Kontrovers geführte Emaildiskussionen
1.
- Das Kopftuch
steht nicht für "westliche" Werte wie Toleranz, Glaubens-
und Meinungsfreiheit
- Fehlende kritische Auseinandersetzung der Muslime mit dem Fundamentalismus
2.
- Das Tragen
des Kopftuches ist ein Diktat der Männer
- Eine Muslima, die gegen das Kopftuchverbot in Deutschland kämpft,
hat radikale Tendenzen
3.
- Was für
ein Bild vom Mann ist das, wenn er, weil er Haare sieht, nicht mehr
zu bremsen ist?
4.
- Im Koran steht nichts von einer Kopfbedeckung. Die Verhüllung
bezieht sich auf das Dekollete.
5.
- Die
Eltern zwingen ihre Töchter zum Kopftuchtragen.
6.
-
Eure Argumente haben nur etwas mit Sex zu tun.
7.
- Das Kopftuch ist ein Zeichen der Unterwürfigkeit (Was bedeutet
Emanzipation?).
8.
- Was für eine Philosophie ist es denn alle Dinge, die schön aussehen,
gleich zu verhüllen?
Ein Kopftuch.info Besucher hat am 1. Dezember 2003
folgende Nachricht
geschrieben:
Zunächst möchte ich darauf hinweisen, daß Toleranz auch
gegenüber fremden Weltanschauungen und Angehörigen anderer Religionen
für mich ein hohes und schützenswertes Gut ist. Ich bin froh,
daß dieser Wert Toleranz in den westlichen Industrienationen einen
so hohen Stellenwert hat. Manch einer mag einwenden, mit der Toleranz
sei es nicht so weit her in Deutschland. Dem möchte ich sagen, er
solle sich doch einmal umschauen, wie in der westlichen Welt und in Deutschland
verschiedene Kulturen und Religionen friedlich miteinander oder zumindest
nebeneinander leben können - und wie frei auch
über ein Thema wie das Kopftuchverbot diskutiert werden kann. Trotzdem
bin ich für, ja für(!) ein Kopftuchverbot, zumindest wenn die
Trägerinnen als Mitarbeiterinnen öffentlicher Einrichtungen,
wie Schulen oder Behörden tätig sind. Ob eine Muslima dagegen
privat ein Kopftuch tragen möchte, ist ihre persönliche Entscheidung
- da sollte sie frei sein, selbst zu entscheiden, was sie möchte.
Ich halte ein Kopftuchverbot für richtig, weil ich denke, daß
in einer Zeit, da radikale Islamisten mit dem 11.09. und etlichen weiteren
schrecklichen Attentaten bewiesen haben, welch eine chauvinistische Weltsicht
sie pflegen, es an der Zeit ist, einen gewissen Integrationsdruck auch
auf Muslime zu erzeugen. Wer als Lehrerin oder Angehörige einer Behörde
tätig ist, vertritt einen besonderen Auftrag, nämlich Duchführung
der Gesetze und Bildung. Von Angehörigen dieser Berufe muß
man erwarten, daß sie wenigstens grundsätzlich unsere westlichen
Werte, wie Toleranz, Glaubens-und Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung
der Frau, Achtung der Menschenrechte und der Menschenwürde, das Selbstbestimmungsrecht
des Einzelnen (gerade das)
und auch Demokratie akzeptieren. Wenn ich betrachte, was führende
fundamentalistisch gesinnte Muslime äußern, kommen mir Zweifel,
ob eine kopftuchtragende Muslima diese Werte wirklich vertritt. Wir können
nicht in ihre Köpfe schauen, also müssen wir die äußeren
Zeichen deuten. Sicher ist natürlich nicht jede Muslima, die ein
Kopftuch trägt, fundamentalistisch gesinnt. Aber wie soll man es
wissen?
Also haltet kopftuchtragende Musliminnen aus Tätigkeiten in Schulen
und Behörden fern. Ich vertrete diese Meinung deshalb, weil ich der
Meinung bin, daß zwar nicht der aufgeklärte Islam so aber doch
fundamentalistisch gesinnte Muslime eine Bedrohung für uns Menschen
in der westlichen Welt generell darstellen. Ein von fundamentalistisch
gesinnten Muslimen verübtes Attentat kann uns alle treffen und damit
ein Klima der Intoleranz erst hervorbringen, wie ich es mir nicht wünsche.
Man denke in diesem Zusammenhang nur an Diskriminierungen von Arabern
oder arabisch aussehenden Menschen in den USA nach dem 11.09.2001.
Es erscheint mir also sinnvoll, auf mehr Integration hinzuwirken und Desintegrationstendenzen
zu begegnen. Ein Wort noch zur Kippa und zum Sari: Ich kann mir einfach
beim besten Willen nicht vorstellen, daß orthodoxe Juden oder gläubige
Hindus Attentate in der westlichen Welt verüben, um die Vormachtstellung
ihres Glaubens zu demonstrieren. Wenn also diese Religionen sich in unsere
Wertegemeinschaft einfügen - warum sollten deren Symbole verboten
werden?
Darüberhinaus fände ich es wünschenswert, wenn die Energie
von Muslimen in Deutschland sich nicht darauf beschränken würde,
das Kopftuchverbot zu diskutieren. Vielmehr vermisse ich eine kritische
Auseinandersetzung von Muslimen mit dem Fundamentalismus in ihrer Religion.
Oder fanden etwa alle Muslime in Deutschland die Ereignisse vom 11.09.
oder Djerba oder Bali usw. richtig und gut? Wie stehen Muslime in Deutschland
zu unseren westlichen Werten, die ich schon genannt habe? Oder nutzen
Muslime in Deutschland nur die hier herrschende Freiheit, um in ihren
Köpfen, im Herzen und in den Moscheen doch klammheimlich Osama bin
Laden zu huldigen?
