Menschheitsentwicklung der Geschichte nach darstellt, nicht etwa in jeder naiv-idealen Weise, wie Sie sie angesprochen haben.

Aus Ihrem Buch (der Biographie Khalifatul Masih IV) "A man of God" weiß ich, dass Sie ein sehr begeisterter Sportler sind und Squash spielen, und meine Frage bezieht sich auf den Sport: Woran liegt es, dass die islamischen Frauen im internationalen Sport kaum vertreten sind? Ich beziehe mich mit meiner frage nicht etwas auf die Situation im Schulalter, in dem man ja Jungen und Mädchen miteinander am Sportunterricht teilnehmen lässt. Sondern mir geht es um Länder wie Pakistan und Malaysia, in denen Ihre Gemeinschaft über große Organisationen verfügt, wo die Frauen, obgleich sie doch die Möglichkeit zum Hockeyspielen nur untereinander, und nicht etwa in gemischten Mannschaften mit den Männern, hätten, diese Möglichkeit nicht nutzen.

Ja, Ihre Frage ist durchaus wertvoll, allerdings, jedoch, muss ich Sie darüber aufklären dass Sie nicht sehr gut informiert sind. Ich versichere Ihnen, Dass wir in der Ahmadiyya-Bewegung die Frauen mit allen Einrichtungen versehen, die ihnen eine sportliche Betätigung untereinander ermöglichen. Und unsere Lajna-Organisation, die Organisation unserer Frauen, ist in der ganzen Welt für die Förderung des Frauensports und athletischer Aktivitäten zuständig. Das Problem in Deutschland, wie Sie ja schon zu recht vergegenwärtigten, ist die Tatsache, dass wir hier weniger sind und im Lande zerstreut. Daher ist es nicht so einfach, hier derartige Sport- Clubs einzurichten. In Rabwah werden regelmäßig Hockey-Frauen-Wettbewerbe veranstaltet. Wir haben dort einen Swimmingpool des modernsten internationalen Standards, des an einigen Tagen der Woche ausschließlich für die Frauen reserviert ist, und wir kümmern uns entschieden darum, dass die Frauen untereinander ihren sportlichen Interessen nachgeben können.

Und welcher Schaden soll darin liegen, dass beim Sport die Frauen für such und die Männer für sich bleiben? Dies entspricht doch genau der Praxis der internationalen Sportereignisse. Prinzipiell gibt es da auf der einen Seite die reinen Frauen-Wettbewerbe und auf der anderen die ausschließlichen Männer-Veranstaltungen. Das zeigt, dass es völlig unnatürlich ist, die Geschlechter bei ihren Aktivitäten zu mischen. Dies ist ein Faktum, das Sie bereits akzeptiert haben, und im Übrigen bietet die Ahmadiyya-Gemeinde alle Möglichkeiten. Dies sollte ich vielleicht einschränken, aber wir versuchen, die Möglichkeiten für Frauen zu maximieren, auf das sie freien Zugang zu allen Sportarten haben mögen.

Eure Exzellenz, ich bin sehr froh über diese Begegnung mit Ihnen. Ich glaube daran, dass Gott alle Menschen als Gleiche erschaffen hat. Ob sie nun Muslim, Christ, Buddhist oder was auch immer sind, wir sind alle Geschöpfe der menschlichen Gattung vor Gott. Ich frage mich, ob es die moralische Verschmutzung der Gesellschaft bzw. die Anhäufung von Schlechtem in der westlichen Gesellschaft ist, was die islamischen Frauen daran hindert, sich in die westliche Gesellschaft zu integrieren bzw. sich mit ihr zu vermischen?

Und dann würde ich auch gerne wissen, ob, wenn es da etwa Christen oder Buddhisten gibt, die wirklich gut sind, keine Drogen nehmen, zwar nicht gottesfürchtig, aber doch von gute Naturell sind, ob diese Leute eine Beziehung oder Freundschaft mit einer muslimischen Frau haben dürfen? Ist ihnen (also den muslimischen Frauen) dies untersagt, oder ist es ihnen erlaubt, solche Beziehungen mit auf diese Art "guten" Personen zu haben
?

Sehen Sie, im Islam ist die Wertschätzung von Schönheit nichts Ungöttliches, sie ist in der Tat etwas Göttliches: Wo auch immer diese Schönheit zu finden ist, ob in Blumen, in anderen Schöpfungsformen, in einer Landschaft oder in menschlichen Wesen. Sowohl die physische als auch die spirituelle Schönheit sind Ausdruck des Göttlichen. Und sie zu lieben ist etwas Göttliches, doch diese Liebe in den Schmutz zu ziehen, und sich auf die Ebene bloßer Sinnlichkeit herabsinken zu lassen, diese Liebe also auf diese Weise zu erniedrigen, dies ist ungöttlich, es sei denn, es handelt sich um erlaubte Sinnlichkeit (wie in der Ehe).
Hierum also geht es: Wenn da ein göttlich ausgerichteter Mann nach dem Maßstab lebt, den ich gerade –als im Gegensatz zum ungöttlichen Verhaltenumriss, wird der die Erlaubnis erhalten, freien, also ungehinderten Kontakt zu muslimischen Frauen zu pflegen? Das Problem ist nur, dass allein Gott wissen kann, wie ein Mensch wirklich beschaffen ist. Vom Benehmen der Menschen allein lässt sich noch nichts ablesen, was uns hülfe, zu beurteilen, ob ein Mensch "gut" ist oder nicht. Das Beste ist also, grundsätzlich Vorsicht walten zu lassen. Viele Männer sind in einen Schafspelz gehüllt, doch innerlich Wölfe…
Ich wäre also sehr naiv, wenn ich irgendjemand die Erlaubnis gäbe, sich Freiheiten mit Leuten herauszunehmen, die gut zu sein scheinen. Die sozialen Regeln basieren auf sehr allgemeinen Prinzipien, nicht etwa auf Ausnahmen.