Antwort:
Wir danken für Ihre Feedback und auch die Zeit, die Sie sich genommen
haben, um sich mit unserer Stellung in Bezug auf das Kopftuch auseinandergesetzen.
Dass Toleranz ein sehr hohes Gut, ja die Voraussetzung für ein
friedliches Miteinander ist, darin stimmen wir mit Ihnen sehr überein.
Obwohl die Bemühungen für die Integration der türkischen
Gastarbeiter beispielsweise,
so die Ansicht vieler linker Poliker, hätte besser ausfallen können,
kann sich Deutschland heutzutage durchaus als ein offenes, tolerantes
und multikulturell vielfältig geprägtes Land verstehen.
In einigen Punkten sind wir aber gegenteiliger Meinung: Die von Ihnen
aufgestellte Behauptung etwa, das Kopftuch stehe nicht für "westliche"
Werte wie Toleranz, Glaubens- und Meinungsfreiheit sowie der Gleichberechtigung
der Geschlechter. Sie stellen dabei, vielleicht nicht ganz gewollt,
eine unmittelbare Parallele des Kopftuchs zum islamischen Extremismus
her. Sofern
sie die Texte auf unserer Website studiert haben, und Sie es ja auch
selber sagen, trifft dies per se nicht die herrschenden Tatsachen. Doch
gerade das ist unserer Meinung nach der Grund, gegen ein Kopftuchverbot
in Schulen zu sprechen. Das Kopftuch, das im Übrigen auch eine,
wenn auch in den Hintergrund getretene christliche Tradition hat, ist
kein politisches
Symbol, sondern für eine sehr große Anzahl an Muslimas eine
persönliche Entscheidung, die eine gesellschaftliche Verantwortung
in Bezug auf Moral und Ethik mit sich trägt. Ist es in diesem Zusammenhang
nicht weiser, eher die guten Absichten der Kopftuchträgerinnen
vor Augen zu halten, und damit den Extrememismus erst recht die Grundlage
zu entziehen? Die Tatsache, dass ein Kleidungsstück für manchen
Menschen einen negativen Beigeschmack hat, legitimiert noch lange keine
konsequente Verbannung. Die Diskussion lässt sich analog auch über
einen Bart führen: Osama Bin Laden könnte ihn aus fundamentalistischer
Überzeugung getragen haben.
Wir haben auf traurige Art und Weise erfahren, wie schnell, und über
den Köpfen der Betroffenen hinweg, die Begründung und Interpreation
ihrer Glaubenspraxis aufoktroyiert wurde. Eine differenzierte Auseinandersetzung
mit dem Islam hat praktisch nicht stattgefunden - Die Möglichkeit
einer Indoktrination durch nicht-Kopftuchtragenden Muslimen erst gar
nicht berücksichtigt. (Siehe Pressemitteilung an Hessen)
Die kritische Auseinandersetzung der islamischen Intellektuelle mit
dem Tumor des Radikalismus, dafür können wir bürgen,
findet sehr wohl statt - nur ist die Medienlandschaft hierzulande etwas
zurückhaltend mit der Berichterstattung. Als jüngstes Beispiel
wäre Iran zu nennen, dort, wo eine große Opposition, überwiegend
von Muslimas getragen, stetig Erfolge emanzipatorischer und aufgeklärter
Art, zu verbuchen hat. Es sind die mit gesunden Menschverstand ausgelegten
Koranverse, die gegen das
patriachalische Establishment im Iran von den jungen Frauen ins Feld
geführt werden - eine nicht verunstaltete und auf Frieden und Harmonie
abgestimmte islamische Philosophie, für die in ähnlicher Weise
auch wir als Ahmadiyya Muslim Jamaat seit Jahrzehnten kämpfen.
Ungezählte Infoveranstaltungen und Publikationen zeugen davon (Siehe
www.ahmadiyya.de).
Kurzum: Unterstützen Sie uns, die wir liberalen Muslime der Welt
ein positives Bild vom Islam zu zeigen versuchen, durch eine unvoreingenommene
Achtung, und nicht durch eine voreilige Verurteilung von Glaubensbestandteilen,
die von einer persönlichen Gottesfurcht herrühren. Denn so
weit sind unsere Visionen von einem globalen Miteinander gar nicht entfernt.
Ein Kopftuch.info Besucher hat am 4. Dezember 2003
folgende Nachricht
geschrieben:
selbst wenn es im Koran die verhüllung der frau in diverser, abgewandelter
form manifestiert ist, basiert dies auf die damalige patriarchalische
gesellschaftsForm, die leider auch bis heute fortdauert. aus diesem
grund wurde damals dieser passus während der entstehung des Islam
im Koran aufgenommen. das tragen des kopftuches ist somit ein diktat
der männer, die ihre frauen als besitztümer bzw. leibeigene
betrachteten und noch heute dies tun. ich als - übrigens männlicher
- insider weiss zu genau, warum z. b. in Deutschland nur eine minderheit
der muslima kopftuch tragen. die eine gruppe besteht aus frauen, die
fast keine schulausbildung haben und sich ohenhin dem mann unterwürfig
fühlen. diese empfinden diesen zustand als ganz normal
und gegeben, ja sogar schicksalhaft. ergebnis jahrhunderte andauernder
unterdrückung und versklavung der frau in den islamischen ländern.
die 2. gruppe bilden die so genannten "intellektuellen", meist
studentinnen, (angehende?) lehrerinnen, a!
kademikerinnen etc., die fast ausschliesslich aus radikal-islamisch,
religiös-missionarischen gründen das kopftuch tragen. bisweilen
gar provozierend! wenn jemand bereit ist seinen beruf aufs spiel zu
setzen und die gerichte anzurufen, um nur während des unterrichts
das kopftuch tragen zu dürfen, hat nur radikale tendenzen im kopf,
was er - für mich symbolisch
und ironisch gemeint - mit eben einem kopftuch zu verbergen sucht. dieser
"jemand" ist hier natürlich frau Fereshta Ludin gemeint,
die von den islamisten genutzt wird.
ich bin für absolute trennung von kirche und staat. selbst das
einziehen der kirchensteuer durch den staat empfinde ich als zumutung.
dass es in Deutschland überhaupt noch kirchensteuer gibt, ist an
sich schon eine schande und skandalös.
wenn die bevölkerung wüsste, wie die radikalen moslems ihr
"kirchensteuer", eh - moscheeSteuer einziehen - nein, muss
sagen eintreiben - würde sie (die bevölkerung) sich über
debatten "kopfttuch und co." anders äussern. ich geh
einen schritt weiter und bin dafür, dass selbst die schülerinnen
kein kopftuch tragen dürfen, geschweige denn studentinnen, lehrerinnen
und
alle diejenigen, die öffentliche ämter kleiden. auch nicht
ärztinnen, sozialarbeiterinnen und ähnliche. privat und in
ihren vier wänden können diese tragen und tun, was sie wollen.
jeder soll seine religion frei wählen dürfen und diese auch
ausübern, wie ihm beliebt. aber bitte nicht in der öffentlichkeit.
keine zur schau stellung. keine missionierung, nicht ein mal in ansätzen!
das soll für alle religionen gelten. der religionsUnterricht soll
entweder abgeschafft oder nur noch als AG angeboten werden. wenn
überhaupt!
ich weiss, wie die moslems z. b. den "Elften September" bejubelt,
sich in der öffentlichkeit jedoch anders geäussert hatten.
den koranschülern wird stets eingetrichtert, dass "der Islam
die einzige wahrheit wäre, und eines tages als einzige weltordnug
und -religion alle menschen umfassen werde". ich bin selbst in
einer islamischen gesellschaft geboren, habe ca. 20 jahre
dort gelebt. der Islam ist an sich repressiv und durchläuft sein
mittelalter, was christentum bereits hinter sich hat, wobei dessen ausläufer
noch heute spürbar sind. hinzu kommt, dass der Islam u. a. in der
dritten welt als - so zu sagen - bewegung und gegenpol gegen die jahrhunderte
lange unterdrückung der kolonialmächte und der heutigen verwestlichung
herhalten
muss und somit instrumentalisiert wird. wie übrigens damals das
christentum, das als gegenpol zur römischen besatzung und unterdrückung
überhaupt entstehen konnte. "entstehen" ist vielleicht
nicht ganz korrekt. denn "christentum" existierte schon jahrhunderte
als eine religionsGruppe - siehe Essener etc. -, bis es allmählich
dann zum so genannten christentum wurde. aber das ist ein anderes thema.
Die Antwort:
Im folgenden würden wir gerne auf die von Ihnen
gestellten Aussagen eingehen. Viele der von Ihnen genannten Punkte sind
schon ausführlich auf unserer Website behandelt worden, sodass
wir nicht in dem nötigen Umfang, aber vielleicht in einem angemessenen
Rahmen die Themen an dieser Stelle wiederholen wollen.
>das tragen des kopftuches ist somit ein diktat der männer,
die ihre frauen
>als besitztümer bzw. leibeigene betrachteten und noch heute
dies tun.
"... Lass den gläubig sein, der will und den ungläubig,
der will. ..."
(Heiliger Koran 18:30)
Im Islam darf es keinen Zwang im Glauben geben. Von einem Diktat der
Männer zu sprechen, ist hier unzutreffend. Ob eine Muslima ein
Kopftuch trägt, oder nicht, ist ihre persönliche Entscheidung,
zu der ihr der Mann nicht zwingen kann. Zumindest hat er dafür
nicht die koranische Grundlage. Was die Betrachtung der Frauen als Besitztümer
angeht, so ist dies eindeutig in ungebildeten und patriachilisch geprägten
Gesellschaften anzutreffen. In jedem aufgeklärten islamischen Haus,
das wir kennen, tragen die Muslimas das Kopftuch aus persönlicher
Überzeugung, weil sie gerade die im Koran aufgeführten Argumente
für wichtig erachten und sich eine spirituelles Weiterkommen dadurch
erhoffen. Sie finden auf der Website, sofern sie diese eingehend studieren,
Dutzende von Hinweisen, dass das Kopftuch per se kein Ausdruck der Unterdrückung,
sondern vielmehr mit einer moralischen Verantwortung, einer klaren Absage
zur Degradierung der Frau zum Lustobjekt, und einem selbstbestimmten
und auf Selbstvertrauen gegründeten Haltung gegenüber den
öffentlichen Gesellschaft zu tun hat. Das Argument, die Frau sei
im Islam eine Leibeigene, ist an und für sich sehr alt. Sie finden
eine interessante Stellungnahme unter "Zwei Verse erklärt",
das Sie sich ebenso auf der Website anschauen können.
>diese empfinden diesen zustand als ganz normal und gegeben, ja sogar
>schicksalhaft.
>ergebnis jahrhunderte andauernder unterdrückung und versklavung
der
>frau in den islamischen ländern. die 2. gruppe bilden die so
genannten
>'intellektuellen\, meist studentinnen, (angehende?) lehrerinnen,
>akademikerinnen etc., die fast ausschliesslich aus radikal-islamisch,
>religiös-missionarischen gründen das kopftuch tragen.
Leider haben Sie hier an vielen Stellen recht. Es ist bedauernswert,
wie viele Muslimas es gibt, die die wahre Philospophie des Kopftuchs
nicht verstehen und es als etwas Aufgezwungenes halten. Der häusliche
Druck gibt diesem Dilemma zusätzliche Brisanz, vor allem in der
Diaspora, wo noch viele Familien morgenländlich geprägter
Kulturen an ihrer Tradition klammern und
dies zum Teil mit wenig redlichen Repressalien. Indes ist eine konsequente
Verurteilung der kopftuchtragenden Muslimas, sie würden ihre radikal-islamischen
Weltbilder nach außen hin tragen wollen, zu pauschal.
Vielleicht ist es so, dass sie in dieser Hinsicht selektiv wahrnehmen,
doch gibt es unzählige Kopftuchtragende Muslimas, die überhaupt
keine politischen Ziele verfolgen, das Kopftuch als Schutz vor Männerblicken,
Flirts und der allgemein hier herrschenden Schönheitskonkurrenz
sehen und sich ohne das Tuch wie nackt fühlen. Dies und viele rein
religiös und spirituell motivierte Beweggründe sind auf unserer
Website aufgeführt, die eindeutig das Gegenteil von dem, was sie
behaupten, belegen. Dass es solche radikal-islamischen Kräfte gibt,
ist nicht zu leugnen - eine differenzierte Auseinandersetzung wäre
aber angebrachter.
>wenn jemand bereit ist seinen beruf aufs spiel zu setzen und
die
>gerichte anzurufen, um nur während des unterrichts das kopftuch
>tragen zu dürfen, hat nur radikale tendenzen im kopf,
Mit Verlaub, in einem freien Rechtstaat wie der Bundesrepublik, ist
es das gute Recht eines jeden Bürgers, für seine Glaubensfreiheit
zu kämpfen. Aus der Sicht vieler stellt sich das Kopftuch "nur
als symbolisches Kleidungsstück" dar, doch für viele
ist dies eine essentieller Bestandteil ihres persönlichen Glaubens,
der nichts mit einer politischen Demonstration
zu tun hat. Wenn der Koran das Tragen des Kopftuches vorschreibt, es
den Gläubigen aber innerhalb des gesellschaftlichen Lebens verwehrt
bleibt, so ist das eine unmittelbare Verletzung der Glaubensfreiheit,
die der Illusion
eines vollkommen neutralen Staates zum Opfer fällt. Diese nämlich
ist unserer Ansicht deswegen eine, weil jeder Mensch, wenn er sich auch
noch so enstrengt, durch seine Haltung, seinem äußerem Erscheinungsbild
oder seinen
Denkmustern nie seine Glaubensvorstellung komplett verbergen kann. Abgesehen
von den Extremen, wie zum Beispiel der Vertretern der linken Szene,
die sich auffallend alternativ kleiden, sagt schon eine Jeans oder eine
moderne Frisur sehr viel über die Gemütszustand und dem Weltbild
eines Menschen aus.
Vielleicht ist es wichtig, nach dem Sinn Ihrer so gelobten Säkularisierung
zu fragen. Eine türkische Lehrerinnen würde, auch wenn sie
kein Kopftuch tragen würde, eine religiöse Botschaft aussenden:
Und zwar, dass man als aufgeklärt Frau kein Kopftuch tragen sollte.
Lesen Sie doch dazu bitte: "Anmerkungen zum Vorhaben eines Kopftuchverbotes
in Hessen" unter
Pressemeldungen.
> den koranschülern wird stets eingetrichtert, dass "der
Islam die einzige
wahrheit wäre,
> und eines tages als einzige weltordnug und -religion alle menschen
umfassen werde".
Diese und ähnliche Aussagen gibt es auch im Christentum: "Ich
bin der Weg und die Wahrheit"; oder das Absolutheitsanspruch und
die Unfehlbarkeit des Papstes. Dies ist eine zutiefst theologische Angelegenheit,
die etwas mit Glauben zu tun hat. Es liegt in der Natur jeder Ideologie,
dass sie für sich allein die Wahrheit beansprucht. Aufgeklärte
Menschen sehen, dem entgegen,
zum Beispiel in den drei Weltreligionen durchaus auch eine gemeinsame
Wurzel - der von Ihnen geschilderte Fall trifft unserer Ansicht nach
nicht auf alle Muslime zu.
Ein Kopftuch.info Besucher hat am 3.
Januar 2004 folgende Nachricht
geschrieben:
Mich erschreckt die Tatsache, dass das Kopftuch vor "Belästigung"
schützen soll. Was für ein Bild vom Mann ist das, wenn er,
weil er Haare sieht, nicht mehr zu bremsen ist? Wäre es nicht sinnvoll,
muslimische kleine Jungs dazu zu erziehen, alle Frauen zu respektieren
und Belästigung grundsätzlich zu verhindern? Warum schauen
die Männer nicht weg? Wächst nicht wieder eine Generation
von Männern heran, die Kopftuch tragende Frauen für "ehrbarer"
halten als unverschleierte? Die Frauenbewegung hat dafür gekämpft,
dass sich Frauen immer und überall bewegen dürfen, und dass
das Argument: Warum war sie auch nachts unterwegs oder Warum hat sie
auch so einen kurzen Rock getragen, kein Wunder, dass sie vergewaltigt
wurde, nicht statthaft ist. Die Belästigung durch Verhüllung
zu vermeiden bekräftigt aber diese archaischen Argumente. Bringt
doch eure Söhne und Männer dazu, dass sie sich primär
um ihre eigene Tugend kümmern statt um die ihrer Töchter oder
Schwestern.
Antwort:
Natürlich halten auch wir es für sinnvoll, Jungen rechtzeitig
so zu erziehen, dass sie Frauen respektieren. Zudem gibt es das eindeutige
Gebot im Koran, dass Männer ihre "Blicke zu Boden schlagen
sollen", und sich nicht durch Reize fremder Frauen verführen
lassen sollen. Dieses Gebot wird sogar noch vor dem Appell an die Frauen,
ihre Reize zu bedecken, erwähnt. D.h. in
erster Linie sind natürlich auch die Männer dazu aufgefordert,
ihren Trieb zu zähmen und ihre Leidenschaften zu kontrollieren.
Allerdings verlässt die Lehre des Islams sich nicht auf die moralischen
Tugenden, da in der Realität die meisten Menschen sich sehr stark
von sexuellen Reizen ablenken lassen und so nicht einmal der Weg zu
einem spirituellen, höheren Bewusstsein - der
ja dazu führen würde, dass man nicht den sexuellen Kick allein
sucht - möglich wird.
Der Islam ist ein realistische Religion. Es ist nun auch wissenschaftlich
erwiesen, dass Männer stärker auf visuelle Reize reagieren.
Das Kopftuch und die damit verbundene Kleidung, die die Reize der Frau
bedeckt, dient als ein Schutz der Frau, der ihr die von Ihnen geforderte
Freiheit ermöglichen soll. Sie kann sich in der Öffentlichkeit
bewegen, ohne dass sie zu einem Sexualobjekt degradiert wird. Schauen
Sie sich doch die Position der Frau hier an: Überall werden Frauenkörper
benutzt, um Profit zu machen. Eine Frau scheint nur etwas wert zu sein,
wenn sie entsprechende Maße hat, die sie zur Schau stellt. Ist
das die Würde der Frau? Warum wehrt sich die Frauenbewegung nicht
dagegen?
Natürlich sind hier auch die Männer anzuklagen, die ihre
Blicke nicht im Griff haben - aber da es sehr schwer ist, gegen dieses
archaische Verhalten allein durch guten Willen und Ermahnung anzugehen,
wie wir tagtäglich allein anhand der Massenmedien zu sehen bekommen,
schlägt der Islam einen Schutz vor, der das ganze einfacher macht.
Wenn sie abnehmen wollen und trotzdem ständig Schokolade vor die
Nasen gehalten bekommen, wird ihr guter Wille wohl wenig nutzen. . Wenn
ein Mann treu bleiben will, aber trotzdem ständig mit tausenden
von Reizen konfrontiert wird, so hat er es zumindest viel schwieriger,
als jemand, der seine Blicke zu kontrollieren lernt - und zudem weniger
Reizen ausgesetzt ist. Das mag auch der Grund sein, warum
muslimische Männer Frauen mit Kopftuch noch stärker respektieren,
weil diese ihre Eitelkeit überwinden, ihre Reize nicht zur Schau
tragen und aus einer gewissen Verantwortung heraus damit auch ein Opfer
bringen. D.h. wie gesagt noch lange nicht, dass Männer keine Verantwortung
hätten - beide sind aufgefordert sich moralisch zu entwickeln.
Wenn das in der Praxis manchmal anders gehandhabt wird, hat das wenig
mit den Lehren des Islams (s.o.) zu tun, sondern es haben sich vielmehr
patriachalische Denkweisen eingeschlichen, die von der Kultur übernommen
wurden.
Ein Kopftuch.info Besucher hat am 3. Januar 2004 folgende Nachricht
geschrieben:
"... sie sollen ihre Tücher tief über sich ziehen. Das
ist besser, da mit
sie erkannt und nicht belästigt werden."
Mit dieser Textpassage ist aber eher eine Verhüllung des Dekolletes
gemeint und keine Verhüllung der Haare. Man wird ja nicht immer mit
barem Haupt sofort belästigt und aus dem Sinnzusammenhang:man wird
besser mit unverhülltem Haupte erkannt. Meiner Meinung ist diese
Auslegung eine falsche und von MÄNNERN geschaffene.
Antwort:
Aus dem arabischen Originaltext ist ersichtlich, daß mit dem "Tücher
ÜBER sich ziehen" auch das Bedecken des Kopfes gemeint ist.
Man muss diesen Vers auch im Zusammenhang mit der Art und Weise der damaligen
Bekleidungssitten sehen. Die arabischen Frauen trugen normalerweise ohnehin
schon bedeckende, sittsame Kleidung, in diesem Vers hieß es nun
aber, daß sie diese Tücher, mit denen sie umhüllt waren,
ÜBER sich hinweg bis über ihre Busen ziehen sollten. Dieses
Wort "über" zeigt, daß die Bedeckung des Kopfes gemeint
ist, denn wenn es nur um die Bedeckung des Dekolletes ginge, würde
man sagen, daß sie ihr Tücher "um" sich ziehen bzw.
hüllen sollen.
Dass die Frauen erkannt werden sollen, bedeutet nicht, daß man
erkennen soll, wer sie sind, sondern, daß sie als Muslimas erkannt
werden sollen. Dies zeigt also auch, daß es eine spezielle Form
der Bedeckung sein muss, damit sie einer bestimmten Glaubensrichtung
zugewiesen werden können.
Der Quran richtet sich an alle Menschen, Männer und Frauen, und
jeder kann und soll den Quran selber lesen und verstehen. Daher geht
es nicht darum, daß Männer Interpretationen erstellen und
Frauen sie dann befolgen, sondern jede Frau kann selber im Quran lesen
und vor allem wenn sie sich näher mit der arabischen Sprache befasst,
wird sie die Bedeutung der Gebote selbst erkennen und verstehen können."
Ein Kopftuch.info Besucher hat im April 2004 folgende Nachricht
geschrieben:
Meine Freundin und ich wollen im nächsten Monat einen Informations- und
Diskussionsabend zum Thema Kopftuch in der Schule machen. So bin ich auf
ihre Site gelangt. Erstmal einen großen Lob, ich freue mich so viele gut
erklärte und sachliche Informationen bekommen zu haben.
Doch: Immer wieder heißt es der Islam, oder besser gesagt der Koran,
zwingt die Frauen nicht ein Kopftuch zu tragen. Sie berichten von vielen
Frauen, die das Kopftuch aus Überzeugung tragen. Ich bezweifel nicht,
dass dies die meisten auch tun. Leider kenne ich auch Mädchen, die das
Kopftuch tragen müssen. Ihre Familie erwartet das von ihnen und es ist
ihnen nicht freigestellt, zu wählen. Eine Freundin von mir trägt ihr
Kopftuch nur, wenn die Familie sie sehen könnte, z.B. auf der Straße, wo
sie wohnt. Die Nachtbarn achten sehr darauf und würden anderes Verhalten
ächten oder sogar anprangern. Sie ist meiner Meinung nach nicht frei.
Sie beklagt sich nicht, aber man merkt ihr ihre Unzufriedenheit an. Der
Islam an sich kann ja die Frauen und Männer gleichstellen; Fakt ist
allerdings, dass die Gleichstellung in den Familien nicht immer ausgeübt
wird.
Ich verstehe nicht warum dagegen nichts unternommen wird, ihrerseits.
Diese Situation ist jene, die die Politiker dazu bewegt, gegen das
Kopftuch in der Scule zu stimmen. Und dann trifft es genau die, die
nicht unterdrückt werden, und nur auf ihr Grundrecht bestehen. Wie alle,
Christen und Juden und Ungläubige.
Antwort:
Sie haben zum Teil recht. Muslime sollten mit ebenso deutlichen Worten
Menschen anprangern, die anderen das Tuch, im erweiterten Sinne auch
andere Dinge, aufzwingen wollen, wie sie jene anprangern, die das Tuch
per Gesetz verbieten wollen. Denn wer andere zum Glauben bzw. zur
Einhaltung religiöser Gebote zwingen will, verstößt gegen ein bindendes
Gebot der Heiligen Korans im Vers 2:257: "Es gibt keinen Zwang in
Glaubensdingen". Das hierfür verwendete arabische Wort "din" bezieht
sich vor allem auch auf die Glaubenspraxis.
Vielleicht liegt das Problem darin, daß gerade die aktiven und
überzeugten Muslime zu denjenigen gehören, die mit solcher Art von
Problemen kaum konfrontiert werden. Wirklich gläubigen Muslimen ist
nämlich durchaus bewußt, daß man niemanden, auch leibliche Kinder nicht,
zur Einhaltung von Geboten zwingen darf. Schließlich werden diese zu
einer Art Götzendienst verleitet: Wie in dem von Ihnen genannten
Beispiel würden bedrängte Kinder die jeweiligen Gebote nur aus Angst vor
der Bestrafung durch andere Menschen heraus einhalten - quasi nicht aus
innerer Überzeugung heraus - Kein ehrbares Motiv im Sinne des Islams -
wo doch seine Philosophie ausdrücklich die alleinige Furcht gegenüber
Gott vorschreibt. Diejenigen Eltern, die ihre Töchter zum Tragen von
Tüchern zwingen, sind in der Regel auch nicht gerade die religiösesten.
Andererseits sollte man auch nicht außer acht lassen, welche Faktoren
bei dem Hass gegenüber das Kopftuch außerdem eine Rolle spielen. Das
Kopftuch als ein Stück Stoff als solches, das eventuell auch als
modisches Accessoire dient, ist es weniger - viel mehr sind es die
daraus resultierenden gesellschaftlichen und sozialen Konsequenzen, die
das Kopftuchtragen erschweren. Und gerade heutzutage, wo sich
Gutmenschen aus allen Bereichen, nicht weniger auch aus dem
Lehrerkollegium, dem Feldzug gegen das Kopftuch verschrieben haben, wird
implizit vorgeben, was "in" sei oder "out", was "emanzipiert" und "patriachalich",
was ein Teil der Gesellschaft ist und was Fremdkörper. Die mitleidenden
Blicke der Nachbarn bis hin zu den hänselnden Schulkameraden, die
spottend das Tuch vom Kopf reißen, all dies gehört traurigerweise zum
Alltag.
Letzendlich fühlen sich angesichts dieser Tatsachen die muslimischen
Frauen nunmal einer Übermacht gegenüber, eine, die nicht nur das Tuch
ächtet, sondern insgesamt unterschwellig auch ein der Religion und den
jeweiligen Moralvorstellungen entsprechender persönlicher Lebenstil. So
mag es nicht verwundern, wenn Eltern verstärkt auf das Kopftuch pochen;
als rettenden Anker, der ihre Sprösslinge davor bewahrt, sich dem
gesellschaftlichen Druck zu beugen und subtil Wertvorstellungen zu
adoptieren, die Lichtjahre von denen des Islams entfernt sind.
Sicher wären die Fronten nicht so verhärtet, wenn die Gesellschaft
toleranter mit Kopftüchern, sowie generell mit anderen Weltbildern
umgehen würde. Es ist nicht fair, den Druck der Eltern anzuprangern,
ohne zugleich den unvergleichlich größeren Druck der Gesellschaft zu
kritisieren oder zumindest zu thematisieren.
Ein Kopftuch.info Besucher hat am 6. Mai 2004 folgende Nachricht
geschrieben:
Hallo, ich habe eure Webseite ausführlich gelesen und die angeführten
Argumente für ein Kopftuch überzeugen mich nicht. Mir ist es zwar egal,
ob eine Frau Kopftuch trägt oder nicht, allerdings nur so lange es ihre
eigene Entscheidung ist. Was leider oft nicht der Fall ist.
Andererseits haben mir eure Argumente viel zuviel mit Sex zu tun.
Wenn man das liest, könnte man meinen Männer wären testosterongesteuerte
Tiere. Ich bin seit vielen Jahren verheiratet und mein Mann bekommt
keine Stielaugen, wenn er andere Frauen sieht. Wenn ihm eine Frau ihren
Busen unter die Nase hält schaut er halt weg, weil er ihn gar nicht
sehen will. Und wenn man hier in Deutschland normal bekleidet auf der
Strasse rumläuft, glotzen einem in erster Linie arabisch aussehende
Männer an. Und es wäre auch schön, wenn sich insbesondere junge
muslimische Männer an ihren Koran halten würden. Ich kenne nämlich
genug, die so genannten vorehelichen Sex mit nicht muslimischen Frauen
haben, dann aber nur eine jungfräuliche Muslima heiraten wollen.
Allerdings halte ich auch nicht viel von den Frauen, die diese
Sexgeschichten mitmachen.
Noch eine Anmerkung zum Thema Toleranz: Muslime verlangen von den
westlichen Gesellschaften immer Toleranz, aber wo bitte ist die Toleranz
in den muslimischen Gesellschaften? Oder wollt ihr mir vielleicht
erzählen wie tolerant die Gesellschaft z.B. im Iran oder Saudi Arabien
ist.
Antwort:
Also, zunächst sollte klargestellt werden, dass wir uns als Vertreter
der islamischen Lehre sehen, zum Teil sogar selbst Deutsche sind, und
somit mit der "arabischen/türkischen Kultur" nichts zu tun haben. Wenn
arabische Männer Frauen hinterher schauen, so ist dies ihr persönliches
Problem und hat nichts mit der islamischen Lehre zu tun, denn im Koran
(33:60) werden sie aufgefordert, ihre Blicke zu senken. Wenn Frauen zum
Tragen des Tuches gezwungen werden, so hat dies ebenfalls nichts mit der
islamischen Lehre zu tun, denn in 2:257 heißt es: "Kein Zwang in
Glaubensdingen". Wenn in so genannten islamischen Ländern keine Toleranz
gegenüber Christen existiert (was wir so pauschal nicht unterschreiben
können, denn der "Islam" findet sich nicht nur im extremistischen
Saudi-Arabien, in vielen Ländern feiern etwa Christen und Muslime
gemeinsam ihre Festtage), so hat dies ebenfalls nichts mit der
islamischen Lehre zu tun, denn der Prophet ließ sogar Christen in
Moscheen ihren Gottesdienst abhalten.
Wir von Kopftuch.info gehören der islamischen Ahmadiyya Gemeinde an, die
weltweit vertreten ist und nichts mit Saudi-Arabien, der Türkei oder dem
Sudan oder Iran zu schaffen hat. In unserem Ursprungsland Pakistan
werden wir selbst verfolgt, und zwar von unseren eigenen
"Glaubensbrüdern". Wir sind der festen Überzeugung, dass es unerlässlich
ist, streng zwischen islamischer Lehre und heutiger so genannter
islamischer Praxis zu trennen, und dass gegenwärtig kein einziges Land
den Islam wirklich in seinem ursprünglichen Sinn und Geist umsetzt. Sehr
häufig werden unislamische Traditionen mit islamischen vermischt. Der
Einfachheit halber wird ihnen ein "islamisches Mäntelchen" umgehängt.
Was das Argument angeht, wir würden zu häufig das Argument "Sex"
anführen, so ist dies diskutabel. Allerdings gibt es nicht von ungefähr
in der Werbebranche den Slogan "Sex sells". Tatsache ist, dass Sex eine
große Macht besitzt und mit dem Missbrauch sexueller Bedürfnisse und
sexueller Anziehungskraft viel Geld verdient wird. Wäre es so, wie Sie
schreiben, dass die meisten Männer heute zivilisiert genug seien, um
Frauen nicht anzustarren oder zu belästigen und überhaupt Sexualität als
nicht so wichtig empfinden, könnte die Pornoindustrie einpacken.
Tatsache ist allerdings wohl , dass viele Männer weniger durch und durch
moralisch , sondern durch die Dauerberieselung vielmehr vollkommen
abgesättigt und gelangweilt sind. Genau dies ist aber nicht im Sinne des
Islams. Unserer Ansicht nach - ganz im Gegensatz zum Christentum (viele
Jahrhunderte hindurch) ist der Trieb Sexualität etwas sehr Positives,
das durchaus gepflegt werden sollte. Übrigens gilt dies für weibliche
Sexualität genauso wie für männliche.
Gut möglich, dass für Ihren Mann tatsächlich gilt, dass er weder von
sexuellen Trieben dominiert wird noch vom Anblick eines weiblichen
Körpers lediglich gelangweilt ist - doch für einen großen Prozentsatz an
Männern gilt dies nicht. Sie kommen mit der Reizüberflutung nicht so gut
zurecht und suchen immer neue Kicks - was teilweise zu Perversionen
führt. Wir sind der Ansicht, dass dies durch eine dezentere Bekleidung
der Frau und durch die Weigerung, sich als Sexualobjekt zu präsentieren,
vermieden werden könnte. Langfristig gesehen. Und selbstverständlich auf
rein freiwilliger Basis! Eine zunehmende Zahl an Tuchträgerinnen trägt
das Tuch tatsächlich freiwillig aus diesen Gründen.
Ein Kopftuch.info Besucher hat am 15. März 2004 folgende Nachricht
geschrieben:
Hallo liebe Muslima.
Ihr seid auf dem richtigen Weg und Eure Argumente sind richtig. Wir
westlichen Männer haben der Frau viel zu viel Rechte eingeräumt und
aufgrund ihres labilen Charakters zerstört sie die Familien. Das
Kopftuch ist eine große Hilfe, die Frau von ihrem widernatürlichen
Verhalten zu bekehren. Die Frau hat ihrem Mann zu dienen und jederzeit
zur Verfügung zu stehen (natürlich auch sexuell, damit er wegen seiner
archaischen Triebhaftigkeit keine anderen Frauen anschauen muss). Die
Aufgabe des Mannes, ist die finanzielle Versorgung der Frau und der
Kinder. Momentan nimmt die Frau den Männern immer mehr Arbeitsplätze
weg. Ihr aktiven Muslima habt erkannt, was Eure Natur ist. Wenn Ihr
erfolgreich seid, können wir Männer endlich wieder die richtige Ordnung
herstellen. Eigentlich müssten wir Männer jeder aufrechten Muslima, die
wir auf der Straße erkennen können, eine Rose schenken.
Antwort:
Lieber Kopftuch.info Besucher!
Wir laden Sie herzlich ein, einmal eine unserer Veranstaltungen zu
besuchen, um sich die unterwürfigen Muslimas von "Kopftuch-Info" einmal
persönlich anschauen zu können. Gut möglich, dass Sie gezwungen sein
werden, einige Ihrer vorschnellen Urteile zu revidieren.
Sind Sie schon einmal auf die Idee gekommen, dass auch das
Kopftuchtragen und das Nicht-Arbeiten-Gehen eine Form der Rebellion sein
kann? In einer Umgebung nämlich, in der nur die körperliche
Attraktivität und die vermeintliche Selbstverwirklichung im Beruf
gesellschaftlich anerkannt sind.
Emanzipation bedeutet, sich von gesellschaftlichen Zwängen aller Art zu
befreien, und diese Zwänge variieren. Die Situation ist heute nicht mehr
dieselbe wie vor 80 Jahren, als Frauen um das Recht kämpften, kurze
Röcke zu tragen und arbeiten gehen zu dürfen. Heute geht der Zwang genau
in die andere Richtung. Denken Sie mal darüber nach! Niemand wird unters
Tuch gezwungen, und es gibt keineswegs nur Vollzeithausfrauen bei uns.
Aber wir plädieren für echte Entscheidungsfreiheit. Halten Sie das für
unemanzipiert?
Ein Kopftuch.info Besucher hat am 20. Januar 2004 folgende Nachricht
geschrieben:
Das Kopftuch steht doch für die Idee der Verhüllung. Warum um alles
in der Welt soll denn in einer Welt, die eh schon soviel unschöne Dinge
hat, denn nun auch die Frau verhüllt werden. Was für eine Philosophie
ist es denn alle Dinge, die schön aussehen, gleich zu verhüllen?
Außerdem ist es ja völliger Unsinn zu glauben, dass unverschleierte
Frauen weniger geachtet und
schneller vergewaltigt würden. Wo man den menschlichen Umgang
miteinander gelernt hat, braucht man niemanden zu verhüllen. Die
ursprünglichen Amazonas Indianer gingen man wie Frau völlig nackt und
lebten auch sonst sehr archaisch.
Antwort:
Erstens verhüllen muslimische Frauen ja ihre Schönheit keineswegs immer
und überall, vielmehr wird lediglich zwischen privater- und öffentlicher
Sphäre differenziert. Was kaum jemand weiß (eben weil muslimische Frauen
sich nicht öffentlich, etwa in Fernsehreportagen oder für Zeitschriften,
zurechtgemacht präsentieren) ist, dass der Islam beileibe keine prüde
oder den schönen Dingen feindlich gesonnene Religion ist. Auch Frauen,
die sich in der Öffentlichkeit verschleiern, können - müssen natürlich
nicht, zuhause durchaus attraktiv zurechtgemacht sein.
Zweitens: Wir stimmen Ihnen nicht ganz zu, was die Definition von
Schönheit angeht. Wird nicht gerade in unserer Gesellschaft schon mehr
als genug Wert auf reine Äußerlichkeit gelegt? Viele Musliminnen
empfinden ihre Verhüllung als eine Befreiung von dem gesellschaftlichen
Zwang nach äußerlicher Attraktivität - zumal, wenn sie den gängigen
Schönheitsnormen nicht zu 100% entsprechen, denn Kleidung kann nicht nur
'Reize', sondern auch Mängel bedecken. Diese Musliminnen sind der
Ansicht, dass es noch andere Schönheit gibt als die eines attraktiven
Körpers - nämlich die Schönheit eines festen Charakters oder eines
Gesichtes, das vielleicht eine Hakennase hat aber Selbstbewusstsein oder
Güte ausstrahlt. Und selbst Frauen, die sich vom Zeh bis zur Haarwurzel
verschleiern, können 'schön' sein: Nämlich, indem sie intelligente Dinge
sagen oder gute Dinge tun.
Was die von Ihnen erwähnten Naturvölker angeht - generell sind
auch wir der Ansicht, dass der Grad der nötigen Bedeckung von dem
moralischen Standard der Gesellschaft abhängt. Tatsache ist nur, dass
wir nicht unter indianischen Naturvölkern leben. Sicher ist die
Verhüllung kein Garant dafür, dass eine Frau nicht belästigt wird - aber
es liegt doch auf der Hand, dass eine regelrechte Zurschaustellung von
Reizen eher dazu verleitet, zu 'glotzen' oder auch einmal
'handgreiflich' zu werden als verhüllte Reize. Die wirkungsvollste
Methode, Belästigungen zu vermeiden ist wohl die Kombination von
verhüllender Kleidung, ausgeprägtem Selbstbewusstsein und
Karatekenntnissen ;-).